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Beil. 3, zur 8. Versammlung. 
Hl e f e r a t 
über die vom verbände deutscher Architekten- und Ingenieur-vereine in der Äbgeordnetrnversammtung zu Dresden 
gestellte Frage 6: 
Was für Erfahrungen sind im Vereinsgebiete mit Betonbauten 
im Hochbau- und Ingenieur-Wesen bisher gemacht? 
Wie stellen sich die Kosten der Herstellung und Unterhaltung 
von Betonbauten gegenüber sonstigen Bauausführungen? 
Die hiefür bestellte Kommission, bestehend aus dem Ober 
baurath v. Egle, Oberbaurath v. Schlierholz, Baurath 
Leibbrand und Kaiser, Professor Tafel und Bauinspektor 
Rheinhard, beantwortet nach eingehender Berathung durch 
ihren Referenten, Oberbanrath v. Schlierholz, dieselbe wie 
folgt: 
In Württemberg wurde früher, bis in die Mitte des 
18ten Jahrhunderts, wie anderwärts, dem Aetzkalk schnellbindende 
Eigenschaft durch Zuschläge von natürlichen Cementen, wesentlich 
vulkanischen Gebilden, als Puzolan, Traß, gemahlenem Basalte, 
Santorinerde, gegeben, bis 1755—1810 in England aus natür 
lichen Kalkniergeln von dem Londoner Becken und der Roman 
küste hydraulischer Kalk (Ronrancement) gebrannt, gemahlen und 
weithin versendet wurde. 
Gleiches geschah alsbald auch in Frankreich und wurde in 
den 30er Jahren unseres Jahrhunderts auch in Deutschland 
wesentlich durch die Professoren Fuchs und Pettenkofer in 
München, speziell in Württemberg durch Apotheker vr. Leube 
in Ulm eingeführt, welch' letzterer die Jmpressathone des weißen 
Jura zwischen Blaubeuren und Ehingen bei Allmendingen hiezu 
verwendete und hiemit durchschnittlich einen guten Romancement 
lieferte und wesentlich Anregung zu einer ausgebreiteten inlän 
dischen Romancementfabrikation aus den Formationen des weißen 
und schwarzen Jura (den Rumismalismergeln des letzteren), 
sowie des Muschelkalks gab. 
Wurden nun vorher schnellbindende Kalke in Württeniberg 
vorzugsweise durch Zusatz von Andernacher Traß zum Aetz- oder 
schwarzen Kalk (schwache hydraulische Kalke) gebildet und fast 
ausnahmsweise nur zu Betonfundationen verwendet, bei welchen 
das Mischungsverhältniß je nach der Beschaffenheit von Sand 
und Schotter, ob im Trockenen oder Nassen verwendet, ver 
schieden war, so z. B. an der Cannstatter Neckar-Brücke: 2 Theile 
schwarzen Kalk, 1 Theil Traß, 1 Theil Sand, 1 Theil Kies, 
3 Theile Kleingeschläg; so wurde von obiger Zeit an fast aus 
schließlich zu Betonarbeiten Romancement verwendet, und steigerte 
sich dessen Verbrauch mit den Festungsbauten zu Ulm und un 
seren Eisenbahnbauten und die durch letztere sich ergebende Er 
leichterung im Verkehr in außerordentlicher Weise nicht nur für 
Württemberg, sondern auch über dessen Grenzen hinaus und 
schaffte zugleich große wirthschaftliche Werthe. 
Immerhin aber erstreckte sich lange Zeit die Verwendung 
des Romancements vorzugsweise nur auf Fundationen, Ueber- 
züge von Gewölben, Verputzarbeiten, ausnahmsweise zu Estrichen 
und Wasserdichtmachung von Kellersohlen, Cisternen u. dgl. und 
erst zu Ende der 50er und in den 60er Jahren gewann dieselbe 
eine größere Ausdehnung durch erweiterte Verwendung zu Beton 
auch für Souterrainmauerwerk, Hintermauerungen, Gewölben, 
Dachplatten, zu Wasserleitungsröhren u. dgl. 
Dies fand vorzugsweise statt beim Eisenbahnbau, zunächst 
in Oberschwaben von Mitte der 60er Jahre an, woselbst gute 
Bausteine meist nur von weiterher, also theurer zu erhalten, 
selbst Kalksteine in guter Qualität in großer Menge nicht immer 
sicher zu beschaffen sind, die Cementfabriken, wesentlich des Blau 
thales, aber Ronrancement billig liefern konnten, und guter Sand 
und reiner Kies besonders im Allgäu meist nächst der Baustelle 
billig zu gewinnen ist, selbst auch Steine zu Schotter tauglich, 
vielen Orts nicht zu theuer zu erhalten sind. 
Dies fand auch annähernd nächst den Cementfabriken zu 
Kirchheiin und Reutlingen statt. 
Diese Anwendung steigerte sich in erhöhtem Grade, als die 
künstlichen Portlandcemente, die seither, besonders die englischen, 
für uns zu theuer waren, durch deutsche renommirte Fabriken von 
Dykerhof & Espenschied in Mannheim, Lothary in Mainz, 
vom Bonner Bergwerks- und Hüttenverein, Bücking L Dietsch 
in Malstett bei Saarbrücken und durch die sich immer enger 
schließenden Eisenbahnmaschen auch in Württemberg mit unserem 
Romancement in Konkurrenz treten konnten, und dies noch in er- 
höhterem Grade als seit einigen Jahren auch in Württemberg 
durch das Immobilien- und Baugeschäft Stuttgart in Blaubeuren 
patentirter guter Portlandcement fabricirt wird. 
Es ist zwar das Gewicht und der Preis des Portland 
cements ein wesentlich höherer als beim Romancement, indem 
Romancement per llbm wiegt ca. 19 Ctr., Portlandcement per 
kbm ca. 29—31,5 Ctr. und ersterer per Ctr. in Württemberg 
durchschnittlich kostet 1 M. 55 -J>, der letztere 2 Jtk 20 ^ bis 
2 M. 50 
Dagegen hat der Portlandcement andererseits vor dem 
Ronrancement mancherlei Vorzüge, als: 
a. größere Zuverlässigkeit für dessen Erhärtung, weil künstlich 
und deshalb gleichförmiger gemischt, fabricirt, wogegen die 
zur Romancementfabrikation verwendeten Steinschichten 
nicht immer gleichförmig den erforderlichen Prozentsatz 
zwischen Kalk und Thon enthalten; 
d. daß er, weil weniger schnell erhärtend, bei der Bearbeitung 
und Verwendung auch eine weniger skrupulöse Behandlung 
verträgt als der schnell bindende Romancement; 
e. den der größeren Zulässigkeit von Beimengung von Sand 
und Kies zu Beton; 
ck. die geeigneter auch außer Wasser verwendet werden zu 
können als Romancement; 
e. auch die rückwirkende, wie die Zugfestigkeit desselben und 
des mit ihm bereiteten Betons eine durchaus größere ist, 
als die des Roniancements und des aus letzteren: be 
reiteten Betons. 
ack a. ist nicht selten, daß Romancemente, wenn mit deren Er 
probung und Auswahl vor ihrer Verwendung, wie mit 
der Verarbeitung und Einbringung nicht außerordentlich 
vorsichtig zu Werk gegangen wird, entweder nicht erhärten 
oder auch, und dies besonders bei sehr schneller Erhärtung 
nach einiger Zeit, sich wieder lösen und erweichen; dies ist 
wesentlich bei Cementen, die zu viel Aetzkalk besitzen und 
bei ihrer Verarbeitung sehr viel Wärme entwickeln der 
Fall; 
aä d. kann Romancement mit nur etwas zu viel Wasser sehr 
leicht ersäuft werden, er muß sehr rasch verarbeitet, 
ebenso rasch verwendet und an Stelle seiner Verwendung 
gebracht, möglichst ungestört seinem Erhärtungsprozeß über 
lassen werden, wogegen bei dem langsamer erhärtenden
        

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