Title:
Die Härte der Weltenliebe
Creator:
Walden, Herwarth
Shelfmark:
2Fa 144-65
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1442223239938/11/
Das ist großartig. Empfinden Sie das wirklich nicht, Doktor. 
Ja. es klingt ganz nett. Fräulein Irma weiß doch, wo wir sitzen. 
Immer auf Liebespfaden. Diese jungen Leute 
Suchen Sie doch Irma, Herr Doktor. Es wird schon zu dunkel 
und zwei junge Mädchen so ganz allein 
Aber, Ottilie, bei den vielen tausend Menschen. 
Sie wird beim Löwenkäfig stehen. 
Herr Justizrat, Herr Justizrat, so ein Löwe ist gefährlich. 
Sie sind immer zu Witzen aufgelegt, Herr Qeheimrat. 
Wenn Du nur so witzig wärst, Otto. Aber diese ewige Nach 
lässigkeit 
Aber der Herr Justizrat ist doch so musikalisch, Frau Justizrat. 
Das ist langweilig, Frau Qeheimrat. 
Der Herr Doktor interessiert sich wohl für Ihre Jüngste. 
Seine Eltern sind sehr wohlhabend. 
Ich danke jeden Tag Gott, daß wir keine Kinder haben, Frau 
justizrat. 
Das ist ja auch schwer für Beamte. 
Mein Mann war zu etwas Höherem berufen. Aber er versteht 
nicht, sich anzupassen. Keine Spur von Höflichkeit. Immer 
kordial. Die jungen Leute heute wissen, wie man es zu 
machen hat. Der Herr Assessor interessiert sich wohl für 
Ihre Aelteste. 
Er hat Zukunft. In einem Monat dreimal beim Minister geladen. 
Was sagen Sie dazu. 
Siehst Du, Emil, und Du bist wieder übergangen. 
Ich kann abends die Geschäfte nicht leiden. Abends will ich 
meine Ruhe haben. 
Sie sind doch noch ein junger Mann, Herr Geheimrat. 
Gnädige Frau, wollen Sie mir glauben, daß ich bereits sechzig 
Jahre alt bin. 
Ich hätte Sie höchstens für fünfundfünfzig gehalten, Herr Ge 
heimrat. Der Gehrock macht Sie etwas alt. 
Aber Frau Justizrat, mir aus der Seele gesprochen. Ich sage 
ihm immer, er soll sich grau kleiden. Grau macht Farbe. 
Grau verjüngt. 
Lassen Sie sich doch das Haar färben, Herr Geheimrat. Das 
macht man. 
Ich bin etwas altmodisch, gnädige Frau. Ich habe mir sechzig 
Jahre das Haar nicht färben lassen 
Wo bleibt denn Irma, Ottilie. 
Der wird bei den vielen tausend Menschen nichts passieren. 
Es riecht hier entsetzlich. Finden Sie nicht, Herr Assessor. 
Das sind die Juden, meine Gnädigste. Man soll nicht in solche 
Lokale gehen.
        

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