Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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mit Interesse Aufnahme fand, beschlossen: unter dieser 
Anerkennung es abzulehnen bezüglich der vermehrten 
Verwendung des Eisens im Hochbau eine Einwirk 
ung auf die technischen Lehranstalten auszuüben 
oder sonstige Schritte zu thun. 
f. Ueber den Normal-Entwurf einer Bauord 
nung von Herrn Prof. Baumeister aus Karlsruhe 
lagen nur wenige Beurtheilungen vor, da die meisten Vereine 
mit Verbandsaufgaben im vergangenen Jahre übersättigt 
waren. Herr Prof. Baumeister will die betreffende Bau 
ordnung weniger vorerst als eine Vorarbeit für eine Reichs- 
Bauordnung , als vielmehr als eine ideale Banordnung zu 
einem Anhalt für fernere in den deutschen Staaten oder 
größeren Städten entstehende Bauordnungen zu Erzielung von 
einer thunlichsten Einheit betrachtet wissen, und wünscht sehr 
deren Beurtheilung durch die Vereine. 
Nach längerer Diskussion, bei welcher der Mehrzahl nach 
der Gedanke für eine Reichs-Bauordnung ebenfalls keinen An 
klang fand, wurde beschlossen: Detaillirte Gutachten der 
Vereine, und zwar bis Ende dieses Jahres zu er 
bitten. 
In letzterer Beziehung stellt der Referent an Herrn Bau 
rath Kaiser das Ersuchen, dieses Gutachten bis zu genannter 
Zeit niit der hiefür aufgestellten Konimission zu ermöglichen. 
g. Ueber Aufstellung von Normalprofilen für 
Walzeisen referirt Herr Prof. Dr. Heinzerling aus 
Aachen, daß hierüber eine Kommission aus 5 Mitgliedern von 
Seiten des Verbandes deutscher Architekten und Ingenieure 
und 5 von Seiten des deutschen Ingenieur-Vereins berathen, 
und bei gründlichster Bearbeitung eine Anzahl von Profilen, 
welche im Sitzungssaale aufgehängt waren, und welche sowohl 
in theoretischer Beziehung, wie hinsichtlich der Verwendung 
für konstruktive Zwecke und in Bezug aus die Leichtigkeit der 
Herstellung allen billigen Anforderungen genügen werden, auf 
gestellt habe. 
Letzteres wird durch eine von Prof. Jntze gefertigte 
graphische Darstellung nachgewiesen, woraus ersichtlich war, 
daß die alten Profile sich sehr unregelmäßig, sowohl bezüglich 
ihrer Dimensionen, als des Preises und Gewichtes darstellen, 
wogegen die Linie der neuen Profile eine stetige ist, und meist 
den größten Konsum tangiren und sich unter den Preisen und 
Gewichten der alten Profile halten. 
Es ist vorgeschlagen, die neuen Profile in natür 
licher Größe darzustellen und durch den Buchhandel 
zu veröffentlichen, eine Tabelle über die Dimen 
sionen der genehmigten Profile nebst den Motiven 
zu dieser Annahme durch das Verbands-Organ zu 
publiziren und eine Kommission mit der Bearbeit 
ung des Profil Heftes zu beauftragen und diese mit 
der Ausführung der Beschlüsse und zur Vervoll 
ständigung ihrer Arbeiten zu autorisiren. 
h. Ueber die Vorbildung der Architekten und 
Ingenieure, veranlaßt durch den Osnabrückeuer Techniker 
verein, welcher glaubt, es könne durch den Wechsel in der 
Person des Kgl preußischen Unterrichtsministers eine Aenderung 
in den Beschlüssen bezüglich der Vorbildung auf 9 klassige 
Realschulen ohne Latein herbeigeführt werden, und zur Er 
wägung stellte: ob nicht Seitens des Verbandes 
1) durch geeignete Artikel in den gelesensten Zeitungen, 
2) durch Brochüren, 
3) durch öffentliche Vorträge 
eine Einwirkung auf die öffentliche Meinung zu organisiren wäre. 
Herr Baurath Blankenstein aus Berlin als Referent 
stellt den Antrag: Der Verein solle zwar das wünschenswerthe 
des Osnabrückeuer Antrags aussprechen, da er aber glaube, 
daß hiemit nicht viel erreicht werde, so erkläre er, daß er 
heute noch unverändert auf dem in der Denkschrift vom März 
1875 bezeichneten Standpunkt stehe, und in der Zulassung der 
9klassigen Gewerbeschulen zur Vorbereitung für die technische 
Hochschule eine schwere Schädigung des Faches erblicke und 
soll dies in einer Resolution gegenüber dem preußischen 
Unterrichtsmiuisteriunr mit der Bitte ausgesprochen werden, es 
möchte diese Angelegenheit durch ein allgemeines Unterrichts 
gesetz definitiv geregelt und hiezu ebenso, wie dies in ähnlichen! 
Falle bei den ärztlichen Vereinen geschah, der Verband deut 
scher Architekten und Ingenieure beigezogen werden, bemerkend, 
daß diese wichtige Sache weniger als eine preußische, denn 
als eine deutsche betrachtet werden müsse. 
Die Debatte zeigte, wie diese Frage und ihre Folgen in 
den Verband eine bedauerliche Verstimmung gebracht hat und 
fehlte es nicht an Versuchen, diese Angelegenheit ruhen zu 
lassen, besonders von Hannover, Dresden und Bremen; Ham 
burg hält an seiner früheren von der Majorität abweichenden 
Erklärung fest, enthält sich der Abstimmung und motivirt dies 
im Protokoll, ebenso geben die württembergischeu Abgeordneten 
seitens des württembergischeu Vereins zu Protokoll: 
Daß derselbe heute noch bezüglich der Vorbildung 
der Architekten und Ingenieure auf dem Boden 
des Verbandsbeschlusses, ck. ck. 22. September 1874 
stehend und an seiner diesbezüglichen Kund gebung 
vom 26. Dezember 1878 festhaltend, wonach er zwar 
die Vorbildung auf Realgymnasien in erster Linie 
vorzieht, aber auch lOklassige Realschulen (analog 
9klassigen in Preußen) in der Ausdehnung der Wiirttem- 
bcrgischen hiezu nicht ausschließt, es nicht für angezeigt finde, 
weiteres gegen ein für das Königreich Preußen verkündetes 
Gesetz zu thun, wonach sich die württembergischeu Abgeordneten 
der Abstinlmung enthalten. 
Hierauf glaubte Herr Baumeister Hamel aus Berlin, 
die der Berliner Auffassung abgeneigten süddeutschen Stimmen 
bitten zu sollen, sich an diese, die demnächstigen Verbands 
arbeiten wahrscheinlich beherrschenden Ansichten zu gewöhnen. 
Ihr Referent glaubte hierauf vertrauend, daß Herr 
Hamel mit dieser seiner Ansicht seinen norddeutschen Kollegen 
gegenüber allein stehen werde, welche unbekümmert wie wir, 
jeden Vorschlag stets unparteiisch prüfen und das Gute nehmen 
werden, komme es woher es feie, nicht antworten zu sollen. 
Bei der Abstimmung sind 68 Stimmen anwesend, es ent 
halten sich der Abstimmung 11, gegen den Berliner Antrag 
erklären sich 15, dafür 42 Stimmen und soll in die Eingabe 
eine kurze Motivirung aufgenommen, und mit der Bearbeitung 
die Herren Baumeister, Blankenstein und Funk beauf 
tragt werden. 
1. Ueber die Statistik des Bauwesens zeigt Herr 
Baurath Blankenstein an, daß hierüber demnächst eine von 
Herrn Bauinspektor Theurer in Kottwitz ausgearbeitete 
Denkschrift erscheinen werde. 
st. Ueber die Veröffentlichung bedeutender 
Bauten referirt Herr Geh. Regierungsratb Funk, daß hier 
über ebenfalls die Denkschrift druckfertig feie, und wird be 
schlossen, daß der Zahl der Vereinsmitglieder, also ca. 
600 Exemplare gedruckt und zur Förderung der Veröffentlich 
ung interessanter Bauten an Behörden, Korporationen rc. ver 
theilt werden sollen. 
I. Ueber die Druckhöhenverluste in geschlossenen 
Röhren wird von Bauinspektor Bargum aus Hamburg 
mitgetheilt, daß, nachdem auch ein sehr ausführliches, in hohem 
Grade anerkennenswerthes, tüchtiges Gutachten in dieser Frage 
von Herrn Oberbaurath Dr. v. Ehmann und Bauinspektor 
Zobel aus Stuttgart eingelaufen feie, die Veröffentlichung 
der Denkschrift durch den Buchhandel in kürzester Zeit bevorstehe. 
' m. Ueber die einheitliche Bezeichnung mathe 
matisch technischer Größen wird beschlossen, daß der Ver 
bandsvorstand einen Antrag von Abgeordneten deutscher tech 
nischer Hochschulen zur Erledigung dieser Frage herbeiführen 
und dies durch ein Schreiben an die technischen Hochschulen 
deutscher Sprache veranlassen möge. 
Nach weiterer weniger wichtjger Fragen-Behandlung wurde 
endlich als Ort für die nächste General- und Abge- 
ordneten-Versammlung im Jahre 1880 Wiesbaden
	        

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