Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1877)

ober endlich durch Dampfheizungsröhren bekannt geworden, wohl 
aber hatte er öfters Gelegenheit, ein allmähliges Braunwerden 
von Stroh, Holz oder Filz, welche zum Schutz gegen Abkühlung 
um Dampfröhren oder -Cylinder gelegt wurden, zu konstatiren. 
Die erwähnten Stoffe wurden durch diese langsame Zersetzung 
mürbe, vielleicht auch wurde ihre Brennbarkeit erhöht; daß sie 
aber ohne direktes Zutreten von Feuer sich entzünden können, 
muß auf Grund des oben Gesagten bezweifelt werden, bis un 
trügliche Beweise vorliegen. 
Bei der vom Unterzeichneten eingesehenen Hochdruckwasser 
heizung des erbprinzlichcn Palais zu Sigmaringen befinden 
sich die außen 25 min. im Durchmesser haltenden schmiede 
eisernen Heizröhren in 55 min. weiten Kanälen, welche in den 
Fußböden hinlaufen und ganz aus Holz bestehen. Die Wände 
der Kanäle sind mit Blech ausgeschlagen. Da wo die Röhren 
die Kanäle verlassen, um in die Heizspiralen überzugehen, nähern 
sie sich dem Fußboden bis auf wenige Millimeter; die 
Heizspiralen selbst nähern sich der Holzvertäferung der Wände 
oft bis auf 1 cm., ohne daß in beiden Fällen eine Bräunung 
des Holzwerkes hätte wahrgenommen werden können. 
In gleicher Weise besitzen die Kunstsammlung des fürst 
lichen Schlosses und das Landesspital zu Sigmaringen Hoch 
druck-Wasserheizungen, ohne daß dieselben bis heute zu Bränden 
Veranlassung gegeben hätten. 
Auf ergangene Anfrage äußerten sich die Herren Gebrüder 
Sulzer in Winterthur, welche schon seit 35 Jahren Dampf- 
und Wasserheizungs-Anlagen nach bewährtesten Systemen bauen, 
nachstehend und in obigem Sinne: 
„Wir machen Ihnen in Antwort auf Ihr gefl. Schreiben 
vom 12. November die Mittheilung, daß bei Hochdruck-Heiß 
wasserröhren schon verschiedene Male Entzündungen konstatirt 
worden sind. Bei Dampfheizungsröhren mit Niederdruck 
dampf ist uns dagegen kein Fall bekannt, daß Holzwerk an 
gebrannt worden, während andererseits solches bei Mittel- und 
Hochdruckdampf (3—5 Atm.) allerdings behauptet wird, bis 
fetzt aber nicht sicher konstatirt werden konnte. Das Holzwerk 
wird hiebei allerdings nach und nach braun gefärbt. 
Bei unsern gewöhnlich zur Ausführung kommenden Dampf- 
und Dampfwasserheizungen betrügt der Druck im Maximum 
2 Atm., gewöhnlich 1 Atm. und werden Sie daraus selbst die 
sich ergebende Temperatur berechnen können. Bei Warmwasser 
heizungen geht letztere selbstverständlich nicht höher als bis zum 
Siedegrade." 
Auf Grund des oben Gesagten hält der Unterzeichnete die 
Vorschrift einer Entfernung des Holzwerks von Dampf- oder 
Wasserheizungsröhren im Prinzip für überflüssig, soweit es sich 
ausschließlich um die Entstehung von Feuer handelt. 
Soll aber außerdem auch eine erhöhte Disposition des in 
Betracht kommenden Holzwerkes für Fortpflanzung von aus an 
deren Ursachen entstandenem Feuer vermieden werden, so genügt 
hierfür eine Entfernung desselben von den Heizröhren von höch 
stens 1—2 em. vollkommen. C. Kr über." 
2) von Professor Teichmann, welcher besagt: 
„Die Temperatur der gesättigten Wasserdämpfe, und nur 
um solche kann es sich bei Dampfheizungen handeln, beträgt bei 
den Spannungen 
1 2 5 10 20 Atmosphäre 
100 120 152 180 215° Celsius; 
alle diese Temperaturen liegen weit unter der Entzündungs 
temperatur des Holzes, der Papier- und Pflanzenfaser selbst in 
feinster Vertheilung. Höhere Temperaturen können weder in 
einer Dampf- noch in einer Heißwasserheizung vorkommen, so 
lange obige Pressungen nicht überschritten werden. Die aller 
meisten Dampf- und Wasserheizungen begnügen sich mit Pressun 
gen, welche die atmosphärische nur ganz wenig übersteigen; na 
mentlich ist dieß der Fall bei den sogenannten Äbdampfheizungen 
und den offenen Nieder druckwasserheizungen. Die Dampfleitungs- 
röhren der Dampfmaschinen arbeiten mit Pressungen von 5—7, 
Lokomotiven mit 10—12 Atmosphären. Nur die Perkins'schen 
Hochdruckheißwasserheizungen haben Pressungen und Temperaturen 
angewendet, welche die oben genannten übersteigen und bei 
welchen in der Nähe des Heizapparates Entzündungen beobachtet 
worden sein sollen. Dieselben sind aber jetzt verlassen, weil 
nur ganz enge Röhren so stark hergestellt werden können, daß 
sie so enorme Pressungen aushalten und weil eine ganz mäßige 
Vergrößerung der Oberfläche der Heizröhren dieselben Resultate 
in Bezug auf Heizeffelt gibt, wie diese übermäßige Steigerung 
des Druckes. Soweit noch Hochdruckwasserheizungen ausgeführt 
werden, arbeiten sie mit Pressungen unter 20 Atm. 
Referent hatte kürzlich Gelegenheit, Versuche über die Ent 
zündung leicht brennbarer Gegenstände bei Dampfspannungen 
bis zu 7 Atmosphären zu machen. Nur Zündhölzchen, mit dem 
Köpfchen auf das Dampfrohr gestellt und an eine Flantsche an 
gelehnt, entzündeten sich bei 1 Atm. Druck, Papierschnitzel, 
Hobelspähne, Baumwolle, Stroh, theils trocken, theils mit Erdöl 
getränkt, zeigten im Verlauf eines Tages bei Spannungen bis 
zu 7 Atm. auf einem Dampfrohr liegend, nicht die geringste 
Veränderung. 
Es ist deshalb ganz allgemein üblich, Dampfehlinder, 
Lokomotiv- und Lokomobilkessel, Dampfleitungsröhren und der 
gleichen mit Holz, Stroh oder Spreu einzuhüllen, um sie vor 
Abkühlung zu schützen. Es sind nur solche Holzverkleidungen 
an Dampfeylindern bekannt, welche Jahrzehnte lang gehalten 
haben bei einem inneren Druck von 5—6 Atm. Mit der Länge 
der Zeit werden diese Umhüllungsmaterialien jedoch braun und 
moderig. 
Ganz allgemein werden leicht brennbare Gegenstände, 
Wäsche, Holz re. in mit Dampf geheizten Kammern getrocknet, 
wo sie ohne Anstand in unnüttelbare Berührung mit den Heiz 
röhren kommen. Bei den Eilzügen, die zwischen Paris und 
Wien Verkehren, liegen die Dampfheizungsröhren unmittelbar 
unter den gepolsterten Sitzen, ohne daß je an eine Gefahr der 
Entzündung gedacht wurde. 
Es gibt keine Heizung, welche so große Sicherheit gegen 
Entzündung bietet, wie eine Dampf- oder Heißwasserheizung 
und deshalb sollten die Gesetze die Anwendung derselben er 
leichtern und nicht beschränken; namentlich sind Beschränkungen 
so lange unzulässig, als nicht Entzündungen durch Dampfröhren 
wirklich beobachtet werden. Teichmann." 
3) von Oberbaurath Brokmann hier, welcher ein Schrei 
ben des als Fabrikanten von Heißwasser- und Dampfheizungen 
in Deutschland und dem Auslande wohlbekannten Fabrikanten 
Haag in Augsburg vorlegt und seine eigenen reichen Erfahr 
ungen, die mit der Haag'scheu Anschauung übereinstimmen, 
darlegte. 
Die Haag'schen Aeußerungen lauten wie folgt: 
„Auf Ihre Anfrage am Schlüsse Ihres Briefes kann ich 
Ihnen erwiedern, daß wir in Bayern keine bauliche Vorschriften 
haben, nach welchen Dampf- und Wasserheizungsröhren von Holz 
werk in Gebäuden einen Abstand haben sollten; daher ich meine 
viele hunderttausend von Metern messende Dampf-Wasserheizungs- 
röhren, die ich in Gebäude gelegt habe, bis auf 5 mm. Nähe 
entlang an Holzwänden und Holzböden in Gebäuden zu allen 
möglichen Zwecken, öffentliche als private, in Staats- und Stadt- 
l gebäuden geführt habe, und zwar nicht nur in Bayern, sondern 
\ in ganz Deutschland, im Norden, Süden, Osten und Westen, 
j in Oesterreich-Ungarn, Rußland, Schweden, Italien und der 
Schweiz, ohne irgendwo Anstand gefunden zu haben, nur in 
Württemberg wollte man vor einigen Jahren Anstand nehmen, 
da in den württemb. Baugesetzen ein Passus enthalten ist, daß 
Dampf- und Wasserheizungsröhren 15 om. von Holzwerk in 
Gebäuden abstehen müssen. Ich erklärte hierauf, daß es dann 
eine Unmöglichkeit meinerseits wäre, Dampf- und Wasserhei 
zungen zweckmäßig in Gebäuden anzubringen, worauf man Ab 
stand nahm, d. h. diejenigen Holzwände an den Stellen, wo die 
Röhren in deren Nähe kamen, mit dünnen Blechstreifen belegen 
mußte. Joh. Haag.
	        

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