Volltext : Die Logik der Dichtung

VORWORT

Zwischen  der  ersten  und  der  vorliegenden  zweiten  Auflage  dieses  Buches
liegen  mehr  als  zehn  Jahre,  in  denen  seine  Thesen  und  Nachweise  auf  mannigfaltige ­
  Weise  diskutiert  worden  sind.  Es  bedarf  der  Erwähnung  nicht,  daß  die
Neuauflage  von  Diskussion  und  Kritik  —  mit  deren  wichtigsten  Einwänden
und  Argumenten  ich  mich  bereits  in  dem  Aufsatz  »Noch  einmal  —  vom
Erzählen  «(Euphorion  59,1965)  auseinandergesetzt  habe  —  profitiert  hat.  Denn
sie  nötigten  mich,  manches  Problem  und  manche  Begriffsbildung  neu  zu  durchdenken ­
  und  klarer  herauszuarbeiten,  als  es  bei  der  ersten  Konzeption  des  Versuches ­
  einer  >logischen<  Grundlegung  der  Dichtung  geschehen  war.
Zu  bedenken  war  schon  der  Titelbegriff  selbst.  Er  sollte  beibehalten  werden,
weil  das  Buch  nun  unter  ihm  bekannt  und  er  in  der  Diskussion  geläufig  geworden ­
  ist.  Doch  ist  man  heute,  unter  dem  Einfluß  der  Logistik  und  der
stärkeren  Hinwendung  zur  formalen  Logik,  strenger  in  der  Anwendung  des
Begriffes  Logik  geworden,  und  es  bedarf  einer  genaueren  Rechtfertigung  dafür,
daß  der  Titelbegriff  nicht  nur  aus  den  angegebenen  äußeren  Gründen  beibehalten ­
  ist.  Das  wird  an  seiner  Stelle  in  Zusammenhang  mit  dem  Problem
geschehen,  das  in  der  Neuauflage  breiter  und  schärfer  als  zuvor  dargelegt  werden ­
  wird:  mit  der  Theorie  der  Aussage,  welche  die  Theorie  der  Dichtung  begründet, ­
  die  ich  als  die  Logik  der  Dichtung  bezeichnet  habe.  Die  Abhandlung
über  die  Theorie  der  Aussage,  die  ich  unter  diesem  Titel  inzwischen  in  der
»Zeitschrift  für  philosophische  Forschung«  (XX,  1966)  veröffentlicht  habe,
wird,  mit  der  freundlichen  Erlaubnis  des  Herausgebers,  jetzt  als  Teil  des  ersten ­
  Kapitels  des  Buches  vorangestellt.
Daraus  ergab  sich  eine  Reihe  von  Änderungen  im  Aufbau  des  Buches.  Sie
betreffen  vor  allem  das  Lyrikkapitel,  das  neu  geschrieben  wurde.  Auch  in  das
zentrale,  für  den  sprachtheoretischen  Nachweis  der  Struktur  der  Dichtung  entscheidende ­
  Kapitel  über  die  epische  Fiktion  ist  ändernd  eingegriffen  worden.
Es  wurden  zahlreiche  Streichungen  vorgenommen,  doch  auch  eine  Reihe  von
Zusätzen  gemacht,  die  beide  zusammen,  wie  ich  hoffe,  zur  schärferen  Herausarbeitung ­
  der  betreffenden  Probleme  beitragen.  —  Der  besseren  Übersicht  soll
ein  gegenüber  dem  der  ersten  Auflage  differenzierteres  Inhaltsverzeichnis  dienen.

Stuttgart,  Januar  1968

K.  H.
            
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