Full text: Die Härte der Weltenliebe

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Liebes Kind, die Pension 
Von der Pension kann ich mir noch nicht e i n Kleid kaufen. 
Wir wollen nicht mehr bei Justizrats verkehren, Du wirst 
immer schlechter Laune, Agnes. 
Warum machst Du keine Spesen. 
Ich verstehe nicht, Agnes. 
Die jungen Leute machen alle Spesen. 
Das war vor meiner Zeit. 
Deshalb werden wir auch nicht geladen. 
Weil ich keine Spesen mache 
Weil ich keine Kleider habe. 
Ich denke, die Frau Justizrat wollte Dir diesmal den Schnitt 
besorgen. 
Gewöhne Dir das Rauchen ab, damit ich mir etwas leisten kann, 
ich rauche nur zu acht Pfennig. 
Das macht achtzig Pfennig den Tag. Und vierundzwanzig 
Mark im Monat. 
Dann will ich einen Monat nicht rauchen. 
Das Kleid kostet mindestens dreihundert Mark von der Person. 
Aber Agnes, ich verdiene doch ganz schön. 
Du wirst nie zum Minister geladen. 
Ich bin sehr froh, denn wir können uns nicht revanchieren. 
Gehen wir schlafen. 
im nächsten Monat gebe ich eine Gesellschaft, und wenn wir 
vier Wochen nichts essen sollen. 
Wir wollen lieber .vier Wochen essen. 
Du mußt Spesen machen. 
Aber Agnes, ich habe doch keine Spesen. 
Dann würde es sich auch nicht lohnen. 
ihr Frauen könnt den besten Mann verderben. 
Warum nehmt Ihr Euch Frauen, wenn Ihr sie verderben läßt. 
Du bist heute sehr hart, Agnes. 
Ich bin nicht hart, aber Du bist nicht hart genug. 
Du willst schon wieder ins Theater gehen. 
Laß sie Mutter. Was hat sie sonst vom Leben. 
Man braucht nichts vom Leben zu haben. Und in d e m Alter 
schon gär nicht. 
Ich verdiene mir mein Geld. 
Das Geld verdienst Du für Deine Eltern, die es wohl um Dich 
verdient haben. 
Laß sie, Mutter.
	        

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