Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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Materialmangel eintreten wird, der bei anderen Materialien nicht 
selten störend und hemmend sich ergibt. 
Ferner können bei den gut bindenden Eigenschaften des 
Cementes bei Hochbauten dünnere Mauern, als bei Verwendung 
von anderen Steinmaterialien ausgeführt werden; ebenso bei 
Gewölben und bei flachen Ueberspannungen zwischen eisernen 
Balken, wofür zu den Weiten bis zu 4 m bei Pfeilhöhe zu 
lässig sind. 
Bei Gewölben von Mauer zu Mauer, letztere aus Bruch 
oder Backstein, empfiehlt es sich, erstere nicht nach dem Fugen 
schnitt anzustemmen, sondern sie, da sich das Gewölbe wohl selten 
zu einem Ganzen mit der Mauer fest verbinden läßt, horizontal 
auf die Mauer als ein Ganzes aufzulegen, oder bei Betonmauern 
sie zugleich mit den Mauern mit diesen als ein Ganzes zusam 
menhängend und ohne Unterbrechung bei ihrer Anfertigung von 
beiden Widerlagern aus in parallelen Streifen auf einer festen 
Einschaalung mit Schaalbrettern, die, um nicht beim Quellen 
zum Nachtheile des Gewölbes gegen einander zu stemmen, ge 
nügende Zwischenräume erhalten müssen, herzustellen und je nach 
dem der Cement die Eigenschaft des Schwindens oder der Aus 
dehnung hat, vorsichtig zu schließen und erst nach Erhärtung des 
Betons auszuschaalen, damit nicht eine nachtheilige keilförmige 
oder schiebende Wirkung auf die meist schwachen Mauern entsteht. 
Im Allgemeinen werden Betonbauten überdies, weil durch 
sie der Massivbau ein möglichst ausgedehnter wird und nicht 
selten sich auf den Einbau niit Decken, Treppen u. s. w. erstreckt, 
feuersicherer und wird die Unterhaltung eine in erhöhtem Grade 
geringere als bei anderer Bauweise. 
Bezüglich der Stabilität sind die Erfahrungen, wenn 
der Untergrund ein fester ist und nicht durch Einwirkungen von 
Erschütterungen durch Eisenbahnen, Fabrikbetrieb rc. in Fibration 
gesetzt wird, und dadurch besonders auf höher liegende Gewölbe, 
wie dies bei einzelnen Württembergischen Bahnwarthäusern statt 
hatte, nachtheilige Folgen entstehen, ebenfalls gute, bei genannter 
Fibration des Untergrundes entstanden aber an den Dachgewölben, 
die nsit der übrigen spröden Betonmasse fest zusammenhängend 
waren, bei einzelnen Gebäuden feine Risse, wodurch Nässe und 
wenn auch nur in mehr schwitzender Weise eindrang und die 
nachträgliche Ausführung von Sparrendächern über dem Gewölbe 
nöthig machte. 
Hinsichtlich der Trockenheit sind bei feuchtem Untergrund 
und wenn nicht Einwölbungen für die Außenmauern eine zu 
sammenhängende Masse erwünscht oder nöthig machen, über dem 
Erdreiche und Sockel Jsolirschichten von Werth und haben sich 
die Betonhäuser besonders (trotzdem Beton gut wärmeleitend ist) 
wenn sie in den ersten Jahren von Außen nicht verputzt wurden 
und keine zu kleine Dachvorsprünge, oder wenn sie Dachrinnen 
erhielten, die Jnnenräume gut ventilirt werden, ebenfalls gut 
bewährt und zeigen wesentlich die genannten Villen an ihren 
Malereien, Tapeten u. s. w. keine Spur von Feuchtigkeit und 
selbst von den Souterrainräumen kann dies erwähnt werden, in 
welchen Holz und sonstiges Brennmaterial ohne Nachtheil auf 
bewahrt werden kann. 
Nur solche Gebäude, in denen nicht gelüftet wurde, was bei 
einigen stark bevölkerten Bahnwarthäusern in den ersten Jahren 
statt hatte, zeigten sich feuchte und nasse Wandungen und wurden 
für dergleichen Wohnungen oder wenn die Wände reichere 
Malereien erhalten sollen, auch schon die Ausführung von dop 
pelten Wänden mit Luftschichten zu Erzielung von obsoluter 
Trockenheit angerathen und ausgeführt. 
Schließlich darf nicht unterlassen werden des Verputzes 
zu erwähnen. 
Zu innerem glatten Mauerputz wie zu Gesimsen wird in 
der Regel der gleiche Putzmörtel verwendet, wie bei gewöhnlichen 
Bauten, wogegen der äußere Wandputz mit den Gesimszügen 
und ebenso die Färbung etwas heikler Natur sind. 
Will zu äußerem Putz Romancement verwendet werden, so 
muß, wenn er gut werden soll, hiezu mindestens die Hälfte 
scharfkantiger und sehr reiner Sand verwendet werden; besser ist 
aber auch hier die Verwendung von Portlandcement in der Mi 
schung von 1 Thl. Cement und 1 Thl. Quarzsand und in bester 
Qualität, von erfahrenen, zuverlässigen Arbeitern in trockenem 
Zustande auf innigste Weise gemischt, worauf erst Wasser mittelst 
einer mit Seiher versehenen Gieskanne zugegossen und der Mörtel 
bereitet wird. Zu jeder Art von Verputz nmß das Mauerwerk 
oder auch die Betonmasse vollkommen ausgetrocknet sein, das 
Mauerwerk von Staub, Schmutz und Kalkmörtel gereinigt, vor dem 
Auftrag des Putzmörtels gut durchnäßt und der Verputz selbst 
in 2—3 Aufträgen hergestellt und darf bei glatter Behandlung 
nicht allzusehr abgescheibt werden, damit sich keine Abblätterungen 
erzeugen; auch ist er längere Zeit feucht zu halten und vor 
schädlichen Sonneneinwirkungen durch vorzuhängende Tücher zu 
schützen. 
Manche Cemente schwitzen Salze aus und ist daher in so 
lange dieß statt hat und bis der Verputz vollständig ausgetrocknet 
ist, was meist erst nach 6—12 Monaten erwartet werden kann, 
— innerhalb welcher Zeit derselbe meist fleckicht wird — mit 
dem Auftrage eines Anstrichs zuzuwarten, und jedenfalls ist 
vor dem Auftrage der Grundfarbe eine gründliche Reinigung 
entweder auf trockenem Wege mittelst Pinsel nöthig, oder nach 
Umständen, und dieß besonders bei Oelfarbenanstrich durch 
2—3malige Abwaschung mit einer schwachen Säure — etwa 
Essigsäure — zur Zerstörung des pflanzlichen Lebens anzuem 
pfehlen. 
Als ein guter Anstrich hat sich in Stuttgart und anderen 
Orten (besonders an der Hoffayade des neuen Justizgebäudes 
hier) ein Zink-Silicat-Anstrich (kieselsaurer Zinkoxydanstrich) 
bewährt, und zwar in 3 Aufträgen. Der erste Anstrich, bestehend 
aus stz Theil Silicat und '/a Theil weichem (Regen-) Wasser 
ohne sonstige Zusätze. Zum zweiten wird, nachdem zuvor die 
Erdfarben (Mineralfarben sind nicht verwendbar) in Wasser dick 
eingeweicht sind, in abgesondertem Gefäß das Steinzinkoxyd in 
7s Silicat und \ Wasser ebenfalls zu einem Brei angerührt 
und sodann die Mischung der Farbe unter Beisatz der Stein 
zinkoxydlösung vorgenommen, und zum dritten Anstrich werden 
wiederum die Erdfarben eingeweicht und zu steifem Teige ange 
rührt, mit einem Silicat ohne Wasserzusatz und mit Steinzink 
oxyd gemischt und so der gewünschte Steinthon nach Belieben 
erzielt. 
Die Farbe darf zu Verhütung von Staub weder zu dick 
noch zu dünn aufgetragen und kann je nach Bedarf niit einem 
Silicat weiter vermischt werden, vorher aber ist sie durch ein 
feines Sieb zu bringen, welches nach gemachtem Gebrauche so 
fort wieder auszuwaschen ist, damit es sich nicht durch Erhär 
tung des Silicates verstopft, wie auch ans diesem Grunde die 
Pinsel nach gemachtem Gebrauche sofort ins Wasser zu stellen 
sind, auch darf nie mehr Farbe angemacht werden, als in dem 
Zeitraum eines Tages verwendet werden kann. 
Ein solcher Anstrich kostet pr. Quatratmeter ca. 60 ^, 
incl. dem Gerüste und bedarf eines geschickten Malers, im üb 
rigen wird ans die Gebrauchsanweisung der Gesellschaft Vieille 
Montagne über Zinksilicatanstrich hingewiesen. 
Zur Erreichung eines dichten und festen Oelfarben- E 
anstrichs wird eine Behandlung mit verdünntem Wasserglas 
(auf 1 Theil Wasserglas 3—4 Theile Wasser) etwa 3mal auf 
getragen, empfohlen, wobei das ausscheidende Alkali je vor Auf 
bringung eines weiteren Anstrichs nsit Wasser abzuwaschen und 
erst dann ein Oelfarbanstrich mit frischem Firnisse und dieser in 
heißem Zustande aufzubringen ist. 
Nicht minder günstige Erfahrungen wie bei den Hochbauten : 
ergaben sich bei der Betonverwendung auf dem Gebiete des In- ' 
genieurwesens zur Erstellung von Widerlagern, Gewölben, . 
Futter-Stützmauern, Dohlen, Cementröhren. 
Wir komnien nun zmn 2ten Theil der Frage: Wie stellen 
sich die Kosten der Herstellung und Unterhaltung von Beton 
bauten gegenüber von sonstigen Ausführungen? 
Dieselbe ist zum Theil in Vorstehendem behandelt und wird 
im Allgemeinen hier nur kurz rekapitulirt und zunächst als ! 
Grundlage billiger Betonarbeiten nochmals erwähnt das Erhalten 
von gutem Kies und Sand oder von Schlacken nächst der Bau 
stelle und in diesem Falle werden Mauern, Gewölbe u. s. w. 
von Beton durchschnittlich nicht unwesentlich billiger werden, als \ 
aus natürlichen oder künstlichen Steinen erstellt, entschieden und 
wesentlich billiger aber quaderartiger Arbeit gegenüber.
	        

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