Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1874)

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schlossen sind und wenn ein Zug erwartet wird, erst dann geöffnet 
werden, wenn man sich davon überzeugt hat, daß alle Ge 
leise und Weichen zur Aufnahme des Zuges bereit sind. Die 
ältesten Deckungssignale bestehen aus hohen, mit Flügeln und La 
ternen ausgestatteten Masten, welche am Eingang der Bahnhöfe 
so aufgestellt sind, daß man sie von möglichst großer Entfernung 
her sehen kann. Da diese Signale aber bei schlechtem Wetter erst 
in der Nähe, also oft zu spät, erblickt werden können, so ist man 
dazu übergegangen, die Signale weit vor dem Bahnhöfe, meistens 
600 m vor demselben, und zwar unmittelbar neben dem Geleise 
so aufzustellen, daß sie auch bei dem schlechtesten Wetter gesehen 
werden müssen. Werden diese also auch erst beim Vorüberfahrcn 
erblickt, so kann der Zug doch noch vor dem Bahnhöfe anhalten. 
Das Zeichen, welches mit diesem Signale gegeben ist, wird, da 
dasselbe vom Bahnhöfe aus nicht gesehen werden kann, dem Vor 
stande des Bahnhofes durch ein elektrisches Klingelwerk angezeigt, 
so daß also eine sichere Kontrole ausgübt werden kann. 
Eine weitere Verbesserung besteht darin, daß man das Deck 
ungssignal in solcher Weise mit den Weichen verbindet, daß mit 
demselben die Einfahrt erst dann frei gegeben werden kann, wenn 
Me für die Einfahrt zu benutzenden Weichen in die richtige Stellung 
gebracht sind. Dabei sind die Zughebel der Weichen in solcher 
Weise von einander abhängig gemacht, daß sie nur in einer be 
stimmten Reihenfolge bewegt werden können. Dies geschieht häufig 
durch eine mechanische Kombination, neuerdings wird aber zu die 
sem Zwecke auch eine elektrische Einrichtung angewendet, wobei die 
andernfalls schwer zu bewegenden langen Zugstangen u. s. w. fort 
fallen können. Dabei sind sowohl bei den Standorten der Wärter, 
als auch im Bureau des Stationsvorstandes elektrische Apparate 
aufgestellt, mittelst welcher den Wärtern ein Zeichen gegeben, die 
richtige Befolgung desselben kontrolirt und eine eigenmächtige Um 
stellung der Weichen und des Decknngssignals verhütet werden 
kann. Da bei allen diesen Apparaten zur Erzeugung elektrischer 
Ströme der nicht leicht seinen Dienst versagende Induktions- 
Apparat benutzt wird, so erscheinen diese Einrichtungen so zuver 
lässig, wie selbstthätige Sicherungen überhaupt nur sein können. 
Ueberblickt man nun die in Vorstehendem beschriebene große 
Zahl von Signaleinrichtungen und vergegenwärtigt man sich, daß 
Bahnen, welche mit denselben in reichem Maße ausgestattet sind, 
doch nicht frei von Unglücksfällen sind, während andere Bahnen, 
welche wie die hiesige, nur eine beschränkte Zahl von Signalen 
besitzen, nicht gerade viele Unglücksfälle aufzuweisen haben, so 
dürfte man wohl schließen, daß die beschriebenen Signale zwar in 
einzelnen Fällen eine Gefahr abzuwenden im Stande sind, und 
gewiß manchmal Nutzen gebracht haben, daß sie aber eine absolute 
Sicherheit doch nicht gewähren. Ohne Zweifel erwächst aus einem 
Uebermaß von Signalen wieder die neue Gefahr, daß die Be 
diensteten sich ganz auf dieselben verlassen, daß ihre eigene persön 
liche Aufmerksamkeit und Wachsamkeit erlahmt, daß sie sich ihrer 
Verantwortlichkeit nicht mehr recht bewußt sind, und daß sie, 
wenn unglücklicher Weise da, wo es Noth thut, einer der vielen 
Apparate seine Dienste versagt, es verlernt haben, die drohende 
Gefahr durch rasches, aus eigener Ueberlegung und Uebung her 
vorgehendes Eingreifen abzuwenden. 
Beil. 2. 
zur 4. Versammlung. 
Fabrikant A. Stotz 
über 
Aronce-chuß-Aröeiten auf der Wiener Weltausstellung. 
Ein kürzlicher Besuch unseres verehrten Herrn Vorstandes in 
meinem Etablissement veranlaßte ihn zu dem Wunsche, ich möchte 
eine kleine Sammlung meiner neuen Industrie-Produkte, sowie die 
während der Ausstellung in Wien erworbenen Gegenstände dem 
Vereine vorlegen. 
Obgleich erstere noch keinen Anspruch auf besondere Reichhal 
tigkeit machen kann, so gibt die mir gebotene Gelegenheit doch eine 
willkommene Veranlassung, den verehrlichen Mitgliedern des Vereins 
zeigen zu können, wie ich meine ohnehin vielfach den Bauzwecken 
dienende bisherige Fabrikation schmiedbarer Eisengußwaaren 
mit der von Broncegußwaaren insbesondere zur Erzeugung von 
Beschlägtheilen für Fenster, Thüren rc. zu verbinden suche. 
Ich ersuche Sie nun zuerst Ihren Blick auf die schönen Muster 
von Thürenbeschlägen zu richten, welche nach Zeichnungen der be 
deutendsten Architekten Wiens aus der W. Hollenbach'schen Bronce- 
gußwaaren-Fabrik hervorgingen und wohl zu den besten gehören, 
was überhaupt in diesen Gegenständen ausgestellt war. 
Die Ergreifung der Broncewaaren - Industrie gab mir die 
Veranlassung auf der Aufstellung mich näher nach dem Gebotenen 
umzusehen, worüber ich mir erlaube Ihnen skizzenhafte Umrisse 
vorzuführen. 
Daß Frankreich, wie fast im ganzen Gebiet der Kunstin 
dustrie besonders in dem der Bronce-Gußwaaren sich wie bisher 
den ersten Rang bewahrt hat, wird keinem Zweifel unterliegen, 
obgleich ihm in dieser Jndstrie Konkurrenten seit nicht langer Zeit 
erwachsen sind, die ihm in mancher Beziehung sehr nahe rückten.
	        

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