Full text: Die Architektur der Renaissance in Schweden

E. SCHLOSS TIDÖ. WESTMANLAND. 
Wie schon oben angedeutet, nimmt die Bautätigkeit des schwedischen Hochadels erst in der späteren 
Wasaperiode, genau genommen nach 1620, einen lebhafteren Charakter an. Es sind vor allen die hohen 
Reichsbeamten, die in diesem und dem folgenden Jahrzehnte vorangehen. Schon 1610—22 hatte der im 
Auslande gebildete, als Diplomat und Finanzmann thätige Johann Skytte das stattliche Schlofs Grönsö am 
nördlichen Mälarufer gebaut, ein regelmäfsiges rechteckiges Gebäude, ursprünglich mit vierseitigen Eckthürmen, 
grofser innerer Doppeltreppe und reicher Terrassenanlage. Ihm folgten in den nächsten Jahrzehnten die hohen 
Herren, die jetzt im Erbauen von prächtigen Landschlössern und städtischen Palästen, von Kirchen und 
Grabkapellen wetteiferten. Um nur von den fünf Männern zu reden, die nach dem Tode Gustav Adolphs (1632) 
während der Minderjährigkeit der Königin Christine die Regierung führten, so gründete der Reichsfeldherr 
Jakob de la Gardie in Stockholm das Palais „Makalös“ (: ohne Gleichen, s. u.) und baute 1644 das Schlofs Jakobs- 
dal (Abbildg. 9); der Reichsadmiral Karl Karlsson Gyldenhielm baute ebenfalls einen Palast in Stockholm (1627) 
und das ältere Schlofs Karlberg. Seine reich ausgestattete Grabkapelle befindet sich in der Domkirche zu 
Strengnäs. Von den drei Oxenstierna war der Reichsschatzmeister Gabriel Bengtson Besitzer des schon im 
XVI. Jahrhundert neugebauten Schlosses Mörby in Upland, aber er baute daneben auch noch das ältere 
Rosersberg in Upland und ein Haus in Stockholm. Sein Vetter Gabriel Gustafsson, der Reichstruchsefs, 
gründete das Schlofs Tyresö in Södertörn und die gleichnamige Kirche (s. u.), sein älterer Bruder endlich, der 
grofse Reichskanzler Axel Oxenstierna, die Herrensitze zu Tidö in Westmanland, Fiholm in Södermanland, 
ein Haus in Stockholm und eine Kirche zu Jäder (s. u.). So errichteten also diese fünf Staatsmänner allein sechs 
grofse Landschlösser, vier städtische Paläste, zwei Kirchen und eine Grabkapelle aufser vielen andern 
kleineren und gröfseren Gebäuden. Und dem von ihnen gegebenen Beispiele folgten nach Vermögen die 
Zeitgenossen. 
Wann der Neubau von Tidö angefangen wurde, ist nicht sicher festgestellt, wahrscheinlich schon um 
1620. Die Jahreszahl 1626 findet sich auf einer Thür im Inneren. Aus einem Memorial, das dem 
Sohne Johann bei dessen Heimkehr aus Deutschland 1635—36 vom Reichskanzler zugestellt wurde, scheint 
hervorzugehen, dafs das Hauptgebäude damals fertig war, obwohl die Ziergiebel noch fehlten. Diese 
solle man bei einem Steinmetzen in Stockholm bestellen, und um den Hof solle man bis auf weiteres nur 
einstöckige Flügel aufführen. Wer diese Arbeit leitete, geht nicht aus den bisher bekannten Urkunden 
hervor, sie scheint aber keinen rechten Fortgang genommen zu haben. 
Besser geht es, als der Reichskanzler aus Deutschland zurückkehrt und selbst die Zügel ergreift. In 
den Jahren 1638—39 wurde mit dem in Stockholm wohnhaften deutschen Steinmetzen Heinrich Blume ver 
handelt, und in einem Briefe vom 21. Januar 1640 meldet dieser, dafs er „dafs grofse Hausportall mit seinem 
Wappen“ verfertigt habe. „Die Wapen auff dafs grofse Portal aufswendigh für den Burggarten mit ihren 
Löwen und allen Zubehör ist auch fertigh“. „Wafs anbelanget die grofsen Haufsgiebell, so ist der eine 
fertigh und der andere ist nun unter Händen. Von den steinern gallerij Pilern seint auch 50 stücke fertigh 
und 100 Elen von den Galerij Listen“. Man sieht aus dem Briefe, dafs der Bauherr an der Arbeit lebhaften 
Antheil nimmt. Denn Meister Heinrich klagt, dafs er gewisse Aenderungen hat unternehmen müssen, „nach 
Dero Exellenz begeren und nach dem Abrifs, welches mir woll ein grofser Schade ist, aber“, endigt er mit 
Resignation, „wafs hilfts mir, ich mufs es fürsmertzen“.
	        
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