15
Die Kommission zur Beantwortung der Fragen des Vereins
deutscher Ingenieure über die Einführung eines metrischen
Gewindesystems schlägt dem Verein vor, zu beantworten:
ad. 1. Halten Sie es für wünschenswerth, die Einführung
eines einheitlichen Schranbengewindsystems anzustreben,
event, würden Sie ein solches bei sich einführen, falls es Ihren
Beifall fände. Antwort: Ja.
ad. 2. Welches der gebräuchlichsten der vorgeschlagenen
Systeme empfehlen Sie zu diesem Zwecke.
a. Das Whitworth'sche?
b. Das Delisle'sche?
c. welches Andere?
Antwort: Nachdem der Verein deutscher Eisenbahnverwalkungendas
Whitworth'sche Gewindsystem im Prinzip adoptirt
hat, und während in England selbst die Frage der Einführung des
Metermaßes erörtert wird, hält der Verein die einseitige Aufstellung
anderer Systeme nicht für zeitgemäß.
Die Fragen: 3) welcher Form des Gewindes geben Sie
den Vorzug? und
4) welche Gewindewinkel empfehlen Sie? sind hiemit gleichzeitig
erledigt?
ad. 5. Welche Mittel und Wege halten Sie für geeignet,
um im Falle der Annahme eines einheitlichen Systems
dem Publikum die Sicherheit zu verschaffen, daß es wirklich
normale Gewindeschneidewerkzeuge erhält?
Antwort: Die Deponirung von Musterbohrern bei den
größeren Eichämtern ist wünschenswerth.
Brockmann. Keßler. Kröber. Stotz.
Teichmann.
Die Versammlung genehmigt diese Anträge und geht nunmehr
über zu Versteigerung des literarischen Nachlasses des
verstorbenen Oberbauraths Binder.
Die eigentliche Versammlung wird hiemit geschlossen und
bezüglich der Ausstellung selbst auf deren Beschreibung (Beilage
8) verwiesen.
Der Schriftführer:
Teich mann.
Dreizehnte ordentliche Wersammkuug am 9. Juni 1877.
Vorsitzender: Oberbaurath v. Schlierholz.
Schriftführer: Bauinspektor Rheinhard.
Anwesend 13 Mitglieder und 1 Gast (Herr Baumeister Sautter).
Die Protokolle über die elfte und über die zwölfte ordentliche
Versammlung werden verlesen lind gutgeheißen.
Die auf die Tagesordnung gesetzte Fortsetzung der Versteigerung
von Werken aus der Bibliothek des verstorbenen
Oberbauraths Binder wird wegen der schwachen Betheiligung
der Mitglieder an der heutigen Versammlung auf spätere gelegellere
Zeit zurückgestellt.
Hierauf verbreitet sich der Herr Vorsitzende über seine
Wahrnehmungen bezüglich der Betheiligung von Fachgenossen
uub Laien an der kürzlich stattgehabten Vereinsausstellung von
Arbeiten aus dein Gebiet des Jngenieurwesens, und weist auf
deren nähere Beschreibung, Beilage 8 und 8 a, hin.
Vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg ist
eine Zuschrift eingelaufen, betreffend die Beantwortung von
Fragen über die Haftpflicht der Ingenieure und Architekten,
für die von ihnen entworfenen bezw. durch sie zur Ausführung
kommenden Bauten, um Material für Vorschläge zu gewinnen,
welche ui obigem Betreff bei Abfassung des deutschen Civilgesetzbuchs
zu machen wären. Der Verein beschließt auf die
Beantwortung dieser Fragen einzugehen und eine Kommission
von 5 Mitgliedern hiefür einzusetzen. In dieselbe werden gewählt
die Herren Banrath Kayser und Bok I., Prof. Silber
und Prof. Baumgärtner, Bauinspektor Bracher, sämmtliche
in Stlittgart. Nach einem weiteren Beschluß soll es den Kommissionsmitgliedern
anheimgestellt werden, zu den Kommissionssitzungen,
sowie zur Beihilfe bei Abfassung ihres Gutachtens
auf Kosten des Vereins einen Juristen zuzuziehen.
Der Herr Staatsminister v. Sick hat dem Verein vier
Exemplare einer statistischen Uebersicht über den Verkehr auf
den Württembergischen Staatsstraßen iin Jahr 1875 übersendet,
für welche Gabe der Verein seinen Dank ausspricht.
Eingelaufen sind mehrere Zeitschriften anderer Vereine,
sowie mehrere Exemplare einer Abhandlung des technischchemischen
Laboratoriums in Berlin über die Prüfung von
Portlandcementen, ebenso von Dyckerhof und Wiedmann in
Karlsruhe mehrere Abdrücke einer Schrift, den gleichen Gegenstand
betreffend.
In den Verein wurden hierauf auf Vorschlag des Herrn
Oberauraths v. Schlierholz als auswärtige Mitglieder durch
Abstimmung aufgenommen:
die Herren Baumeister Dulk in Ebingen und
Ingenieur Schweyer in Wangen.
Der letzte Gegenstand der Tagesordnung betraf die Wahl
des Orts für eine zweite Sommerexkursiou, und wurde beschlossen,
am Sonntag den 26. August eine Exkursion nach Waiblingen
zur Besichtigung des Remsviadukts daselbst zu machen
und von da aus ins Bad Neustädtle sich zu begeben.
Schluß der Sitzung nach 9 Uhr.
Der Schriftführer:
Rheinhard.
Vierzehnte ordentliche Versammlung am 22. Juli 1877.
Vorsitzender: Oberbaurath v. Schlierholz.
Schriftführer: Baumeister Lang.
Anwesend 8 Mitglieder und 1 Gast (Baumeister Sautter).
Der Vorsitzende macht Mittheilung
1) über die Abgeordnetenversammlung des Verbands deutscher
Architekten- und Jngenieurvereine in Coburg am
24. und 25. August, bei der Prof. Baumgärtner
unseren Verein vertreten wird;
2) über die Zusendung der Denkschriften des Verbands an
die Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten, des
Innern, des Kirchen- und Schulwesens und der Finanzen,
an die Wasser- uild Straßenbauabtheilung und die Baugewerkeschule;
'
3) über die vom Ministerium des Kirchen- und Schulwesens -
dem Verein übersandte Konkursausschreibung für ein
Universitätsgebäude in Leyden;
4» über die Aufforderung des Berliner Architektenvereins
zur Beschickung der Berliner internationalen Kunstausstellung
vom 2. September bis 28. Oktober d. I.; die
Gegenstände sind vom 1.—31. Juli einzusenden;
5) von einer Einladung des Vorstands des mittelrheinischen
Architekten- und Jngenieurvereins zur Hauptversammlung
in Frankfurt a. M. auf 30. Juni mit Ansflug nach
Aschaffenburg am 1. Juli; (ad 2, 3 und 4 sind die Vereinsmitglieder
durch eine Veröffentlichung in: Schwäbischen
Merkur eingeladen worden);
6) über Aufnahmsgesuche der Herren:
Baumeister Sautter, vorgeschl. von Prof. Silber,
Fabrikant Decker; Architekt Gunzenhaußen und
Holch, vorgeschl. von Baurath Bok I.
Die Aufnahmsgesuche können erst bei der nächsten ordentlichen
Versammlimg erledigt werden. Der Wunsch der zwei letzteren
Herren, die Bibliothek jetzt schon benützen zu dürfen, findet
keinen Widerspruch.
Sodann wird übergegangen zur Berathung der vom Verband
vorgelegten, resp. vom Hamburger Architekten- und Jngenieurverein
angeregten Fragen betreffs der Haftpflicht der
Architekten und Ingenieure für ihre Rathschläge und Ausführungen.
Zunächst kommt das Schreiben des Hamburger Architektenund
Jngenieurvereins an den Verband zur Verlesung, worauf