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Bindemittel oder Morast vermischten Geschläg der Flicken, welches 
zum größeren Theil durch die Räder der Fuhrwerke zerstört 
werden muß, ehe es durch dieselben eine nur nothdürftige Be 
festigung oder Komprimirung erfahren wird. Deßhalb ist es auch 
ganz unbedenklich, wenn eine Reihe von Jahren nach denr Ein 
walzen der Decklagen beinahe keine Ausbesserungen an den be 
treffenden Straßenstrecken vorgenommen werden; die letzteren 
nützen sich aber wohl weniger ab, als die niit Flicken ausge 
besserten Fahrbahnen, sie haben daher auch weniger Morast 
bildung, weniger Geleise, Schlaglöcher u. dergl. aufzuweisen. 
Einzelausbessernngen sind indessen selbstverständlich auch beim 
Deckensystem nicht ganz ausgeschlossen, sie werden übrigens bei 
den in Braunschweig in Verwendung stehenden meist vorzüglichen 
Materialien in sehr beschränktem Umfange nothwendig, auch be 
lästigen sie den Verkehr nicht in nennenswerther Weise, weil sie 
mit Sorgfalt und unter Verwendung der Handrammen vorgenom- 
nien werden. * 
Was das Personal für den äußeren Dienst betrifft, 
so haben denselben zunächst 6 Kreisbaumeister wahrzunehmen; den 
selben unterstehen verglichen 486 kni Staatsstraßen oder Kom 
munikationswege in Bezirken von etwa 615 dkm räumlicher 
Ausdehnung. Die genannten Beamten werden durch 1—2 tech 
nische Hilfsbeamte (Baumeister) und einen Banschreiber unter 
stützt. Die unmittelbare Aufsicht über das niedere Personal 
haben die sog. Bauverwalter und Bauaufseher zu führen, deren 
jedem in einem Bezirk von vergl. 72 dkm im Mittel 57 km 
Wege zugetheilt sind. 
Ständige Straßenwärter sind, gleichwie int Nachbarlande 
Hannover, nicht vorhanden; es werden nur ständige Stations 
arbeiter beschäftigt, an welche die auf der Straße nöthig wer 
denden Arbeiten von Fall zu Fall, nach längst typisch gewordenen 
Einheitssätzen vergeben zu werden pflegen; nur soweit dies nicht 
möglich ist, wird im Taglohn gearbeitet zu Einheitssätzen, die 
zum Voraus vereinbart sind. Für die Wahrnehmung der Straßen 
polizei und gewissermaßen als Fixum ihres Einkommens erhalten 
die Stationsarbeiter eine bescheiden bemessene jährliche Arbeits- 
znlage; die Distrikte der Stationsarbeiter sind verglichen 
3,5 km groß. 
Etwa die Hälfte des Landes kann aus dem Harzgebirge 
in mäßigen Entfernungen mit guten Unterhaltungsmate 
rialien versorgt werden; anders verhält sich dies in den Kreisen 
Braunschmeig, Wolfenbüttel und Helmstädt, wo die Materialien 
aus größeren Entfernungen, meist voni Harze per Eisenbahn 
hergeführt werden müssen. Hiebei wird überall nach dem Grund 
sätze verfahren, daß das beste Material dann herzubringen ist, 
wenn die Kosten desselben nicht ganz unverhältnißmäßig hoch sind 
und der Verkehr beträchtlich ist. Besondere Sorgfalt wird auf 
die Gewinnung guter, wenig Schmutz erzeugender Materialien 
für Etterstraßen verwendet. Es kommen vornämlich Gabbro, 
Basalt, Hornfels, Quarzfels, Grünstein, Grauwackensandstein, 
Zechstein, Muschel- und Jurakalk, Harzgeschiebe und Hochofen 
schlacken zur Verwendung. 
Im Radauthale, 44 km oberhalb Harzgebirgs, hat die 
herzogliche Baudirektion 4 Steinbrüche in Regie in Betrieb, dort 
steht Gabbro, von Thonschiefer in einzelnen Partien durchsetzt, 
in vorzüglichster Qualität in großen Massen an; der Betrieb 
steht unter der unmittelbaren Aufsicht eines hiefür besonders 
bestellten Wegebauaufsehers; das Abräumen des Bruches erfolgt 
im Taglohn, alle übrigen Arbeiten werden ausnahmslos im 
Akkord vollzogen. 
Die Selbstkosten haben pro 1878 betragen für die Station 
Harzburg, bis wohin die Steine von Hand, pr. ct>m zu 1 Ji 
50 verführt werden: 
für Chausseesteine, roh . . 
. per cbm 
5 Ji — -A, 
„ „ geschlagen 
„ „ 
7 84 „ 
für Steingries ... . 
„ „ 
2 „ 83 „ 
hiebei kostete das Abräumen . . 
„ „ 
h 17 
das Groß- oder Kleinbohren 
„ „ 
1 49 
das Sprcngmaterial . . . 
„ „ 
" 26 
Das Großbohren allein wird mit vergl. 5,4—7,5 -A, per cbm 
Bohrloch, das Kleinbohren mit 18—60 -«F per cbm roher 
Steine bezahlt. Zum Sprengen des außerordentlich harten Ge 
steins wird vorzugsweise Dynamit verivendet. Der Steinbruch 
betrieb erfolgt terassenförmig, wobei Blöcke bis zu 10 cbm ab 
geschossen werden. 
Die Leistungsfähigkeit des Bruches kann dem jeweiligen 
Bedürfnisse vollständig angepaßt werden, sie hat pro 1878 bei 
spielsweise 12200 cbm betragen. Auf der Kopfstation Harzburg 
sind für die Ablagerung, das Schlagen und den Versandt der 
Steine eine ca. 120 ar große Fläche und außerdem 3 Bahn 
geleise vorhanden; ein ständiger Aufseher leitet die dortigen Ar 
beiten und den Versandt der Steine nach allen Theilen des 
Landes. 
Ueber den Verbrauch an Unterhaltungsmaterial je nach der 
Größe des Verkehrs sind bislang keine Beobachtungen gemacht 
worden, im Mittel werden per Kilometer 41 cbm verwendet; 
der Bedarf schwankt indessen zwischen 10 und 180 cbm. 
Auch über den relativen ökonomischen Werth der verschie 
denen Unterhaltungsmaterialien fehlen genaue Anhaltspunkte, es 
wird nur als durch die Erfahrung erwiesen angesehen, daß sich 
die Materialien Gabbro und Muschelkalk ■— das beste zum 
schlechtesten Material — verhalten wie 8 : 1. Die größte Trans 
portweite beträgt etwa 70 km für Gabbro, 100 km für Basalt; 
der höchste für erstgenannntes Material in geschlagenem Zustande 
zu bezahlende Preis betrügt 14 Ji, der Durchschnittspreis des 
Materials dagegen 9 77 -A, per cbm. 
Die Zerkleinerung des Materials erfolgt in der Regel nicht 
durch die Stationsarbeiter, sondern im Akkord; das Geschläg 
soll sich Würfeln von 3—4 cm Seitenlüuge möglichst nähern; 
im Mittel kostet das Schlagen 2 Ji 85 ^A, per cbm; zur Rei 
nigung des Geschlägs vor dem Einbringen bedient man sich eines 
kleinen aus Rundeisenstäben bestehenden Rüttelsiebs. Die Rein 
haltung der Fahrbahn erfolgt theils in bekannter Weise ver 
mittelst der Krücke (Besen sind nicht im Gebrauche), theils ver 
mittelst der Dürkrog'schen Reinigungsmaschinen, welche mit deu 
in Stuttgart verwendeten Abschlammmaschinen fast identisch sind; 
die Verwendung der letzteren hat sich vollkommen bewährt, da 
ebenso eine rasche Förderung der Reinigungsarbeiten, wie etwa 
30—40% Ersparnis) an den Kosten der Handarbeit erzielt 
worden sein sollen. 
Ans den 748 km Staatsstraßen sind derzeit 22, also aus 
je 34 km 1 Abschlammaschine vorhanden; die Anschasfungskosten 
einer solchen betragen ca. 450 AL per Stück; neuerdings werden 
sie jedoch durch kleine Schlossermeister noch billiger, nämlich zu 
350 Ji per Stück angefertigt. 
Das Aufbringen der Decklagen erfolgt auf die ganze 
Fahrbahnbreite auf Längen von ca. km; die Straße wird 
zwar vollständig gereinigt und das durch die Rüttelsiebe ge 
säuberte Geschläg nach Chablonen auf der Fahrbahn auf 
gebracht und tüchtig abgewalzt. Im Mittel werden die Decken 
alle 4—6 Jahre erneuert/zu Einzelausbesserungen wird % des 
gesummten Materialquantums verwendet; übrigens werden auch 
hiebei größere Flicken festgemalzt. Für das Verbauen des Ma 
terials, nämlich das Reinigen, Einlegen und Einmalzen wer 
den durchschnittlich 2 Ji 90 für, das Einwalzen allein 
1 Ji. 50 A, bis 1 J(, 80 -A, per cbm aufgewendet; es kostet 
hienach das Einwalzen per in Straße ca. 30 -A,. Man ver 
wendet meist Eincylinderwalzen von 107 Ctr. Gewicht in un 
belastetem und 150 Ctr. in belastetem Zustande; jeder Bauauf 
seher hat bis jetzt zum mindesten eine Walze, auf je 60 km 
ist derzeit eine solche vorhanden; das Beiführen des beim Walzen 
etwa erforderlichen Wassers geschieht in gemietheten Fässern ohne 
besondere Vorkehrungen. 
Dian beabsichtigt indessen, die vorhandenen Straßenbearbei 
tungsmaschinen allmählig noch weiter zu vermehren. 
Den Nebenwegen und Trottoirs wird eine weitgehende 
Pflege nur an den Harzstraßen oder in der Umgebung der Stadt 
Braunschweig zu Theil, welche meist schmäler sind, als die 
Straßen in den übrigen Landestheilen; das Schürfen der Neben-
        

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