Full text: Die Härte der Weltenliebe

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Das ist ja unerhört, Frau Justizrat. 
Ja, Frau Geheimrat, mein Mann ist immer zu gut mit seinem 
Personal. Vertrauensbruch ist das Schlimmste. Und ge 
rade dieser Ring, den mir mein Mann als Ueberraschung 
kaufte. Sie können sich denken, daß das doppelt schmerzt. 
Ja, Frau Justizrat, meine Ringe liegen immer auf der Bank. 
Da können sie wenigstens nicht gestohlen werden. Ich 
finde es auch nicht fein, soviele Ringe zu tragen. 
Es kommt darauf an, Frau Geheimrat, ob man die Ringe zeigen 
kann, die man trägt. 
Aber, liebe Frau Justizrat, Sie tragen gewiß nicht zu viel Ringe. 
Und daß Ihnen nun gerade der schönste gestohlen werden 
mußte. Da steht ja Ihr Herr Gemahl schon bei der Kapelle. 
Mein Mann ist wirklich ein Musikkenner. Wer weiß, wie lange 
er da nun schon wieder steht. Irma, hol doch den Vater. 
Mein Mann spielt nun wieder leidenschaftlich Schach. Ich störe 
ihn nie dabei. Die Männer haben so schwer zu arbeiten, 
daß man ihnen abends das bißchen Vergnügen gönnen 
sollte. Nicht wahr, Emil. 
Ja, manchmal läßt Du mich spielen, wenn Du ins Theater gehst. 
Ich gehe so ungern ohne meinen Mann aus. Das schönste Ver 
gnügen bleibt doch, zusammen zu sein. So oft sage ich 
einen Besuch ab, um mich meinem Mann widmen zu können 
Ja, der Herr Geheimrat ist sehr unterhaltend. Er hört so 
gut zu. 
Ich muß auch den ganzen Vormittag Vorträge halten. 
Nun, Otto. 
Guten Abend, guten Abend. Wie das duftet. Es geht nichts 
über Linden. 
Hat die Polizei sie gefaßt. 
Aber Ottilie, wir wollen doch diese privaten Dinge 
Erzählen Sie. Herr Justizrat, das ist ja riesig interessant. Dieser 
schöne Ring. 
Hoffentlich findet er sich wieder. Nun bei Ihrem berühmten 
Scharfsinn 
Gnädige Frau, ich finde es eigentlich nicht recht von Ottilie, 
daß sie Amtsgeheimnisse 
Die Frauen, lieber Herr Justizrat, die Frauen 
Wie interessant, Herr Justizrat, die Geschichte des geheimnis 
vollen Ringes. Wie spannend. Mir wird nie ein Ring ge 
stohlen. 
Mein Mann ist zu nobel, Frau Geheimrat. Wenn ihm etwas 
gestohlen wird, möchte er am liebsten dem Dieb noch ein 
Geschenk machen.
	        

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