Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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bestimmt und für die nächste Abgeordneten - Versammlung 
folgende Fragen gestellt: 
1) Ueber forstliches Verfahren beim Verkauf von Bau 
hölzern, wofür Referent: der badische Techniker-Verein, 
Correferent: der Architekten- und Ingenieur-Verein für 
die Provinz Sachsen. 
2) Ueber einheitliche Bezeichnung der Geschoße in Ge 
bäuden 2C. Referent: Architekten- und Ingenieur-Verein 
der Provinz Sachsen, Correferent: der baierische Ar 
chitekten- und Ingenieur-Verein. 
3) Ueber Abänderung des ß. 19 des Statuts hinsichtlich 
der Vertretung und Abstimmung in der Abgeordneten- 
Versammlung. Referent: Architekten-Verein zu Berlin, 
Correferent: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Breslau. 
Für die Generalversammlung liegt vorerst kein Vorschlag 
für Vorträge vor und wurde daher der mittelrheinische Ar 
chitekten- und Ingenieur-Verein, der bautechnische Verein zu 
Aachen (welcher als selbstständiger Verein in den Verband 
aufgenommen wurde) und der Architekten- und Ingenieur- 
Verein zu Hannover behufs der Auswahl und Bestimmung 
des betreffenden Vortragsstoffes bestimmt. 
Hiemit schließl der Vortragende sein Referat über die 
Abgeordneten-Versammlung und berichtet noch kurz über den 
Beschluß des Redaktions-Ausschusses der Zeitschrift für Bau 
kunde als wesentlichen Theil, daß von 1880 an auch eine 
kurze Bauchrouik aufgenommen werden solle, dagegen die 
Referate etwas kürzer gehalten werden sollen. Die Vereins 
vorstände haben das Material zu sammeln und wird deßhalb 
eine Bitte um Beitrüge an die betreffenden Baubehörden 
Württembergs und die Mitglieder ergehen. 
Herr Baurath v. Hänel dankt dem Herrn Vorstand für 
seinen klaren ausführlichen und zugleich belehrenden Vortrag 
des wichtigen Stoffes, wie ihm und dem Milabgeordneten 
Herrn Prof. Baumgärtner für die große Hingebung und 
Opfer, welche sie durch die Anwohuuug bei der Abgeordneten- 
Versammlung brachten, und bittet, dies durch Erhebung von 
den Sitzen zu bekunden, was geschieht. 
Im Weiteren ladet Herr Baurath v. Hänel zur Be 
schickung der Ausstellung ältere Schüler anläßlich des 50jähri- 
gen Jubiläums der polytechnischen Schule ein. 
Herr Oberbaurath v. Schlierholz bedauert, daß die 
Einladung nicht schon früher geschehen feie, bemerkt, daß Jn- 
genieurarbeiten vor 2 Jahren und Hochbaupläne erst diesen 
Sommer ausgestellt gewesen seien und Neues nicht vorgearbeitet 
feie, auch bezüglich der Staatsbauten die Erlaubniß der be 
treffenden Baubehörden erforderlich wäre; v. Hänel entschuldigt 
das Unterlassen einer Einladung durch ein Mißverständuiß 
und sagt die erforderliche Einleitung zu, und müßte bedauern, 
wenn die vielen interessanten Bauten nicht zur Ausstellung 
kämen, umsomehr, als das besuchende Publikum meist ein ganz 
anderes feie, als bei der Ausstellung des Vereins. 
Herr Baumeister Koch stellt die Frage: ob und in wie 
weit Excremeute rc. zerstörend auf Beton-Bassins und auf 
Dohlen von Beton einwirken, worauf die Antwort dahin ging, 
daß bei guter Arbeit unter Verwendung von Portlandcement 
ein Zersetzen desselben, resp. efflorescireu, jedenfalls nur in 
sehr minimaler Weise statthaben und eine lange Dauer solcher 
Bauten in Aussicht zu nehmen sein werde. 
Der Herr Vorstand fordert nun noch zur Anmeldung von 
Vorträgen für diesen Winter aus und schließt die Versamm- 
lung um 10'/, Uhr. 
S ch l i e r h o I z. Lauser. 
Dreizehnte ordentliche Wersammtung vom 18. Oktober 1879. 
Vorsitzender: Oberbaurath v. Schlierholz. 
Schriftführer: Bauinspektor Knoll. 
Anwesend: 25 Mitglieder. 
Das Protokoll der letzten Sitzung wird zur Verlesung 
gebracht und genehmigt. 
Auf den Vorschlag des Herrn Baumeister Dobel wird 
Herr Baumeister Klett aus Cannstatt als auswärtiges Mit 
glied in den Verein aufgenommen. 
Sodann macht Herr Baumeister Lang Mittheilungen 
über folgende von ihm geführte Untersuchung: ob das Resen- 
bachgewölbe in der Böblingerstraße stark genug sei, um mit 
der Dampfstraßeuwalze darüber fahren zu können. 
Die theoretische Untersuchung dieser Frage stützt sich auf 
Hypothesen über die Vertheilung des Walzendruckes durch 
die Chaussirung und den Erdkörper hindurch auf das Ge 
wölbe, sowie über die Wirkung des Erddrucks der umgeben 
den Auffüllung, welche zwischen weiten Grenzen differiren 
können und da die bisher angestellten praktischen Versuche 
über diese Druckvertheilung sehr wenig Anhaltspunkte geben, 
so ist es unmöglich, die Frage absolut scharf theoretisch zu 
beantworten. Jedenfalls erhält inan nur daun absolute Ge 
wißheit über die Stabilität des Gewölbes, wenn die Druck 
linie für die ungünstigste Stellung der Walze und unter An 
nahme der ungünstigsten Druckvertheilung noch innerhalb des 
Gewölbes fällt und hiebei die Beanspruchung des Gemäuers 
die zulässige Grenze von 20 kg pro qcm nirgends überschreitet. 
Sollte sich sür diese ungünstigsten Annahmen das Gewölbe als 
unstabil herausstellen, so darf man deshalb die Frage noch 
nicht unbedingt verneinen, besonders wenn keine großen Ab 
weichungen der Drucklinie von der Gewölbkurve stattfinden, 
sondern man hat dann eben einiges Risiko bei dem Befahren 
der Straße durch die Dampfwalze und die Möglichkeit der 
Stabilität ist offen zu halten, so lange nicht fortgesetzte Ver 
suche über die fragliche Druckvertheilung darauf hinweisen, 
daß die der Berechnung zu Grunde gelegten ungünstigsten 
Annahmen der Wirklichkeit auch vollkommen entsprechen, ein 
Resultat, dessen Bestätigung übrigens nicht zu erwarten steht. 
Der einzige mir bekannte Versuch über die Druckver 
theilung einer Radlast auf die Chaussirung und deren Unter 
lage wurde von Herrn Baurath Leibbrand aus Anlaß des 
Umbaus einer Straßenbrücke bei Schramberg veranstaltet und 
hatte zum Zweck, die Minimalstärke des Brückenoberbaus für 
eine dort aufzubringende Chaussirung zu bestimmen. Da eine 
Packlage hiebei nicht eingebracht wurde, so läßt sich schon des 
halb das Resultat dieses Versuches, der durch Herrn Bau 
meister Neu ff er mit vielem Fleiß ausgeführt wurde und dessen 
Beschreibung nebst ausführlichen Zeichnungen bei Gelegenheit 
der Ausstellung zur Eröffnung des neuen Flügels der königl. 
technischen Hochschule zur Einsicht offen stand, nicht unmittelbar 
auf unsere Frage anwenden. Es komnit hiezu, daß dieser 
Versuch, mit zu geringen Geldmitteln ausgestattet, nicht um 
fangreich genug ausgedehnt werden konnte, um die Frage über 
alle Zweifel zu klären, daß namentlich der Versuchsschotter 
körper nicht vorher gehörig komprimirt und festgefahren werden 
konnte, um gleiches Gefüge, wie eine seit Jahren stark be 
fahrene städtische Straße, zu erhalten und es wäre sehr zu 
wünschen, daß diese dankenswerthen Versuche eine größere 
Ausdehnung und Fortsetzung erfahren möchten. 
Ihr vorläufiges Ergebniß müßte zu der Annahme führen, 
daß die Radlast sich nahezu senkrecht durch den Schotterkörper 
auf die Unterlage fortsetzt, eine Annahme, welche dem statischen 
Gefühle nicht recht zusagen will, um so weniger, als man auf 
andern Brücken mit Chaussirung auf Dieleubelag zum Theil 
die entgegengesetzte Erfahrung gemacht hat, daß nämlich die 
Dielen schon vollständig verfault und unfähig waren, einen 
Druck auszuhalten, während schwere Lasten noch über die 
Chaussirung fuhren, eine Erscheinung, welche darauf hinweist, 
daß in solchen Füllen die Chaussirung wie ein Gewölbe ge 
wirkt und die Radlast auf das ganze Querprofil vertheilt hat. 
In anderen Fällen wurde freilich auch ein Durchbrechen des 
Rades beobachtet. 
Es kommt demnach sehr viel auf das Gefüge des Schotter 
körpers au. Bei städtischen Straßen findet zwar durch den 
starken Verkehr eine beträchtliche Komprimirung größerer 
Schotterstrecken start und befähigt sie zur Aufnahme und Ver-
	        

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