Volltext : Die Logik der Dichtung

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die  filmische.  Fragen  wir  aber,  wodurch  hier  und  nur  hier  der  Schein,  die  Ais-Struktur
  der  Wirklichkeit  erzeugt  wird,  so  lautet  die  Antwort:  dadurch  daß
der  Schein  des  Lebens  erzeugt  wird.  Und  der  Schein  des  Lebens  wird  in  der
Kunst  allein  durch  die  Person  als  einer  lebenden,  denkenden,  fühlenden,
sprechenden  Ichperson  erzeugt.  Roman-  und  Dramenfiguren  sind  fiktive  Personen ­
  deshalb,  weil  sie  als  fiktive  Ichpersonen  oder  Subjekte  gestaltet  sind.
Von  allen  Materialien  der  Künste  aber  kann  allein  die  Sprache  den  Schein  des
Lebens,  d.  i.  lebender,  fühlender,  denkender,  redender,  auch  schweigender
Personen  hervorbringen.  Und  daß  ihr  Verfahren  in  der  erzählenden  Dichtung
sehr  viel  komplizierter  ist  als  in  der  dramatischen,  zeigt  die  Struktur  des  epischen ­
  Erzählens,  das  wir  deshalb  das  fiktionale  nennen  und  im  folgenden
beschreiben.

Die  epische  Fiktion  (oder  die  Er-Erzählung)
Das  fiktionale  Erzählen  und  seine  Symptome
Es  hat  seine  sprachtheoretischen  Gründe,  daß  wir  die  Beschreibung  des
Dichtungssystems  mit  der  Er-Erzählung,  d.  i.  der  epischen  Fiktion  beginnen.
Mit  dieser  Definition,  der  Gleichsetzung  von  epischer  Fiktion  und  Er-Erzählung, ­
  ist  nicht  das  Gesamt  der  erzählenden  Dichtung  erfaßt,  zu  der  auch  die
Ich-Erzählung  gehört.  Daß  diese  aber  keine  Fiktion  in  dem  von  uns  definierten
und,  wie  wir  glauben,  exakten  sprach-  und  literaturtheoretischen  Sinne  ist,
wird  gezeigt  werden.  Denn  der  Begriff  Fiktion  ist  nicht,  wie  aus  dem  vorigen
Abschnitt  hervorgeht,  durch  den  des  Erfundenen  erfüllt,  derart  daß  ein  erfundener, ­
  und  insofern  >fiktiver<,  Ich-Erzähler  dem  Begriff  der  Fiktion  schon
genügte.  Und  es  ist  denn  auch  nicht  die  Erzählstruktur  der  ich-erzählenden,
sondern  allein  der  er-erzählenden  Dichtung,  das  im  genauen  Sinne  fiktionale
Erzählen,  an  dem  die  sprachtheoretische  Beschreibung  der  Dichtung  überhaupt
ansetzen  kann.  Denn  es  ist  das  fiktionale  Erzählen,  das  im  System  der  Dichtung
und  der  Sprache  eine  entscheidende  Stellung  einnimmt,  als  die  Grenzscheide,
die  die  fiktionale  oder  mimetische  Gattung  —  die  epische  Fiktion  und  in  ihrem
Gefolge  die  dramatische  —  vom  Aussagesystem  der  Sprache  trennt.  Die  Struktur ­
  des  fiktionalen  Erzählens  kann  daher  nur  in  ständigem  Vergleich  mit  der
Aussage  herausgearbeitet  werden,  die  als  eine  Subjekt-Objekt-Struktur  oben
in  ihren  Grundzügen  dargelegt  wurde.  —  Mit  Hinsicht  auf  die  erste  Auflage
dieses  Buches  sei  hier  bemerkt,  daß  der  dort  noch  verwandte  Begriff  histori ­
            
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