Full text: Die Härte der Weltenliebe

Lassen wir die alten Sachen begraben sein. Ich bin ein mo 
derner Mensch. Gütertrennung ist praktisch doch das 
Beste. Ich kann meiner Tochter vorläufig hunderttausend 
Mark mitgeben, sechsprozentig angelegt, später hat sie 
einmal über das Doppelte zu verfügen. 
Der Schein spricht gegen mich und gegen Ihr Fräulein Tochter. 
Sie finden mich daher bereit, zu tun, was gesellschaftlich 
zu tun ist. 
Aber, entschuldigen Sie, Sie tun gerade, als ob Sie die Irma 
gar nicht lieben. Ich kann mir als Mann jedenfalls nicht 
vorstellen 
Herr Justizrat, ich versichere Sie nochmals, es ist nichts 
zwischen mir und Ihrem Fräulein Tochter geschehen. Ich 
bin zwar nur Kinderarzt, aber welche Kinder sind die 
jungen Mädchen. 
Die ganze Angelegenheit ist für mich höchst peinlich, Herr 
Doktor. Sogar sehr peinlich. Aber bei aller Achtung vor 
Ihrem Wort, die Nachtbehandlung 
Wir waren nicht allein, Herr Justizrat. 
Warum haben Sie denn das meiner Frau nicht gesagt. 
Ein junges Mädchen stand zwischen uns. 
Noch ein Mädchen. 
Herr Justizrat 
Sie sagten doch selbst 
Ein junges Mädchen steht zwischen uns, stets wird sie zwischen 
Ihrem Fräulein Tochter und mir stehen. Ein junges 
Mädchen, das mich nicht liebt und das ich liebe. 
Das gibt sich, Herr Doktor. Glauben Sie mir, einem alten er 
fahrenen Mann, die Liebe gibt sich in der Ehe. 
Wir werden uns nie verständigen, Herr Justizrat. 
Ist auch nicht nötig. Man soll jedem seine Schrullen lassen. 
Das ist mein Grundsatz. Meine Frau kommt gar nicht. 
Uebrigens, was ist denn aus dem kleinen Fräulein Richter 
geworden, Sie entsinnen sich doch, die auch einmal nachts 
zu Ihnen lief 
In der Lage, in der wir uns zueinander befinden, Herr Justiz 
rat, halte ich solche Scherze für unangebracht. 
Aber verzeihen Sie, lieber Herr Doktor, mir lag jede Absicht 
eines Scherzes fern. Ich habe Fräulein Richter nur in guter 
Erinnerung und dachte, daß Sie vielleicht etwas wüßten. 
Sie sind doch damals so energisch für sie eingetreten. 
Guten Tag, Herr Doktor. 
Gnädige Frau. 
Hier meine Hand. Ich war gestern etwas heftig, Sie werden 
es verstehen können.
	        

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