Volltext : Beiträge zur Kenntniss der deutschen Baukunst des Mittelalters (Textband)

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Schicksal sie in ihrer Entwickelung wie in ihrem Verfalle theilt.. Die Baukunst , deren Ausübung
 mehr noch als die jeder andern Kunst durch äussere Umstände bedingt wird, entwickelt
 sich nur langsam und stufenweise. Die Schöpfungen des gröfsten Genies werden
 immer. durch den Einflufs der Zeit, welcher es angehört, modifcirt werden, so,
dafs das beste und vollkommenste Werk nur als das Resultat einer fortgesetzten Bildung
mehrerer Generationen angesehen werden mufs, und die genaue Vergleichung einer Reihe
von Werken der Baukunst, verbunden mit Geschichtsstudium zeigt uns den einzigen
sichern Weg an, die Entwikelung der verschiedenen Bauarten zu verfolgen. Sind durch
solche Untersuchungen die Hauptperioden der Kunstausbildung mit Sorgfalt und historischer
 Kritik bestimmt, so wird es dann leichter werden ‚ den einzelnen, wiewohl abweichenden
 Werken ihren Platz anzuweisen.
Was die Benennung der verschiedenen Bauarten betrift, welche sich in Europa
nach dem Verfalle der römischen Baukunst entwickelten, und bis zum 16. Jahrhundert
üblich waren, wo sie durch die neuere griechisch römische verdrängt wurden, so hbegriff
 man dieselben lange unter dem allgemeinen Namen: gothische Bauart. Später
wurde dieser Name nur auf den im 13. Jahrhundert herrschend werdenden Spitzbogenstyl
 angewendet. Es ist jetzt bekannt genug, dafs dieser Name: gothische Bauart,
nicht passend ist; da aber die bisher versuchten andern Benennungen byzantinische,
sächsische und deutsche Bauart, theils nicht allgemein angenommen, theils nicht bestimmt
 gentig sind, so werde ich mich begnügen, die Bauarten jedesmal nach dem Jahrhundert
 und in dem Lande in welchem sie blüheten zu bezeichnen. Was aber die
Frage betrifft, wem das Verdienst der Erfindung und Vervollkommnung der Kunst
zuzuschreiben sey,. so dürften vielleicht folgende Bemerkungen, wenn sie gleich mehr
artistisch als historisch sind, bei dieser Untersuchung von Einflufs seyn.
Die Formen der Baukunst sind ursprünglich nichts weniger als willkührlich und
zufällig. Klima, Material und Charakter des Volks wirken wesentlich auf dieselben
ein und bilden die manigfachen Erscheinungen , welche eben so verschieden sind, als
die Physionomien der Länder und der Zustand der Völker. Alles was sich aus diesem
entwickelt, wird in seiner Art eigenthümlich und in Harmonie mit sich selbst seyn.
Alle Kunst, welche dagegen unter fremden Nationen, verschiedenem Klima und verschiedenen
 Zeitumständen entstanden ist ‚ und auf andere Völker und Länder übertragen
 wird, behält so lange den Charakter des Unpassenden und Unzusammenhängenden 5
bis es mit der Zeit dem Talent gelingt, dieselben sich anzueignen und daraus eine neue
volksthümliche und consequente Kunst zu bilden. — Nimmt man das Vorstehende als
richtig an, so wird dasjenige Volk das Verdienst einer eigenthümlichen Baukunst in
Anspruch nehmen können, dessen Werke
            
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