Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1877)

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neren Glasscheiben zur Beobachtung versehen, welche noch 
durch Schieber bedeckt werden konnten. 
Die Spreuausfüllung betrug vermittelt ca. 70 mm. 
Der Luftraum darüber vermittelt ca. . 40 mm. 
Das Ganze mit 10 Brettstückchen von je 5—6 mm. 
Zwischenraum bedeckt. 
Iter Versuch: Hineinwerfen von je 1 Paar Phosphor 
zündhölzchen vorher entzündet. 
Die Zündhölzchen brannten nicht vollständig ab, 
und kohlten nur die Spitzen der unmittelbar sie berüh 
renden Spreuerkeime kaum bemerklich an. 
2ter Versuch: Phosphorhölzchen wurden 4fach brennend 
eingeworfen. 
Gleiches Resultat. 
3ter Versuch: Schwedische Zündhölzchen deutschen Fab 
rikats aus Kempten 2mal je ein Paar brennend eingeworfen. 
Die Hölzchen brannten vollständig ab und hielten 
die sich verkohlenden Trümmer etwa 2'/-—3 Minuten, 
bis sie vollständig erlöschten, an. Während des Ab 
brennens wurden die anliegenden Spreuerspitzen zwar 
angekohlt, sie erlöschten aber noch ehe die Hölzchen aus 
geglüht hatten. 
4ter Versuch: Wiederholung des dritten. 
Mit gleichem Erfolg wie der dritte Versuch, keine 
Entzündung des Spreuers. 
5) Versuch: Wiederholt und auf die hellflammenden 
Hölzchen einzelne Spreuerkörner aufgestreut. 
Verkohlnngszeit wieder ca. 3 Minuten. Die hinab 
geworfenen einzelnen Spreukörner flammten an den 
Spitzen leicht auf, erloschen aber sofort und kohlten wie 
die um die Hölzchen liegenden Körner leicht an. 
6ter Versuch: Es wurden etwa eine Handvoll kleiner 
glühender Tannenkohlen durch die Bretterzwischenräume ein 
geworfen, dann auch einzelne Spreukörner aufgestreut. 
Es entwickelte sich anfangs ein kleiner Ranch mit 
starkem Brandgeruch der mit dem Erlöschen der Kohlen 
stückchen allmälig abnahm. Der die Kohlen umgebende 
Spreuer war leicht angekohlt, ohne fortzukohlen, wodurch 
derselbe zwar etwas erwärmt wurde, aber bald abkühlte. 
7ter Versuch: In der Mitte der Bretterdecke, so daß 
zn>ei Fugen frei blieben, wurde in einer Eisenrahme von 
38 ein. Länge, 28 cm. Breite, 7 ein. Höhe, ein starkes 
Holzkohlenfeuer mittelst eines Blasebalges angefacht. 
So lange während des Blasens nur einzelne glü 
hende Kohlenstückchen durch die Spalten auf den Spreuer 
herabfielen, zeigte sich keine Spur von Entzündung der 
selben, selbst die durch den Blasebalg herabgeblasenen 
Flammenspitzen entzündeten den Spreuer nicht, erst als 
die durch die starke Gluth an den offenen Fugen ent 
zündeten Deckbretter anfiengen lebhaft zu brennen, schlug 
ein Theil der Flamme auf die Spreu hinunter und ver 
breitete sich auf deren Oberfläche. Es trat ein leuch 
tendes Aufflammen ein, das sich allmählig auf beiden 
Langseiten zu ca. Meter ausbreitete. Die Entzündung 
der Deckbretter wurde nun noch lebhafter und nur — 
durch eine Aufschüttung von Spreuer rasch und gründlich 
unterdrückt. Beim Aufdecken zeigte sich: daß die Spreu 
soweit der Feuerherd reichte, auf höchstens 6—8 mm. 
angekohlt und stark erwärmt war. 
8ter Versuch: Der ad. 6) erwähnte Versuch wurde mit 
einem unmittelbar auf den Spreuer gelegten, gut entzün 
deten Kohlenhäufchen wiederholt. 
Das bei diesem Versuche mehr konzentrirte Kohlen 
häufchen blieb gegen 2 Stunden allmählig verglühend, 
ohne den umgebenden Spreuer zu entzünden, verkohlte 
Ihn aber stärker wo er in unmittelbarer Berührung mit 
den glühenden Kohlen war. Die Umgebung zeigte sich 
bis auf 6—8 mm. angebräunt. 
9ter Versuch: Auf ein durch kräftiges Gebläse an 
gefachtes Schmiedessefeuer wurden rasch aufeinander Hände 
voll Spreuer aufgeworfen. 
Die Spreuer verbrannten mit langen weißleuchten- 
den Flammen und einzelne Körner flogen als weiße 
Sternchen in die Höhe, die dann mit glühenden vermischt 
durch den Schornstein hindurch sich noch glühend in der 
Luft vertheilten, auf das Dach (Asphaltpappe) nieder 
fielen, aber rasch erloschen. Die so verbrannten und ver 
kohlten Spreuerreste, von welchen einzelne noch glimmend 
mit der Hand aufgefangen werden konnten, und ebenfalls 
rasch erlöschten, waren nicht zu Asche verbrannt, sondern 
behielten noch einigermaßen die Spreuerkornform in ver 
kohltem Zustande bei. 
Der Vorsitzende theilt noch mit, daß ein im Feuerlösch 
wesen erfahrener Techniker, Herr Werkmeister Arnold um 
eine Mittheilung seiner Erfahrungen in der Sache angegangen 
worden sei; daß dessen Aeußerung jedoch noch ausstehe. 
Es kommt die Konimission hienach zu dem Resultate: 
daß einzelne brennende Zündhölzchen oder kleine 
glühende Kohlenstückchen, welche durch die Bodenbretter- 
spalten fallen, die Spreuerfüllung nicht entzünden, daß 
aber wenn der Fußboden durchbrenne die Spreuer zur 
Fortleitung des Feuers mitwirken, weßhalb es nöthig 
feie, die Unterlagen von Ocfen, (überhaupt Feuerungen) 
feuersicher zu konstruiren. 
Auch der Verein hältz hienach den Spreuer bei Balken 
fachausfüllungen nicht für befördernd zur Feuerverbreitung, 
wie dieß schon früher durch Ministerialerlaß vom 26. August 
1873 anerkannt wurde und wünscht daher, daß bei §. 51 der 
Vollzugsverfügung zu Absatz 2 und 3 beigefügt werde: 
Zu den die Verbreitung des Feuers befördernden 
Materialien gehören: Heu, Stroh, Häcksel, Hobel- und 
Sägspähne, nicht aber Spreu. 
2) Referat über die Frage bezüglich einer Reichsbanord 
nung durch Herrn Professor Silber, Vorsitzender der hiezu 
erwählten Kommission auf Grund Vereinsbeschlusses vom 
28. Oktober 1876. 
Die Kommission hat in 5 Sitzungen die in Beil. 4 ge 
gebenen Beschlüsse gefaßt und ist der Verein denselben mit 
einigen Zusätzen, die dort berücksichtigt sind, sich zugleich auf 
seine früher ausgesprochene Ansicht (im Vereinsheft II. pro 
1870 Seite 14 enthalten) beziehend, beigetreten. Es soll nun 
von dem Vorsitzenden dem Verbände deutscher Architekten und 
Jngenieurvereinc hievon eine Abschrift mit unserer allgemeinen 
Bauordnung und der Vollzugsverfügung Regierungsbl. Nr. 35 
und Nr. 40 vom Jahr 1872 zugestellt werden. 
Der Schriftführer: 
Rausche r. 
Zehnte ordentliche Wersammkung den 21. April 1877. 
Vorsitzender: Oberbaurath v. Schlierholz. 
Schriftführer: Städt. Ingenieur Dobel. 
Anwesend: 16 Mitglieder. 
Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung und bringt die 
Protokolle der beiden letzten Versammlungen zur Vorlesung. 
Dieselben werden nicht beanstandet. Von dem böhmischen 
Ingenieur- und Architektenverein sind dem Vereine dessen Pub 
likationen pro 1876 zugesandt worden. 
Ein Schreiben des Verbands deutscher Ingenieure und 
Architekten wird mitgetheilt, wonach der Ingenieur- und Archi 
tektenverein für die Provinz Sachsen (Thüringen), derzeit 80 
Mitglieder zählend, in den Verband aufgenommen zu werden
	        

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