Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1874)

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reichendes Parallelogramm Fig. 5, welches die festen Stützpunkte 
seiner Verbindungshebel mm an den horizontalen Bögen bb, und 
die beweglichen an der damit bewegten Winkeleisen-Bremsschiene 1 
findet. 
Die Direktion dieses Parallelogramms geschieht durch einen 
auf der untersten Plattform stehenden Arbeiter, mittelst der Hebel 
vorrichtung lr. Wird dieser Hebel nach oben gezogen, so erweitert 
sich das Parallelogramm, es bewegt sich die Bremsschiene herunter 
und preßt dadurch den Rammbär fest. Beim Herabdrücken des 
Hebels verengt sich das Parallelogramm und der festgehaltene 
Rammbär fällt. 
Wird nun bei gebremstem Rammbären eine Pulverpatrone in 
den Mörser eingeworfen und auf das Kommandowort: „Feuer!" 
der Hebel Ir herabgedrückt, so dringt der Piston des freifallenden 
Rammbärs in den Mörser ein, preßt die darin befindliche Luft 
zusammen, und da solche ein elastisches Luftkissen blldet, entsteht ein 
Druck auf den sich abwärts bewegenden Pfahlkopf. Die enorm 
gepreßte Luft erhitzt sich aber dabei so stark, daß die Patrone zur 
Entzündung kommt und die Pulvergase den Pfahl vollends ab 
wärts und den Rammbären in die Höhe treiben. Letzterer wird 
dann durch Aufwärtsbewegen des Hebels Ir aufgefangen, welch ein 
fache Manipulation leicht erlernt werden kann. 
Zur Entzündung der Patrone bedarf es nur der Fallhöhe 
von 1,2 Meter. Sollte aber der Rammbär beim Hinaufschleudern 
der Plattform zu nahe kommen, so dient der Piston derselben als 
Luftpolster. 
Zum Eintreiben der Pfähle sind also nur zwei Arbeiter er 
forderlich, von denen der eine, je nach der Höhe des Pfahles auf 
den Plattformen g postirt ist, die Führung des Pfahles über 
wacht und in Zeiträumen von circa 10 Sekunden, welche zur Ab 
kühlung der Pulverrückstände nöthig sind, die Patrone einzuwerfen 
hat, und der andere den Bremshebel dirigirt, den er auf das 
Kommando „Feuer!" des ersten Arbeiters abwärts drückt und den 
Rammbären im Aufwärtsfliegen bremst. 
In der Regel wird ein Pfahl in festen Boden mit circa 12 
Schlägen ä 80 Gramm Pulver in etwa 2 Minuten eingetrieben, 
zu welcher Arbeit, wie wir aus den vergleichenden Notizen ersehen 
werden, die Dampf-Ramme etwa 250 Schläge und 5 Minuten 
Zeit nöthig hat. 
Dagegen stellen sich die Arbeiten für das Weiterbewegen der 
Rammgerüste, Aufziehen und Einstellen der Pfähle bei der Pulver- 
wie bei der Dampf-Ramme ziemlich gleich. Erstere bietet jedoch 
auch hierin ziemliche Vortheile, da die Gerüstung leichter und für 
Wasser und Kohle nicht zu sorgen ist. Für diese Arbeiten werden 
bei der Pulver-Ramme ca. 6 Arbeiter, bei der Dampf-Ramme ca. 10 
Arbeiter erforderlich. 
Einen großen Vortheil bietet die erstere ferner dadurch: daß 
der Schuß seine Wirkung nur gegen den Pfahl und den Ramm 
bären zu äußern vermag, das Gerüste daher nicht im Geringsten 
erschüttert, solches also auch in seinen Verbindungen nicht losge 
rüttelt wird, und dadurch keiner Reparaturen bedarf. 
Bei Beurtheilung nachfolgender vergleichender Resultate ist 
wohl zu beachten, daß die Pulver-Ramme durch Handwinden be 
wegt und ebenso der Rammbär, Mörser und Pfähle in die Höhe 
zur ersten Aktion gezogen werden mußten, ein Zeitverlust, welcher 
sehr beträchtlich zum Nachtheil der Pulver-Ramme ausfallen mußte.
	        

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