Full text : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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müsse  der  Konstrukteur  in  jedem  einzelnen  Fall  untersuchen,  ob
Eisen  oder  ein  anderes  Material  vortheilhafter,  das  ändere  sich
mit  den  Materialpreisen.  Es  gebe  aber  auch  Fälle,  wo  das
Eisen  absolut  nicht  am  Platz  sei,  z.  B.  wo  werthvolle  Gegenstände ­
  bei  Feuersgefahr  aufbewahrt  werden  sollen,  etwa  in  Bibliothekgebäuden. ­

v.  Landauer  erwähnt  als  Beispiel  für  die  Zuverlässigkeit
des  Eisens  bei  Feuersbrünsten  den  Brand  eines  Oekonomiegebäudes
  in  Ladenburg  bei  Hall,  wo  der  Kniestock  mit  Inhalt
abgebrannt  ist,  ohne  daß  die  eisernen  Balken  darunter  Schaden
genommen  hätten.
Rheinhardt:  Wenn  eiserne  Säulen  rothglühend  werden,
so  biegen  sie  sich  aus.
v.  Tritschler  betont,  daß  es  Aufgabe  der  Kommission
gewesen  sei,  zu  Gunsten  des  Eisens  aufzutreten  und  alle  Mittel
aufzuführen,  welche  demselben  Eingang  und  ausgedehntere  Verwendung ­
  beim  Hochbau  sichern  könnten.
Der  Vorsitzende  fordert  zu  bestimmten  Vorschlägen  auf,
um  über  dieselben  abstimmen  lassen  zu  können,  woraus  folgende
Beschlüsse  gefaßt  und  der  Kommission  zur  Berücksichtigung  bei  dem
Referat  übergeben  werden  (viä.  Beil.  1):
1)  Auf  den  Antrag  von  Baumgärtner:
Die  Verwendung  von  Eisen  nur  für  spezielle  Fälle
und  nicht  für  solche  zu  empfehlen,  wo  durch  dasselbe
Steinbau  verdrängt  würde.
2)  Auf  den  Antrag  von  Baumeister  Lang:
Bei  der  Vergleichung  der  Tragfähigkeit  und  des  Werthes ­
  von  Holz  und  Eisen  keine  Ziffern  zu  nennen,  sondern
auf  eine  Vergleichung  in  jedem  einzelnen  Falle  zu  verweisen. ­

3)  Auf  den  Antrag  von  Baumeister  Lang,  modifizirt  durch
Bauinspektor  Rheinhardt:
Bei  den  von  der  Kommission  empfohlenen  populären
Schriften  darauf  hinzuweisen,  daß  es  zweckmäßig  sei,  für
die  Berechnung  der  Konstruktionen  sich  an  KonstruktionsBureaux ­
  zu  wenden.
Zwei  Referate  über  Fragen  aus  dem  Fragekasten  konnten
nicht  erstattet  werden,  das  erste,  weil,  wie  der  Referent  Hr.
Prof.  Walter  erklärte,  die  Kommission  noch  nicht  habe  zusammengebracht ­
  werden  können,  das  zweite,  weil  der  Referent  Prof.
Bar  eis  wegen  Unwohlseins  nicht  erscheinen  konnte.
Für  eine  dem  Fragekasten  entnommene  Frage  von  Lang,
ob  in  Städten  mit  Asphaltstraßen  Vorschriften  über  den  Hufbeschlag ­
  der  Pferde  bestehen,  wird  zur  Beantwortung  eine  Kommission ­
  gewählt,  bestehend  aus  den  Herren
Prof.  Reinhardt,
Baurath  Kaiser,
Prof.  Walter.
Schluß  der  Sitzung.
Der  Schriführer:
Koch.
Zweite  Wersammtung,
zugleich  36.  Jahres  -  Generalversammlung
am  Samstag,  den  48.  Januar  4879
im  Verwaltungssaal  des  Museums.
Vorsitzender:  Oberbaurath  v.  Schlierholz.
Schriftführer:  Baumeister  Lang.
Anwesend:  59  Mitglieder,  darunter  19  auswärtige  und  2  Gäste.
Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Versammlung  um  8  Uhr,  begrüßt ­
  die  von  auswärts  gekommenen  Mitglieder,  stellt  die  zwei
Gäste,  die  Herren  Baumeister  Bälz  und  Stahl  von  hier  vor,
und  erstattet  dann  den  Rechenschaftsbericht  über  das  Vereinsjahr ­
  4878  wie  folgt:
Meine  sehr  verehrten  Herren  Collegen!
Wieder  ist  ein  Jahr  vorüber  —  das  37ste  unseres  Vereinsbestandes ­
  ist  bereits  angetreten  —  und  ich  glaube  schon  an  der
Spitze  meines  Berichts  aussprechen  zu  dürfen:  es  war  ein  thätiges ­
  und  in  seinen  Folgen  gesegnetes.

Unsere  vorjährige  Generalversammlung  hielten  wir  am
49.  Januar  4878  unter  starker  Betheiligung  mit  dem  üblichen
Nachtessen,  gewürzt  durch  Humor  und  allgemeine  Heiterkeit,  ab.
Nach  dem  Ergebniß  der  dabei  vorgenommenen  Wahl  traten
in  den  Ausschuß  ein:
als  Vorstand  —  Oberbaurath  v.  Schlierholz,
„  Vizevorstand  —  Oberbaurath  v.  Egle,
„  Kassier  —  Oberbaurath  Bok,
„  Bibliothekar  —  Professor  Baumgärtner,
„  Schriftführer  —  Bauinspektor  Knall,
"  v.  Seeger,
Professor  Laißle,
„  Stellvertreter  für  Kassier  und  Bibliothekar:
Prof.  Silber,
„  als  weiteres  Mitglied  —  Pros.  Dr.  Weyrau  ch.
Nach  dem  Tode  des  Prof.  Silber  trat  an  dessen  Stelle
Bauinspektor  R  h  e  i  n  h  a  r  d  t.
Bei  Beginn  des  Jahres  4878  zählte  der  Verein
404  hiesige,
405  auswärtige,
zusammen  206  Mitglieder;
während  des  Jahrs  traten  neu  ein:  46  hiesige,
42  auswärtige,
zusammen  28  Mitglieder;
dagegen  zogen  von  hier  ab:  die  Herren  Bauinspektor  Stapf
nach  Ellwangen,  Sekt.-Jng.  Fischer  nach  Ebingen,  Jng.-Asi.
Hescheler  als  Bauinsp.-Verweser  nach  Ravensburg,  Ing.  Rampacher
  nach  Ulm,  Ing.  Elsäßer  nach  Untertürkheim,  Architekt
Gekeler  nach  Saulgau,  Baumeister  Gunzenhauser  nach
Geislingen.
Es  zog  hieher:  Herr  Prof.  Sapper  von  Cannstatt  aus.
Es  traten  aus:  die  Herren  Baurath  Fuchs,  Regierungsrath ­
  Kiefer,  Prof.  Bäumer,  Architekt  Haider,  sowie  Bohringenieur ­
  Stotz  von  hier  und  Baurath  Prof.  Sonne  von
Darmstadt,  wie  Sekt.-Jng.  Wundt  von  Schorndorf.
Es  starben:  der  seit  vielen  Jahren  eifrige  und  dem  Vereine ­
  ergebene  Prof.  Silber  hier,  Bauinspektor  Kachter  in
Ebingen  und  Sekt.-Jng.  Krauß  in  Göppingen.
Wir  zählen  hienach  mit  Beginn  des  Jahres  4879
405  hiesige,
449  auswärtige,
zusammen  224  Mitglieder,
somit  48  mehr  als  im  vorigen  Jahre,  ein  erfreulicher  Zuwachs^
meist  der  Zahl  der  jüngeren  Collegen  entsprossen.
Die  Vereinsthätigkeit  mag  aus  Nachstehendem  ersichtlich  sein:
Es  fanden  im  Ganzen  46  ordentliche  und  4  außerordentliche ­
  Versammlungen,  4  Ausschuß-  und  44  Comitesitzungen  statt,
letztere  wesentlich  in  Betreff  der  von  dem  Verbände  deutscher
Architekten-  und  Ingenieur-Vereine  resp.  in  deren  Abgeordnetenversammlung ­
  gestellten  Fragen:  über  einheitliche  Bezeichnung
mathem.  technischer  Größen,  über  Einführung  einer  Bnustatistik,
über  die  des  Eisens  in  den  Hochbau,  über  die  Theilnahme  höherer
Techniker  an  politischen  Körperschaften,  über  die  Reorganisation
der  preußischen  Gewerbeschulen.
Vorträge  wurden  der  Reihe  nach  40  gehalten  von  den
Herren:
4)  Oberbaurath  v.  Egle  über  die  bauliche  Entwicklung  der
St.  Peterskirche  in  Rom,
2)  Prof.  Schlebach  über  Kopierverfahren  bei  Planen,
3)  Baumeister  Lang  über  Kosten  des  Erdtransportes,
4)  Prof.  Beyer  über  die  Konstruktion  des  hydraulischen  Aufzugs ­
  im  Hotel  Marquardt  hier,
5)  Oberbaurath  v.  Schlier  holz  über  den  gegenwärtigen
Stand  der  Verwendung  von  gebrannten  Falzziegeln  und
anderen  Dachdeckungsarten  beim  württ.  Eisenbahnban,
6)  Baurath  Prof.  v.  Hänel  über  den  gegenwärtigen  Stand'
des  Baues  eiserner  Brücken  in  Amerika,
7)  Oberbaurath  v.  Morlok  über  das  Projekt  zu  einem  Einresp.
  Aufbau  auf  der  Vorhalle  des  Stuttgarter  Bahnhofs,
8)  Prof.  Schmid  vom  Polytechnikum  über  Benützung  der
Generatorgase  zur  Feuerung.
            
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