Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1881)

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liche  Quellen  selbst  lesen  können,  weßhalb  die  Referate  auch  nicht
zu  wenig  ausführlich  sein  dürfen.
Der  Verein  erklärt  sich  sodann  nnt  großer  Majorität  mit
den  Anträgen  der  Kommission  einverstanden,  wonach  eine  Aenderung ­
  in  der  Erscheinungsweise  der  Zeitschrift  vorerst  nicht  eintreten ­
  und  bis  zum  Ablauf  des  Vertrages  mit  dem  Verleger
verschoben  werden  soll.  Fiir  den  Fall  jedoch,  daß  die  anderen
betheiligten  Vereine  in  ihrer  Majorität  für  eine  sofortige  Aenderung ­
  sich  aussprechen  wurden,  wird  beschlossen,  daß  der  gesauimte
Redaktionsausschuß  über  diese  Frage  berathen  solle,  wogegen  zur
Wahl  einer  besonderen  Kommission  für  diese  Berathung  kein
Grund  vorliege.
Baumeister  Lang  kommt  nochmals  auf  die  literarischen
Referate  zurück,  und  beantragt  die  Beibehaltung  derselben  in
ihrem  seitherigen  Umfang,  worauf  sich  die  Versammlung  mit  erheblicher ­
  Majorität  für  diesen  Antrag  erklärt.
Schließlich  referirt  Professor  Walter  im  Namen  der  hiemit
  beauftragt  gewesenen  Kommission  iiber  die  vom  Vorstande
des  Verbands  gestellte  Frage,  ob  und  eventuell  durch  welche
Mittel  dahin  zu  wirken  sei,  daß  auch  eine  Vertretung  des  Verbands ­
  deutscher  Architekten-  und  Jngenieurvereine  oder  der  Einzelvereine ­
  oder  der  Architekten  und  Ingenieure  im  Allgemeinen  im
deutschen  Volkswirthschaftsrath  angestrebt  werden  soll,  wie  folgt:
Die  in  der  Sitzung  des  Vereins  für  Baukunde  vom  12.  März
d.  I.  zur  Vorbereitung  einer  Beantivortung  dieser  Fragen  gewählte
Kommission  hat  sich  eingehend  mit  dem  Gegenstand  beschäftigt
und  ist  nach  gründlicher  Erwägung  zu  nachfolgender  Ansicht  gelangt: ­

Zunächst  muß  konstatirt  werden,  daß  es  sich  bei  dem  preußischen ­
  Volkswirthschaftsrath  dermalen  lediglich  um  eine  preußische
Staatseinrichtung  handelt,  welche  —  insolange  sie  nicht  auf  das
Reich  ausgedehnt  ist  —  uns  Württembergern  als  solchen  keine
Gelegenheit  bietet,  eine  Vertretung  der  Architekten-  und  Ingenieurkreise
  anzustreben.
Aber  selbst  wenn  der  Fast  eintreten  würde,  daß  der  Volkswirthschaftsrath ­
  auf  das  übrige  deutsche  Reich  ausgedehnt  werden
sollte,  so  haben  wir  es  mit  einer  Institution  zu  thun,  die  nach
deni  klaren  Wortlaut  des  Königl.  Statuts  keinen  andern  Zweck
hat,  als  bei  Entwürfen  von  Gesetzen  und  Verordnungen,  welche
wichtigere  wirthschaftliche  Interessen  von  Handel,  Gewerbe,
Land-  und  Forstwirthschaft  betreffen,  den  Angehörigen
dieser  Stände  Gelegenheit  zu  geben,  ihre  Interessen  in  Form
von  Gutachten  zur  Kenntniß  des  betreffenden  Ministeriums  zu
bringen.  —  Damit  ist  keineswegs  ausgedrückt,  daß  diese  Gutachten ­
  —  insoweit  die  Interessen  der  genannten  Stände  mit  denjenigen ­
  anderer  kollidiren  —  maßgebend  für  die  Entschließungen
der  Regierung  seien;  vielmehr  bleibt  es  den  übrigen  Ständen  nach
wie  vor  unbenommen,  im  Falle  einer  solchen  Kollision  bei  den
verschiedenen  gesetzgeberischen  Faktoren  vorstellig  zu  werden  und
Gesetze  und  Verordnungen,  welche  ihre  Interessen  zu  schädigen
drohen,  zu  bekämpfen  und  abzuwenden.
Die  Architekten  und  Ingenieure  befinden  sich  hierbei  ganz
in  deni  gleichen  Falle,  wie  alle  die  übrigen  —  im  Volkswirthschaftsrath ­
  nicht  vertretenen  —  Stände  und  haben  nach  Ansicht
der  Kommission  kein  größeres  Interesse  daran,  im  Volkswirthschaftsrath ­
  vertreten  zu  sein,  als  jene.  —  Auch  konnte  sich  die
Kommission  dem  Eindrücke  nicht  verschließen,  daß  die  Interessen
der  Architekten  und  Ingenieure,  wenn  sie  von  einzelnen  Fragen
berührt  werden,  durch  die  Mitwirkung  der  technischen  Behörden
bei  der  Gesetzgebung  viel  wirksamer  vertreten  sein  dürften,  als
dieß  durch  einzelne  wenige  Mitglieder  im  Volkswirthschaftsrath
der  Fall  sein  würde.
Insoweit  aber  die  Interessen,  wie  dieß  z.  B.  bei  Privat-Architekten
  oder  Ingenieuren  je  nach  der  Ausübung  des  Berufs
vorkomnien  kann,  gleichartige  mit  jenen  des  Gewerbestandes  sind,
schließt  das  Statut  auch  in  seiner  jetzigen  Form  die  Wahl  solcher
Interessenten  nicht  aus  und  kann  es  der  Initiative  derselben
überlassen  bleiben,  die  geeigneten  Wege  einzuschlagen,  um  bei
den  Wahlen  Berücksichtigung  zu  finden.

Nach  diesen  Erwägungen  kam  die  Kommission  zu  dem  Vorschlag, ­
  die  erwähnten  Fragen  des  Verbandes  dahin  zu  beantworten ­
  :
Es  sei  vorerst  kein  genügender  Grund  vorhanden,  eine
Vertretung  des  Verbandes  deutscher  Architekten-  und  Ingenieur-Vereine, ­
  oder  der  Einzelvereine,  oder  der  Architekten
und  Ingenieure  im  Allgemeinen,  im  deutschen  Volkwirthschaftsrath ­
  besonders  anzustreben.
Die  Versammlung  erklärt  sich  mit  dem  Antrage  der  Kommission ­
  einverstanden.
Der  Schriftführer:
Kn  oll.
Achte  ordentliche  Versammlung  am  30.  April  1881.
Vorsitzender:  Oberbaurath  v.  Schlierholz.
Schriftführer:  Baumeister  Lang.
Anwesend:  18  Mitglieder  und  1  Gast.
Der  Vorsitzende  theilt  dem  Verein  die  Nachricht  von  deut
Tode  des  früheren  Mitgliedes  und  mehrjährigen  Vorstandes
Ludwig  v.  Klein,  Präsident  a.  D.  der  königl.  württ.  Eisenbahnbaukommissiou
  mit.  Die  Versammlung  erhebt  sich  zum  ehrenden
Andenken  des  Verstorbenen  von  den  Sitzen.
Eingelaufen:
1)  von  der  Verlagshandlung  Schmidt  u.  Günther  in  Leipzig
die  1.  Lieferung  des  Werkes  Rom  in  Wort  und  Bild  von
Dr.  Rud.  Kleinpaul.  (Circulirt  zur  Subskription).
2)  Rombergs  Zeitschrift  für  Baukunst,  Zahrg.  1881.
3)  von  Kreisbaumeister  a.  D.  Hoffmann  in  Berlin  eine
Anzahl  Autographien  der  Promenadenbrücke  in  Leipzig  mit
discentrischen  Ziegelbögen,  deutsches  Reichspatent  Nr.  8451.
(Gelangt  zur  Vertheilung).
Hierauf  macht  Architekt  Gerok  Mittheilungen  über  leuchtende
Farben  überhaupt  und  speziell  über  Balmains  selbstleuchtende
Farben,  welche  in  England  und  neuerer  Zeit  auch  in  Deutschland ­
  immer  größere  Verbreitung  finden,  z.  B.  zur  Sichtbarmachung ­
  von  Bojen,  Rettungsringen,  Tauchergegenständen,  zur
Erleuchtung  von  Eisenbahnwaggons  in  Tunneln,  Barrieren,  Wegzeigern, ­
  Zifferblättern  von  Uhren,  Firmenschilder  rc.,  besonders
eignet  sich  dieser  Anstrich  zur  Erleuchtung  feuergefährlicher  Räume,
Pulvermagazine  re.,  weil  er  Licht  ohne  Wärmeentwicklung  gibt.
Es  kommen  zwei  Sorten  von  solchen  Anstrichfarben  in  den
Handel,  eine  Oelfarbe  und  eine  Wasserfarbe.  Redner  zeigt  das
in  Blechbüchsen  aufbewahrte  Pulver  vor,  das  zum  Anstrich  verwendet ­
  wird,  theilt  mit,  daß  das  Leuchten  der  mit  solchen  Farben
angestrichenen  Gegenstände  dadurch  hervorgerufen  werde,  daß  man
dieselben  täglich  einige  Stunden  dem  Sonnenlicht  aussetzt,  worauf
sie  die  ganze  Nacht  durch  selbst  leuchten.  Wie  lange  diese  Eigenschaft
der  Anstrichfarbe  daure,  sei  noch  nicht  ermittelt,  jedenfalls  höre
sie  nicht  auf,  solange  noch  eine  Spur  von  Farbe  vorhanden  sei,
an  geschützten  Orten  also  länger  als  im  Freien;  die  Leuchtkraft
werde  erhöht  durch  öfteres  Aufträgen  des  Anstrichs.  Statt  durch
Sonnenlicht  könne  das  Leuchten  der  Gegenstände  auch  dadurch
bewirkt  werden,  daß  man  ein  zollgroßes  Stückchen  Magnesiumdraht ­
  vor  den  Gegenständen  verbrenne;  Gaslicht  hingegen  zerstöre ­
  die  Leuchtkraft.  Redner  lädt  hierauf  die  Versammlung  ein,
ihm  in  den  anstoßenden  Dunkelraum  zu  folgen,  wo  Herr  Cheniiker
Kunz  mehrere  Statuetten,  Annoncenschilder  rc.  aufgestellt  habe,
um  sie  dem  Verein  vorzuzeigen.  Die  Versammlung  nimmt  nnt
großem  Interesse  Einsicht  von  diesen  Gegenständen.  Besonders
schön  ist  die  violette  Farbe  im  Dämmerlicht,  während  im  Dunkeln
die  Farbe  ganz  weiß  leuchtet.  Bei  den  en  face  gesehenen  Gipsköpfen ­
  lassen  sich  zwar  die  Gesichtszüge  schwer  unterscheiden,  weil
nirgends  Schattiruug  zu  sehen  ist.
Nach  Rückkehr  in  das  Versammlungslokal  dankt  der  Vorsitzende ­
  dem  als  Gast  eingeführten  Herrn  Chemiker  Kunz,  Theilhaber ­
  der  Firma  A.  v.  Kellenbach  hier,  welche  den  Vertrieb  der
Balmain'schen  selbstleuchtenden  Farben  für  Württemberg  übernommen ­
  hat,  für  das  Gesehene  und  derselbe  theilt  noch  Folgendes
            
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