Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1877)

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Endlich erachtet der Verein es für nöthig, Anhaltspunkte 
zu geben, für die zulässige Einführung von einer Anzahl Feuer 
ungen in einen bestimmten Querschnitt und glaubt derselbe, den 
vorgeschlagenen Beisatz hoher Berücksichtigung empfehlen zu sollen, 
wobei er für eine Ofenfcucrung einen Querschnitt von 80 cm. 
und für einen Herd von 150 dem. für ausreichend und die 
seither in Stuttgart übliche Annahme von 100 dem. für einen 
Ofen und 300 dem. für einen Herd für zu weit gehend er 
achtet, indem für jeden Zimmerofen eine runde Blcchröhre von 
10 cm. — 3‘/ a " Durchmesser mit 78,5 Dem, Querschnitt, 
zunächst an Oefen, wo die Verbrennungsgasc ein größeres 
Volumen einnehmen, als im abgekühlten Zustande im Kamine, 
genügte: ebenso für Herde eine Blechröhre von 13 cm. — 4 */ a " 
Durchmesser, d. h. mit 133 dem. Querschnitt. 
Hiebei darf noch berücksichtigt werden, daß die Feuerungen 
meist nicht alle zu gleicher Zeit im Gange sind, so daß z. B. 
Kochherd und Kochofen nur als eine Feuerung zu rechnen 
sein wird und die Feuerung eines Badezimmers in einem 
Familienhause außer Berechnung bleiben könnte. 
Stuttgart, im August 1877. 
Im Namen des Vereins für Baukunde: 
dessen Vorstand: 
|. Schlierhol,. 
Beilage 3 
zur 8. ordentl. Versammlung. Hiezu Zeichnungsbeil. Taf. 1. 
Meise-Molizen aus Maden und dem Maß 
von Professor Laißle und Bauinspektor Rh ein Hardt. 
Eine kurze Ferienreise, die uns im vergangenen Herbst nach 
Baden und ins Elsaß geführt hat, gab mannigfache Gelegenheit, 
Einsicht von Wasserbauten und anderen baulichen Anlagen zu 
nehmen, wovon wir einige Mittheilungen in Nachstehendem uns 
zu machen erlauben. 
Das erste Ziel unserer Reise war Achcrn, woselbst die 
unterhalb dieses Städtchens ausgeführte Korrektion der Acher 
und die sich hieran anschließenden Bewässerungsanlagen besich 
tigt wurden. Das hier nicht unbeträchtliche Gefall des ge 
nannten Flusses wurde auf der korrigirten Strecke zu Stauan 
lagen für die anstoßenden beinahe ganz eben liegenden Wiesen 
ausgenützt. Um das starke Soylengefäll zu vermindern, er 
hielten die Stauanlagen die durch Fig. 1 (siche Zeichnung) 
näher verdeutlichte Konstruktion gemauerter Schwellen mit ca. 
0,8 m. hohen Abstürzen. Die eigentliche Stauvorrichtung besteht 
aus mehreren Fallen aus dichtgefügten Dielen mit schrägen 
Aufsatzleisten, welche von gußeisernen Fallenpfosten gehalten 
werden. Die Aufzugvorrichtung der Fallen zeigt die häufig 
angewendete Form der Kurbel mit Uebersetzung auf zwei Zahn 
stangen. Ober- und unterhalb der Flußschwcllen war die 
ca. 7,7 m. breite Sohle mit großen Platten ausgepflastert, an 
den beiden Seiten verfolgte die obere Begrenzung des hier an 
gebrachten Böschungspflasters (die lichte Weite der einzelnen 
Fallenöffnungen betrug 3,85 in , die Breite der Auflagcquader 
für die Fallenpfostcn 60 cm.) die muthmaßlich am Absturz sich 
bildende Hochwafferlinie. Die belasten Böschungen der Fluß- 
korrektion hatten eine 1'/-fache Anlage erhalten, in Nieder 
wasserhöhe war in der Ufcrlinie beiderseits je eine Senkwelle 
eingelegt worden. Die Breite der die höchsten Hochwasserstände 
überragenden Seitendämme betrug 1,6 in. 
Zur Verringerung des relativen Sohlengefälls des Flusses 
waren in Entfernungen von ca. 30 m. kleine Schwellen aus 
Stotzenflcchtwcrk und Pflaster (s. Fig. 2) angebracht. Die 
Höhe dieser Schwellen wurde zu 10—15 cm. geschätzt. 
Die Korrektion befand sich in sehr gut erhaltenem Zustand, 
ebenso die Einlaßschleusen für die Hauptbewässcrungsgräben 
(s. Fig. 4 u. 5) und die an letzteren befindlichen Fallen u. s. w. 
Von einem kleinen hölzernen Fallcndurchlaß, welcher sehr 
zweckmäßig konstruirt ist, gibt Fig. 3 ein Bild. 
Von der eigentlichen Bewässerungsanlage, von Rücken- und 
Hangbau u. s. w. war sehr wenig zu bemerken, da deren Aus 
führung dem Vernehmen nach den einzelnen Besitzern überlassen 
bleibt, während die oben angeführten Bauten incl. des Haupt 
zuleitungsgrabens von staatlichen Organen ausgeführt wurden, 
obgleich die Kosten hiervon die anstoßenden Güterbcsitzer in der 
Hauptsache ebenfalls zu tragen haben. 
Eingetretenes Regenwetter ließ ein weiteres Vordringen in 
die Wiesen nicht als räthlich erscheinen, weshalb wir am gleichen 
Tage nach Freiburg weiter zogen. 
Diese durch ihre Sauberkeit wirklich ausgezeichnete und 
deshalb auch schon von Hebel gepriesene Stadt zeigte sich uns 
derart im Regengewand, daß wir uns auf die Besichtigung des 
Münsters und einiger Straßen beschränken mußten. Hier hatten 
wir auch Gelegenheit, dem oft und viel, in der Regel auch mit 
Recht geschmähten Trottoirpflaster aus Flußkieseln Abbitte zu 
leisten. Dadurch, daß die Kiesel an den Seiten nach Bedürfniß 
gespalten und abgeköpft werden, ist es möglich, die Steine dicht 
an einander zu stellen und ein trotz der vielen Fugen ebenes 
Pflaster, das wie sonst üblich in Sand versetzt und sodann 
mäßig abgerammt wird, herzustellen, das durch angebrachte 
geometrische Muster aus andersfarbigen Kieseln auch ein ge 
fälliges Aeußere darbietet. Das Trottoirpflaster läßt sich gut 
begehen und soll auch im Winter keine Mißstände ausweisen. 
Wir konnten leider keine Notizen über die Arbeitspreise dieses 
Pflasters erhalten. Daß Freiburg sich kräftig auszudehnen be 
absichtigt, ließen die vielen neu angelegten Straßen erkennen, 
welche meistens noch sehr spärlich mit Häusern besetzt waren. 
Eine ähnliche Wahrnehmung hatten wir später auch in Mann 
heim zu machen. Wir konnten hier Vergleichungen mit Stutt 
gart anstellen, wo eine Straße halb ausgebaut sein muß, che 
die Straßenfahrbahn mit Zubehörden in allen Theilen vollendet 
wird. Abgesehen von den zahlreichen Mißständen, welche ein 
solches Verfahren für die ersten Bewohner der fraglichen Straßen 
mit sich bringt, erscheint das Vorgehen der genannten badischen 
Städte auch von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet 
als nachahmenswerther und rationeller. Es ist eine natürliche 
und allerorts leicht zu erhärtende Thatsache, daß in solchen 
neuen, scheinbar oft abgelegenen Straßen anfänglich nur Micth- 
kasernen schlechterer Beschaffenheit sowie sonstige mehr mit Rück 
sicht auf Billigkeit als auf Solidität und Eleganz gebaute 
Häuser hergestellt werden, da Leute, die einigen Anspruch auf 
Komfort machen, nicht jahrelang im Straßcnkoth herumzuwaten 
Lust haben. Wird dann später eine solche Straße eröffnet und 
so hergestellt, daß sie den Anforderungen entspricht, welche an 
städtische Straßen gemacht werden, und werden dadurch ver- 
möglicherc Bauherren in die Straße gezogen, so zeigen sich 
häufig nichts weniger als schöne Perspektiven und vermögen die 
schönsten Fahnden die Aermlichkeit ihrer Nachbarschaft nicht zu-
	        

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