Full text: Für Bauplatz und Werkstatt / Mitteilungen der Kgl. Württemberg. Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg.1909, Bd. 4, Heft 1/12)

Treppengeländer. 
Wenn wir in den häusern 
inserer Altstädte Studien 
nachen, so fallen uns die ver⸗ 
chwenderisch angelegten Vor— 
olätze mit den geräumigen 
Treppenanlagen auf. Wir be—⸗ 
nerken, mit welcherCiebe unsere 
Porfahren die Treppengelän— 
der ausgebildet haben. Kunst⸗ 
ioll geschnitzte Antrittspfosten 
und Handleisten, reich profi— 
lierte Staketen oder Brettchen 
ind nichts Seltenes. Wenn 
wir nun heute beim Bau von 
Zürgerhäusern in den meisten 
Fällen nicht mehr so üppig 
porgehen können, so soll doch 
das, was gemacht wird, in 
defriedigender Weise gelöst 
werden, um so mehr als die 
Treppenanlage den ersten Ein⸗ 
odruck auf den Besucher eines 
hauses macht. 
Unsere heutige Abbildung 
zeigt verschiedene Behandlungs⸗ 
veisen von einfachen Treppen⸗ 
geländern. In den letzten 
Jahrzehnten wurden Staketen⸗ 
zeländer beinahe ausschließlich 
oerwendet; man vergaß, daß 
sich auch mit profilierten Brettchen hübsche Wirkungen er⸗ 
zielen lassen. Erst in neuerer Zeit greift man glüñlicher— 
weise auch auf diese wieder zurück. Eine gute Wirkung 
äßt sich ferner mit einer Kombination beider Konstruk- 
tionen erzielen. 
Aber nicht nur bezüglich der Form, sondern auch be— 
züglich des Materials ging man sehr einseitig vor. Ahorn— 
taketen mit Kirschbaumhandagriff lautete beinahe jeder 
—IXL 
um wurde nicht 
auch Forchen⸗, Ei⸗ 
hen⸗ oder Buchen⸗ 
holz verwendet, 
welche holzarten 
ebensosehr, wenn 
aicht besser, für 
eine gute Ausbil⸗ 
dung der Gelän⸗ 
der geeignet sind 
und zudem keine 
o hohen Rosten 
derursachen. Eine 
Zolitur ist in der 
Kegel nur für 
)en Handgriff not⸗ 
vendig, für die 
ibrigen Teilenicht. 
Nan kann letz⸗ 
ere lasieren und 
ackieren, beizen 
»der mattieren. 
Nögen diese Zei⸗ 
en dazu bei— 
ragen, namentlich 
ei den Treppen⸗ 
nachern auf dem 
ande anregend zu 
virken. 
Ctwas über 
Brandmauern. 
Wir wollen heute besonders 
diejenigen Brandmauern etwas 
näher beleuchten, die bei ge— 
chlossener Bauweise oder beim 
zusammenbauen von zwei 
bebäuden kraft des Gesetzes 
errichtet werden müssen. In 
ehr vielen Fällen hat der Laie 
on dem Vorhandensein der⸗ 
elben keine Ahnung, weil die 
ʒebäulichkeiten die gleiche 
)öhe haben. Bei geringen 
öhendifferenzen zweier Häuser 
zönnen durch das Sichtbar— 
verden von Brandmauern ganz 
yübscheWirkungen im Straßen⸗ 
pild entstehen. Anders wird 
die Sache, wenn aus einer 
zeihe alter trauter Nachbar— 
yäuser eines herausgerissen 
vird, um einem Warenhaus, 
Heschäftshaus oder einer Miets 
zaserne Platz zu machen. In 
den meisten Fällen entsteht 
dann durch die Brandmauer 
eine große leblose Fläche, die 
malerische Straßenbilder be— 
einträchtigen und hübsche Aus- 
licke verdecken kann. Besonders schlimm wird die Sache, 
venn das Haus kein normalausgebildetes Dach erhält, 
ondern eines jener abgesägten Dächer, die wir in einer 
er letzten nummer schon besprochen haben, oder wenn die 
fläche für Reklamezwecke ausgenützt wird. Was man 
on den Bauherrn bezw. ihren Architekten zum mindesten im 
nteresse der Erhaltung guter Straßenbilder verlangen kann, 
st die Anbringung eines Bestiches oder eines Verputzes auf 
den Bachsteinen. 
tine helle Fläche 
vird in jedem Fall 
veit besser wirken 
vie eine rote Brand⸗ 
nauer. Diejenigen, 
velche die Sache 
ioch besser machen 
vollen, können oh⸗ 
ne nennenswerte 
Mehrkosten durch 
Hesimse oder ge— 
ichickte Vertikal⸗ 
zliederungen die 
große Fläche auf⸗ 
lösen und dadurch 
hdis zu einem ge— 
vissen Grade die 
chlechte Wir⸗ 
zung hinwegtäu— 
schen. Man baue 
also nicht einfach 
drauf los, sondern 
überlege auch, wie 
eine solche Brand⸗ 
nauer wirken wird 
ind wie sie aus— 
zugestalten ist, um 
richt ein Stein des 
Instoßes zu sein. 
—— — — — 
Grundrisse. 
Hottesacker-Kapelle in Weilderstadt. 
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