%
I. DIE WASAPERIODE
FRÜH- UND HOCHRENAISSANCE
(BIS 1650).
1. Die Zeit und die Persönlichkeiten.
as fünfzehnte Jahrhundert, die Zeit der Frührenaissance und der grofsen Entdeckungen, ist auch für
Schweden eine Zeit voll Leben und Thätigkeit, voller Hoffnungen und Jugendträume. Die grofsen
Volksbewegungen unter Engelbrecht und Sten Sture sind der mächtige Ausdruck eines neu erwachten
Nationalgefühls. Karl Knutsson, aus der uralten schwedischen Familie Bonde, sucht ein nationales
Königthum zu gründen. Die geistige Kultur wird durch die Einführung 'des Buchdruckes (1483), durch die
Gründung der Universität zu Upsala (1477), durch die Thätigkeit in den Klöstern, vor allem dem berühmten
Brigittiner Kloster in Wadstena, gefördert. Von den leitenden Männern hatten mehrere, so Konrad
Rogge, Bischof in Strengnäs, Hemming Gadd, u. A. ihre Bildung an den vornehmsten Stätten der damaligen
Kultur im Auslande, besonders in Italien, empfangen. Durch das ganze nationale Leben weht ein Hauch
von Enthusiasmus und gesteigerter Vaterlandsliebe.
Besonders reich ist dieses Jahrhundert, wie die ersten Jahrzehnte des folgenden, an künstlerischen
Unternehmungen. Die Domkirche zu Upsala sowie die Klosterkirche zu Wadstena wird vollendet, die
Domkirchen zu Westeräs, Strengnäs, Linköping erhalten neue stattliche, spätgothische Hauptchöre, mehrere
Stadtkirchen werden neugebaut oder erweitert. Grofs ist vor allem der Eifer, mit dem man für die Ausstattung
der Kirchen mit Gewölbemalereien, Bildwerken, gemalten Fenstern, Paramenten und Altargetäfsen
sorgt, und vieles davon zeugt noch heutzutage von der alten Herrlichkeit. Die folgende Zeit, das erste
Jahrhundert des Protestantismus, hat eine ähnliche Opferwilligkeit nicht aufzuweisen, und erst um die Mitte
des XVII. Jahrhunderts, unter dem Einflüsse der jetzt mächtig gewordenen protestantischen Bischöfe, wird
die Sorge um die äufsere Ausstattung der Kirchen wieder allgemein.
Hatte die lebhafte Kunstbewegung gegen Ende des Mittelalters bis gegen 1520 hauptsächlich im
Dienste der katholischen Kirche und in den Formen des spätgotischen Stiles geschaffen, so wurden durch
die Wiederaufrichtung des nationalen Königthums, als der schwedische Edelmann Gustav Wasa nach der
I