Volltext: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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Hierauf bittet der Kassier die auswärtigen Mitglieder, die 
Beiträge womöglich per Posteinzahlung zu entrichten. Wenn 
das Porto für Rücksendung einer besonderen Quittung des Ver 
einskassiers diesen Posteinzahlungen nicht beigelegt sei, so werde 
angenommen, daß den betreffenden Herren der Postschein als 
Quittung genüge. Schließlich legt der Herr Kassier die Kapital 
briefe und die von der Revisionskommission geprüften Rechnungs 
ausweise zur allgemeinen Einsicht aus. 
Der Vorsitzende bittet hierauf zur Neuwahl des Ausschusses 
zu schreiten, legt sein Amt nieder und schlägt als Alterspräsi 
denten Herm Prof. Baurath v. Hänel vor, welcher während 
des Wahlaktes den Vorsitz in der Versammlung führt. Das 
Ergebniß der Wahlen ist folgendes: 
Abgegeben wurden 59 Stimmzettel. Gewählt sind: 
Herr Oberbaurath v. Schlier holz mit 55 Stimmen, 
Bok „ 53 
„ „ v- Egle „ 51 
„ Professor Baumgärtner „ 49 „ 
„ „ Laißle „ 44 
„ Bauinspektor Knoll »38 „ 
„ „ v. Seeger „ 35 „ 
„ Professor Weyrauch „35 
„ Baumeister Lang »24 „ 
weitere Stimmen erhielten: 
Herr Bauinspektor Reinhardt 17 Stimmen, 
„ Prof. Baurath v. Hänel 16 „ 
„ Abth.-Jngenieur Koch 16 „ 
„ Ingenieur Dobel 12 „ 
„ Oberbaurath v. Leins 7 „ 
„ Baurath Leibbrand 7 „ 
„ „ Kaiser 6 
Schluß der offiziellen Versammlung um */ a 10 Uhr. 
Der Schriftführer: 
Baumeister Lang. 
Vom nichtgeschäftlichcn Theil 
der 36. Generalversammlung des Vereins für Äaukunde 
am 18. Januar 1879. 
Nachdem berichtet und gewählet, 
Auch die Stimmen abgezählet, 
Ist zum Schmause man geneigt, 
Wie der Bauverein uns zeigt. 
Hinaus aus dem Raum, der zu Ernstem bestimmt, 
In dem man Berichte und Reden vernimmt. 
Es winket des Saales erleuchteter Raum, 
Die Düfte der Speisen, sie reizen den Gaum', 
Die gedeckte Tafel, so groß sie auch war, 
Kaum faßt sie der Gäste unzählige Schaar. 
Endlich in Reihen gesetzt, die wackeren Festesgenosien 
Tauschen Begrüßungen aus und Willkomm' unter einander, 
Daß des Festes Lokal von lautem Gespräche erschallte. — 
Einer, der Stille gebot den plaudernden Männern der Baukunst, 
Hänel war er genannt, Professor und Baurath zugleich auch: 
Dankend sprach er sich aus erst gegen den älteren Ausschuß, 
D'rauf er den neuen begrüßt mit ermunternden freundlichen Worten. 
Dann erhob sich zum Wort Hocheisen, der Bauten-Jnspektor, 
Bringt ein begeistertes Hoch auf den, der als Vorstand gewirkt hat, 
Der um das Wohl und Gedeih'n des Vereines so eifrig bemüht war. 
Alle erhoben das Glas, und es dröhnte von donnerndem Hochruf, 
Wie auch von Gläsergeklirr und Klingklang der herrliche Festraum. 
Schlierholz der Vorstand sodann, er lobte in längerer Rede, 
Daß sich hab' im Verein zunehmender Eifer gezeiget, 
Wünscht, daß im kommenden Jahr die Betheiligung immer noch zu 
nimmt. 
Denen, die dem Verein durch Vortrag Belehrung geboten, 
Wie auch den Mitgliedern all, die Erfahrungen haben berichtet, 
Spricht er den herzlichsten Dank und Anerkennung zugleich aus. 
Also von Reden gewürzt und von kernigen Worten begleitet 
Schnell verstrich da die Zeit, die zum Mahle des Festes bestimmt war. 
Von der Tafel abgelenkt. 
Der man Zeit genug geschenkt, 
Nach des Saales Hinterwand 
Späh'n die Blicke unverwandt. 
Denn daselbst ist aufgestellt 
Eine Bühne, die gefällt 
Jedem, der der Kurzweil Freund. — 
Unerwartet uns erscheint 
Vor des Vorhangs dunk'lem Grund 
Einer mit beredtem Mund. 
In pikanter Kostümirung 
Dient der Bühn' er als Verzierung, 
Mit dem Rocke roth karrirt 
Und dem Beinkleid schön schraffirt. — 
Dieser nimmt den Mund recht voll, , 
Kündet, was erscheinen soll; 
Daß die Baukunst dem nur klar, 
Welcher nimmt mit Auge» wahr, 
Wie entstanden sind allmälig 
Bau- und Kunstwerk ganz unzählig. — 
Nach Aegypten lenkt er hin 
Aufmerksamer Hörer Sinn. 
Kaum sprach er das letzte Wort, 
War auch schon der Vorhang fort. 
Starr standen still und stumm stolze Aegypter, 
Darstellend die denkenden Pyramiden-Erbauer, 
In Reihe gestellt, in richtiger Ordnung. 
Erst der Führer des Baues, die Wege weisend, 
Einsteckend den Richtstab in historischen Boden. 
Dem Führer folgt fügsam der Bauunternehmer. 
Handhabend den Besen aus Binsen gebunden. 
Beide schreiten voran mit würdigen Schritten 
Dem Ober-Oberpyramiden-Baurath, 
Der, erhobenen Haupt's, auf sie herabsieht. 
Immer noch im Vordergrund 
Steht mit dem beredten Mund 
Auskunft gebend und Erklärung, 
Ununterbrochen ohne Störung 
Jener, der uns wohlbekannt, 
Sagt, daß im Aegypterland 
Des Bautenführers Name war 
Lausr-ben-Lauso sonderbar. 
Dem Gedächtniß viel bequemer 
Der Name sei vom Unternehmer: 
Denn es stellt' dort Straß' und Städt' hin, 
Unternehmer Glaser-eddin. 
Symbolisch deutet der Besen an, 
Daß weg man alles räumen kann, 
Was als Hinderniß im Wege 
Ungeschickt kommt in's Gehege. 
Der Dritte, der uns dar sich stellt, 
Hat hohe Stellung in der Welt; 
Von Abdul-Metschid heißet er, 
Wovon man leitet Dollmetsch her; 
Groß ist seiner Titel Zahl, 
Dem Gedächtniß eine Qual. 
Pharaonischer, wirklicher, heimlicher 
Pyramiden-Oberbaurath 
Und Pylonen-Oberinspektor, 
Ritter vieler hoher Orden, 
Unter denen glänzt hauptsächlich 
Der des heil'gen Krokodiles, 
Mit Berecht'gung ihn zu tragen 
An dem rothen Halfterbande 
Des Ichneumon von dem Strande. 
' Schon damals in Aegyptenland 
Der Baukalender war bekannt, 
Wie auf dem Bilde man nimmt wahr 
An einem ächten Exemplar. 
Nachdem man genügend das Bild hat bewundert. 
Gelangt man sehr einfach in spät'res Jahrhundert. 
Der Vorhang fällt nieder 
Und hebet sich wieder.
	        

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