Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1872)

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Achte  Versammlung  am  25.  Mai  1872.
Zur  Aufnahme  in  den  Verein  werden  vorgeschlagen  und  einstimmig ­
  aufgenommen:  die  Herren  Baurath  Pflüger  in  Hall
und  Architekt  Mecklenburg  dahier.  —  Die  für  diesen  Abend  in
Aussicht  gestellte  Vorlage  von  Bauplänen  konnte  wegen  Verhinderung ­
  des  betreffenden  Mitgliedes  nicht  bewerkstelligt  werden.
Neunte  Versammlung  am  14.  September  1872.
Vorsitzender:  v.  Egle.
Schriftführer:  Silber.
Der  Vorsitzende  trägt  vor,  daß  die  Abgeordneten  ches  Verbandes ­
  deutscher  Architekten-  und  Jngenieurvereine  auf  den  21.  September ­
  nach  Carlsruhe  einberufen  seien,  und  daß  demgemäß  die
diesseitigen  Abgeordneten  zil  wählen  und  nach  Maßgabe  der  Tagesordnung, ­
  wie  solche  in  Nro.  30  der  deutschen  Bauzeitung  dat.
25.  Juli  1872  sich  verzeichnet  finde,  zu  instruiren  seien.  Der
Ausschuß  des  Vereins  habe  diese  Angelegenheit  am  10.  Septbr.
in  Vorberathung  genommen  und  werden  dessen  Beschlüsse  und  Antrüge ­
  vorgetragen;  auch  sei  eine  Subkommission  eingesetzt  s  und
thätig  gewesen,  um  Pkt.  7  der  genannten  Tagesordnung  zu  berathen: ­
  „Reform  des  Prozeßverfahrens  bei  bautechnischen  Streitigkeiten ­
  durch  Einführung  bautechnischer  Spezialgerichte."  Zu  dieser
Kommission  waren  gewühlt:  v.  Egle,  Stahl  und  Silber.
Außerdem  ward  Herrn  Rechtsanwalt  Dr.  Lautenschlager  zu
dieser  Sitzung  der  Subkommission  eingeladen  und  um  ein  schriftliches ­
  Gutachten  ersucht  über  die  Fragen:
a)  In  wie  weit  er  bautechnische  Spezialgerichte  überhaupt  praktisch ­
  und  zweckmäßig  finde?
b)  Was  er  von  der  Durchführbarkeit  dieses  Antrages  halte,?
Aus  den  Vorschlag  des  Vorsitzenden  sollen  zu  Abgeordneten
des  Württembergischen  Vereins  für  Baukunde  2  Mitglieder  desselben,
und  zwar  1  Architekt  und  1  Ingenieur  gewählt  werden.  Dieser
Vorschlag  wird  angenommen  und  es  fällt  die  Wahl  auf  die  Herren
Oberbaurath  v.  Egle  und  Oberbaurath  Schlierholz,  welche  die
Mission  unter  Dankesbezeugung  des  Vereins  annehmen.
Weiter  beschließt  nun  der  Verein:
ad  1)  und  2)  Tie  Abgeordneten  sollen  betreffs  dieser  Punkte
freie  Hand  haben  (entsprechend  dem  Antrag  des  Vereins-Ausschusses). ­

ad  3)  Deßgleichen;  insbesondere  ist  der  Verein  der  Ansicht,
daß  der  Frankfurter  Verein  von  Architekten  in  den  Verband  aufzunehmen ­
  sei,  und  daß  das  dem  Verein  hierüber  aufgetragene
Referat  in  diesem  Sinne  zu  erstatten  sei.
ad  4)  Betreffend  den  Antrag  des  Architekten-  und  Ingenieurs-Vereins
  zu  Hamburg  auf  Aenderung  der  Statuten  §.  23  und  24
beschließt  der  Verein  nach  dem  Ausschuß-Antrag,  die  Abgeordneten
möchten  dahin  wirken,  daß  beantragter  Zusatz  g  als  „nicht  nothwendig" ­
  weggelassen  werde.  Zu  §.  24,  Abs.  6  beschließt  der  Verein ­
  gemäß  dem  Antrage  des  Oberbauraths  Schlier  holz,  die
Fassung  zu  erzielen  zu  suchen:  „Der  Art  gefaßte  Beschlüsse  sind
nur  als  Vorschläge  der  Abgeordnetenversammlung  aufzufassen,  sie
bedürfen"  rc.  Desgleichen  Abs.  7:  „Vorschläge  zu  Statutenabänderungen ­
  müssen  mindesten  3  Wochen  vor  der  Abgeordnetenversammlung ­
  bekannt  gemacht  werden  und  zur  Giltigkeit  mindestens
J / 3  der  Stimmen  der  Anwesenden  erhalten."

ad  5)  Beschließt  der  Verein,  die  Abgeordneten  mögen  zustimmen, ­
  daß  die  dießjährigc  Versammlung  in  Carlsruhe  die  letzte
Wanderversammlung  feie  und  an  ihre  Stelle  künftig  die  Generalversammlungen ­
  des  Verbandes  deutscher  Architekten-  und  Jngenieurvereine ­
  treten  sollen.
ad  6)  Sollen  die  Abgeordneten  freie  Hand  behalten,
ad  7)  Ter  Vorsitzende  erstattet  hierüber  den  Bericht  der  Subkommission ­
  und  macht  Mittheilung  vom  Gutachten  des  Herrn  vr.
Lautenschlager,  welcher  sich  im  Allgemeinen  dahin  ausgesprochen
hat,  daß  er  von  der  Schaffung  sachverständiger  Schiedsgericht!
behufs  eines  ersten  Vergleichsversuchs  sich  keine  sehr  günstigen  Resultate ­
  versprechen  könne,  eventuell  eher  die  Ansicht  des  Berlinei
Architektenvereins,  als  die  Aufstellung  des  Baugewerbevereins  (bot
4000  Unterschriften  begleitet)  unterstützen  möchte,  daß  er  aber  efür
  nicht  wahrscheinlich  halte,  daß  ein  darauf  bezügliches  Reichsgesetz
  zu  erzielen  feie,  indem  die  allgemeine  Meinungsrichtung  die
Schöffengerichte  eher  zu  beschränken,  als  zu  unterstützen  im  Zug«
sei.  —  Diese  Ansicht  schlägt  auch  im  Vereine  durch,  und  beschloß
derselbe,  die  Abgeordneten  mögen  gleichfalls  in  der  Versammlung
zu  Carlsruhe  jene  zur  Geltung  zu  bringen  bemüht  sein.
ad  8)  Honorar-Norm  für  Ingenieurs.  Hierin  erhalten  dil
Abgeordneten  unbeschränkte  Vollmacht,
ad  9)  Deßgleichen.
ad  10)  Beschließt  der  Verein  auf  den  Antrag  des  Herr»
Oberbauraths  Schlierholz,  die  Abgeordneten  möchten  beantragen:
„Die  erste  wissenschaftliche  Staatsprüfung  soll  Reichsexamen ­
  sein,  d.  h.  die  Berechtigung  der  Zulassung  zum  zweiter
Examen  in  jedem  deutschen  Staate  involviren."
ad  11)  Sprach  sich  sowohl  der  Vereinsausschuß,  als  nunmehr ­
  der  Verein  in  pleno  dahin  aus,  daß  die  Jury,  welche  ii
Beurtheilung  der  Concurrenzpläne  für  das  deutsche  Reichstagsgebäude ­
  thätig  war,  gut  gethan  hätte,  ihr  Gutachten  zu  motiviren
und  will  der  Verein  seine  Abgeordneten  für  Carlsruhe  zwar  it
diesem  Punkte  nicht  in  der  Vollmacht,  nach  ihrem  freien  Ermesse»
zu  handeln,  beschränken,  ihnen  aber  doch  empfehlen,  daß  sie  sill
im  Sinne  der  „früheren  Vereinsbeschlüsse  über  das  Concurrenz
wesen"  bewegen  möchten.
ad  12)  Sollen  die  Abgeordneten  gleichfalls  nach  ihrem  Gutdenken ­
  bei  der  Berathung  wirken.
Zehnte  Versammlung  am  19.  Oktober  1872.
Vorsitzender:  v.  Egle.
Schriftführer:  Brock  mann.
Nach  Verlesung  des  Protokolls  der  Sitzung  vom  14.  Septbi
d.  I.  berichtet  Herr  Oberbaurath  Schlierholz  über  die  Thätigkeit ­
  der  beiden  vom  Verein  gewählten  Vertreter  desselben  auf  de
Abgeordneten-Versammlung  des  Verbandes  der  Architekten-  un>
Ingenieur-Vereine  in  Carlsruhe.  (Das  Wesentliche  dieses  Berichtet
findet  sich  in  den  betreffenden  Mittheilungen  der  Bauzeitung  Nro
39—41.)
Da,  wie  in  diesem  Bericht  mitgetheilt  ist,  in  der  Carlsruhel
Abgeordncten-Versainmlung  in  Betreff  der  Frage  über  die  Honorirung
  für  Arbeiten  von  Ingenieuren  kein  definitiver  Beschluß  ge
faßt  ist,  so  beschließt  die  Versammlung,  diejenige  Kommission
welche  sich  in  ihrem  Schooße  bisher  mit  der  Frage  beschäftigt  hat

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