Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1876)

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noch eine Entlastung durch einen Regen-Auslauf unter der 
Planie hindurch nach dem Nesenbach. 
Weil das Bogelsanggcbiet durch Regenauslässe nicht ent 
lastet werden könne, habe er zur Bestimmung der Größe des 
Hauptkanals dieses Gebiets auch eine größere Rcgenhöhc von 
4,5 mm. pro Stunde angenommen. 
4) In Betreff der Führung des Hauptkanals des Vogel- 
sanggebicls habe er noch Einiges zu berichtigen: 
Die Conunission habe in ihrem Bericht S. 30 gesagt, 
keines der von ihm vorgeschlagenen Projekte zur Ausführung 
empfehlen zu können, sondern daß sie cS für genügend erachte, 
den Hauptkanal des Vogelfangdistrikts vorerst durch die Schiller- 
Straße in den Hauptkanal im K. Schloßgarten zu führen niit 
Hinweglassung des von ihm projcktirtcn Regenauslasscs. 
Dieses Projekt, bemerkt der Redner, sei das gleiche, welches 
er auch vorgeschlagen habe. Im Fall nämlich der nach seinem 
1. Projekt entworfene Hauptkanal unter dem Bahnhof hindurch 
nach der Ludwigsburger-Straße nicht sofort, sondern erst in 
späterer Zeit zur Ausführung gebracht werben sollte, habe er 
die Führung dieses Kanals vorläufig auch durch die Schiller- 
Straße nach dem Königl. SchloßgartenKanal empföhlen, damit 
wenigstens von hier aus in Bälde ein geregeltes Kanalnetz 
zur Ausführung gebrückt werden könne. 
Sollte aber das I. Projekt ganz fallen gelassen werden, 
so habe er ein II. Projekt mit einem Regen-Auslaß am Königs- 
thorc entworfen, welches er aber als das weniger gute nicht 
empfohlen habe. 
Verglich der Höhenlage des Kanals in der Alleenstraße 
am Polygon macht Herr Gor von darauf aufmerksam, daß 
nicht außer Acht gelassen werden solle, dieselbe so zu wählen, 
daß es später immer noch möglich sei, eine Verbindung mit 
dem von ihm unter der Eisenbahn hindurch projcktirten Haupt- 
kanal herzustellen. 
* Zur Fortschaffung des Spülwassers eventuell auf die 
Berieselungsfelder bei Wangen fei dieses durchaus nothwendig. 
Bei dem Entwurf seines Projekts habe er stets darauf 
Rücksicht genommen,- daß mit der Ausführung schrittweise vor 
gegangen werden könne; es habe daher manchem Kanäle etwas 
größere Dimensionen gegeben werden müssen, als derselbe nach 
Vollendung deS Kanalnetzes erhalten würde. Er habe die 
Größe der Haupt-Kanäle alle berechnet und würde daher em 
pfehlen, seine Dimensionen in der Hauptsache beizubehalten. 
Daß bei der Detailbcarbestung und Ausführung noch 
manche uiiwcscmliche Aenderungen vorkommen werden, sei be 
greiflich, weil oft Verhältnisse eintreten können, welche das 
strenge Einhalten des Projektes nicht zulassen. Seine Aufgabe 
sei auch nur gewesen, einen generellen Plan zu entwerfen, 
welcher als Richtschnur bei der speciellen Ausarbeitung des 
Projekts dienen- solle. 
5) Noch einige Worte fügt der Redner über die Zeit der 
Ausführung bei. Diesen Abschnitt habe er kurz behandelt, da 
derselbe auch von der technischen Seite aus betrachtet, weniger 
wichtig sei. 
Die Co:: Mission habe einen annäherungsweisen Kosten- 
voranschlag gefertigt über sämmtliche Kanäle von Stuttgart, 
Heslach und Berg (mit Ausnahme des Praggcbicts) und habe 
dabei auch die Kanäle der vorerst nur projektirtcn Straßen in 
Rechnung genommen, wodurch selbstverständlich der Kostenpunkt 
ein sehr bedeutender und auch die Zeitdauer eine viel größere 
werde, als nach seiner Annahme. Er habe die Zeitdauer der 
Ausführung nur für diejenigen Kanäle bemessen, welche in schon 
bestehenden und bebauten Straßen hergestellt würden. 
. Seine Ansicht sei, daß für kleinere zusammenhängende 
Distrikte Kastcnvoranschlägc genau ausgearbeitet werden; die 
Behörden seien dann viel eher geneigt, die Kanalisirung in 
Angriff zu nehmen. 
Durch Veröffentlichung so großer Summen für die Kana 
lisation, welche aber eigentlich erst im Laufe von Jahrzehnten 
zur Verwendung kämen, würden die Einwohner etwas zurück 
geschreckt. Wenn aber einmal ein oder mehrere Distrikte kana- 
lisirt seien und die Bewohne/ derselben die Vortheile und 
Bequemlichkeiten einer guten Kanalisation erfahren haben, so 
werden bald die Bewohner der noch nicht kanalisirten Stadt 
theile um eine solche nachsuchen. 
Herr Gordon empfiehlt daher der Commission die An 
gaben der Kosten nur für die in bebauten Straßen anzulegenden 
Kanäle zu berechnen. 
Hiemit schließt der Redner tvcgcn der vorgerückten Zeit 
seinen Vortrag und erklärt sich gern bereit, über etwaige An 
stände weitere Aufklärung zu geben. 
Herr Bauinspcktor Knoll bemerkt bezüglich der durch die 
j Kanäle abzuführenden Wassermcnge, daß die Commission nirgends 
! die Ansicht ausgesprochen habe, als solle durch die Sammel- 
! kanäle die gesammte Wassermcnge, welche sich aus den ange 
nommenen Rcgenhöhen crgicbt, abgeführt werden, daß als bei- 
j nahe selbstverständlich die Regenauslässe wesentlich hiezu in 
! Anspruch zu nehmen seien und daß durch die Annahme der 
Commission keine Vergrößerung der von Herrn Gordon vor 
geschlagenen Kanal-Querschnitte bedingt werde. 
Nachdem die Herren Baurath Kaiser und Prof. La iß lc 
! in Betreff der Führung des Hanptkanals in der Böblinger- 
> Straße erklärten, daß Herr Gordon das von der Commission 
I Gesagte nicht in ihrem Sinne aufgefaßt habe, macht Herr 
! Regicrungsrath Diefenbach den Vorschlag, die Sache noch 
einmal der Commission zur Berathung zu übergeben und Herrn 
Gordon dann von einer etwaigen Aenderung des Kommissions- 
Gutachtens in Kenntniß zu setzen. 
Der Vorsitzende Herr Obcrbaurath v. Schlier holz drückt 
Herrn Gordon im Namen des Vereins für die sehr interessanten 
Erläuterungen seines Kanalisations-Projekts den Dank aus mit 
der Bitte, Herr Gordon möchte, wenn cs nothwendig sein 
sollte, bei einer weiteren Versammlung über diesen Gegenstand 
! wieder an der Berathung Theil nehmen. 
Derselbe sagte dieses unter der Voraussetzung zu, daß 
ihm dieß seine vielen anderweitigen Berussgeschäfte zulassen. 
Nachdem der Vorsitzende nach die Mittheilung machte, 
daß die nächste Versammlung wegen des Bergwerksballs erst 
heute über 3 Wochen stattfinden könne und daß dann die einzelnen 
Abschnitte zur Berathung kommen werden, schließt derselbe die 
heutige Sitzung. 
Vierte ordentliche Versammlung vom 26. Febr. 1876. 
Vorsitzender: Oberbanratb v. Schliert,olz. 
Schrchfiihrer: Städtischer Ingenieur Dobel. 
Antvesend 19 Mitglieder, 1 Gast. 
Die Versammlung wird durch den Vorsitzenden eröffnet; 
derselbe stellt den von Herrn Bauinfpektor Rheinhard ein 
geführten Gast, Herr Ingenieur Kanz, vor. 
Das Protokoll über die Versammlung vom 8. Februar 
wird vorgelesen und nicht beanstandet. 
Der Vorsitzende bringt zur Mittheilung, daß in der deut 
schen Bauzcitung der seiner Zeit von Herrn Baurath Bok 
gehaltene Vortrag über Vertilgung des Holzwurms veröffentlicht 
worden sei. Die Bauzcitung habe das darin vorgeschlagene 
Mittel seiner Gifthaltigkcit wegen als gefährlich bezeichnet und 
nach der deutschen Tischlcrzeitung auf eine Tränkung mittelst 
Benzin aufmerksam gemacht. 
Der Vorsitzende hat hierüber mit Herrn Oberstudienrath 
v. Krauß, der iu dieser Sache bekanntlich die mannigfachsten 
Versuche machte, gesprochen; dieser habe Benzin als einen zu 
flüchtigen Stoff, dagegen erfahrungsgemäß das von Herrn Bau 
rath Bok empfohlene natrnm arsenioosum wiederholt als 
allein wirksam bezeichnet. 
Ferner wird mitgetheilt, daß der Verband der deutschen 
Architekten und Ingenieure vom 20. Januar bekannt gebe, die 
Generalversammlung werde heuer in München stattfinden; 
47 Vereine haben dafür, 15 Vereine für Verschiebung 
gestimmt. 
Mit der großen Kunstausstellung sei auch zu gleicher Zeit 
die Ausstellung der Architekten re. verbunden; die Ingenieure 
haben eine abgesonderte Ausstellung, welcher jedoch auch die
	        

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