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das Experimentiren auf’s Gerathewohl nicht mehr. Da mussten Männer herangebildet werden, diu diesem Aufschwung
einer thatkräftigen und erfindungsreichen Zeit mit Kopf und Herz angehörten und im Stande waren, an der Hand
der exacten, wie der empirischen Wissenschaften die Herrschaft über die Materie zu gewinnen.
Das war zunächst die Aufgabe, welche an die polytechnischen Schulen bei ihrem Entstehen herantrat, und
wie die unsrige ihr nachgekommen ist, davon zeugt der grosse industrielle Fortschritt, den unser engeres Vaterland
zum grossen Tlieil früheren Schülern der Anstalt verdankt; davon zeugt die grosse Menge aus ihr hervorgegangener
Techniker, die, wie einst die württembergischen Theologen, überall in der Welt als brauchbare Leute Stellen gefunden
haben und zum Tlieil zu Ehren und Würden gelangt sind.
Abor neben diosem Streben, die Kosultate der Wissenschaft für Industrie und Technik fruchtbar zu machen,
ist zugleich auch die Aufgabe erwachsen, diese für die höhere Technik vorbildenden Wissenschaften selbst tlieils
fester zu begründen, ja gänzlich umzugestalten, tlieils ihren Kreis durch Cultivirung noch brachliegender Tlieile
wesentlich zu erweitern, und es sind hier Männer gebildet worden, deren Namen die gelehrte Welt mit Achtung nennt,
Diesem für eine Bildungsanstalt höchsten Gesichtspunkt, der die Gewährung einer wissenschaftlichen Fachbildung
mit der Ermöglichung selbst einer ausschliesslich gelehrten Laufbahn verbindet, diesem Gesichtspunkt gemäss
erfolgte vor wenigen Jahren jene Aondorung der Organisation, die ein freieres akademisches Leben erweckte, und
heute beim Einzug in diesen herrlichen Tempel der Wissenschaft und Kunst lesen wir über seiner Pforte die ausdrückliche
Bezeichnung der Anstalt als »technische Hochschule.« /V, .. x -/ , «, J
Sie ist die erste in Deutschland, welcher diese bestimmte Bezeichnung durch die Staatsbehörde zu Tlieil
wurde, wie auch Württemberg in der Gründung einer naturwissenschaftlichen Facultät die Initiative in Deutschland
ergriffen hat.
Dieses scheinbar zufällige Zusammentreffen lmt gowiss einen tieferen Zusammenhang.
Erst seit einiger Zeit hat man es gewagt, an den starren, mittelalterlich-scholastischen Bau der vier Facultäten
Hand zu legen; so lmt man auch die Naturwissenschaften, die man früher nebst manchen anderen heterogenen
Fächern in der philosophischen Facultät unterbrachte, zu einer selbständigen Facultät erhoben. Man hat cs getlian
weil man erkannte, dass die alte Eintheilung dem durch die Neuzeit so sehr erweiterten Begriff einer »universitas
literarum« nicht mehr entspreche.
Ja der Begriff Universität ist noch höher zu fassen. Sie soll in der wörtlichen und ursprünglichen Bedeutung
des Worts eine Vereinigungsstätte und höchste Pilanzschule aller der Zweige dos menschlichen Wissens sein,
die im eminenten Sinne Wissenschaften heissen, und wer wollte den technischen Wissensclichaften, die mit ihrer
weltumgestaltendon Bedeutung die ganze Tiefe und logische Gedankenentwicklung der alten Disciplinen verbinden,
das Recht auf diesen Namen streitig machen?
Es ist also gewiss nur eine gerechte, aber nichtsdestoweniger höchst dankensworthe Concession an den Geist
der Neuzeit, wenn die polytechnische Schule als Hochschule auf die gleiche Stufe mit der Universität erhoben
wurde, da bis jetzt eine Vereinigung beider zu einem gegenseitig befruchtenden Wechselverkehr, zu einer wahren
»universitas literarum« durch die Verschiedenartigkeit der Vorbildung, sowie durch locale Hindernisse unmöglich
erscheint.
Angesichts solch hochherzigen Vorgehens unserer Regierung habe ich im Namen meiner Commilitonen die
Gefühle des Dankes und der Verehrung gegen alle die hohen Gönner und Mäcenaten auszusprechen, welche diese
neue Aera, verkörpert zugleich in dem herrlichsten Angebinde, diesem neuen und geräumigen, ja palastähnlichen
Gebäude, eröffneten.
Wir glauben diese Gefühle dadurch am Besten an den Tag legen zu können, dass wir unsrerseits nach Kräften
dazu beitragen, unsere Anstalt des Namens einer Hochschule stets würdiger zu machen.
Das soll unser Bestreben sein; ich glaube es im Namen aller meiner Mitstudirendcn versprechen zu dürfen.
Eine freudige Ueberrasehung ward hierauf der ganzen Festversammlung dadurch bereitet, dass
Herr Oberbürgermeister Sick die lioduerbülme bestieg, und, nach rühmender Hervorhebung der Verdienste,
welche Se. Excellenz der Herr Cultminister sich während seiner Verwaltung um das Unterriehtswesen
erworben, ein Diplom verlas, dem zufolge der Gemeinderath der Stadt Stuttgart in Uebereinstimmung
mit dem Bürgerausschusse beschlossen hat:
Sr. Exccllonz dem Herrn Cultminister, Dr. Carl Ludwig von Golthcr, Commenthur erster Klasse
des K. Friedrichsordens und Commenthur des Ordens der Württembergischen Krone, in Anerken-