Es war schon i. J. 1842, dass die Frage von Errichtung eines Neubaues für die K. polytechnische
Schule in Stuttgart Seitens des K. Studienraths bei dem K. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens
erstmals in Anregung gebracht wurde. Dieselbe Frage hatte eine Petition der Kammer der Abgeordneten
vom 14. Juli 1845 zum Gegenstände. Es haben nun auch eingehende und wiederholte Verhandlungen
darüber zwischen den Ministerien des Cultus und der Finanzen stattgefunden, die jedoch
theils unter der Ungunst der Jahre 1847 und 1848, theils an der nachgefolgten misslichen Finanzlage
des Staats scheiterten. Auf der anderen Seite waren zu Anfang der 1850ger Jahre an dem seitherigen
Schulgebäude solche Erweiterungen und Verbesserungen ausgeführt worden, welche die Herstellung eines
Neubaues für die Schule vorerst als etwas minder dringlich erscheinen lassen mochten.
Es wurde nun aber doch schon i. J. 1854 mit letzterem insofern ein Anfang gemacht, als zunächst
die Errichtung eines neuen chemischen Laboratoriums der Schule eingeleitet wurde, wofür nach einlässlichen
Verhandlungen zwischen den betheiligten Ministerien der im Eigenthum der Staatsfinanzverwaltung
befindliche Platz an der Seewiese mit der Bestimmung gewählt ward, dass mit dem zu errichtenden
Laboratorium das künftige Hauptgebäude der polytechnischen Schule in unmittelbaren
räumlichen Zusammenhang gebracht werden sollte. Um letzteres zu ermöglichen wurde sofort zu Erwerbung
des gegen die Alleenstrasse hin gelegenen städtischen Grundeigenthums für den Staat die
erforderliche Vorkehr getroffen.
Allein auch der damals nur eventuell in Aussicht genommene Neubau für die Schule erschien
bald mit jedem Tage dringlicher und so kam man schon im November 1857 auf diese Frage mit dem
Erfolge zurück, dass mit höchster Genehmigung Sr. Majestät des verewigten Königs Wilhelm in den
Etat-Entwurf pro 18 58 /6i eine Exigenz von 350,000 fl. zu diesem Zwecke aufgenommen wurde, welche
Summe dann auch von den Ständen des Königreichs in entgegenkommender Weise bewilligt ward.
Der Exigenz der K. Regierung hatte ein von dem Lehrer - Convent der polytechnischen Schule
entworfenes Programm über den Raumbedarf zu Grunde gelegen, welches nun nach erfolgter Verabschiedung
der bezeichneten Summe zunächst von dem K. Studienrath, der damaligen Aufsichtsbehörde
über die polytechnische Schule, noch im Einzelnen näher geprüft, und schliesslich von dem K. Ministerium
des Kirchen- und Schulwesens als Grundlage für Entwerfung des Bauplans definitiv festgestellt
wurde.
In Beziehung auf die Baustelle für den auszuführenden Neubau wurde, in Folge der dem neuen
chemischen Laboratorium gegebenen Situation, Seitens des Lehrer-Convents der Schule, des K. Studienraths
und des damaligen Herrn Chef des Cultdepartement wiederholte Vorstellung erhoben, die jedoch
nicht die Wirkung hatte, dass hinsichtlich des hiefiir schon früher bestimmten und zu diesem Zwecke
eigens erworbenen Bauplatzes eine Aenderung eintrat.