18 
ausgesprochen werden, daß es sehr wünschenswerth wäre, die 
gegenseitige gleichmäßige Anerkennung der StaatSpriifungen in 
den einzelnen Ländern zu erreichen. 
Hierauf Schluß. Laistner. 
Ausschuß-Sitzung am 6. Aug. 1881. 
Anwesend: v. Schlierholz, Laißle, Laistner. 
Der Vorsitzende erwähnt zunächst der Einläufe aus letzter 
Zeit, worunter besonders 2 Exemplare der Denkschrift über die 
württb. Wasserversorgung, eines vom K. Ministerium des Innern 
und 1 vom Verfasser, Herr Oberbaurath Dr. v. Ehmann. 
Bezüglich der iu der 5. Versammlung besprochenen Frage 
über die Haftpflicht der Architekten und Ingenieure bei Bau 
ausführungen wurde Herr Finanz-Affessor Balz vom Vorstande 
um Abgabe einer Aeußerung ersucht, welche die bisher in Württem 
berg hiefür maßgebenden Rechtsgrundsätze umfassen soll. Diese 
Aeußerung lautet: 
1) Die Quellen des württembergischen Privatrechts um 
fassen nicht den gesamniten privatrechtlichen Stoff, sondern haben 
sehr erhebliche Lücken, welche aus dem gemeinen Recht zu er 
gänzen sind und zwar sowohl aus dem gemeinen deutschen Privat 
recht, als aus dem römischen und canonischen Recht, welch letz 
tere in Wiirttemberg iu der Form und in dem Umfang recipirt 
sind, wie überhaupt in Deutschland. Das gemeine Recht hat für 
Württemberg die Bedeutung eines subsidiären Rechts. 
2) Die hauptsächlichste Privatrechtsquelle für Württemberg 
ist das württembergische Landrecht vom 1. Juni 1610, welches 
im Theil II. Tit XVII. in eineni Abschnitt, überschrieben: „De 
Docationc & Conductione. Von Ehehalten, Dienstleutten, Ge 
dingten Arbeittern vnd Werckmeistern." in §§. 10—14 wörtlich 
und buchstäblich Folgendes bestimmt: 
§. 10. Wann auch einem Werckmeister in einer bestimpten 
Zeit ein Werck auszumachen verdingt, er aber selbiges nicht thut, 
oder auß seiner Fahrlässigkeit vud Saumuus so vil Zeit ver- 
schinen, daß er seinem versprechen nicht mehr nachkommen köndte, 
solle er dem Gegentheil allen Schaden Nachtheil vnd Interesse 
abzutragen schuldig sein. Vnd ob er sich gleichwohl erbieten 
thete das Werck nachmahlen zuuolnführen, so soll doch zu des 
Gegentheils Wohlgefallen stehen sölches anerbietten anzunemmen 
oder nicht. 
§. 11. Also auch im widerigen Fall, da der Werckmeister 
durch den Besteller oder Bawherrn an Verrichtung des Baws 
gehindert, vnd daher in Schaden gebracht, ist der Bawherr gleich 
falls auch jhme einen billichen Abtrag zuthun schuldig. 
§. 12. Da aber solche Verhinderungen von einem andern 
geschehen, oder von eineni Ohnfall herrhürten, seyen der Bawherr 
vnd Werckmeister für entschuldigt zuhalten. 
ß. 13. Begebe sich auch, daß zweyen, dreyen, oder mehren, 
ein Werck samentlich, oder einem jeden insonderheit außzumachen 
verdingt, mag ein jeder für sich selbs mit Recht gezwungen 
werden, das verdingt Werck zuzurichten: vnd kann sich dieser 
Werckleut keiner auf den andern ziehen oder entschuldigen. Doch 
so ist dem, der das Werk außniachen muß, sein Ansprach gegen 
seinen Mitgesellen vorbehalten. Wann aber jhren vilen das 
Werk stucksiveise zumachen, oder auch sonsten schlechtlich ohn ein 
zusamen Verbündung were verdingt worden, mag keiner für den 
andern, noch weitter dann von wegen seines Stucks, fürgenommen 
vnd angehalten werden. 
§. 14. Daser aber in abgesetzten Fällen ein Werckmeister 
seinem Bawherrn den Schaden vnd Interesse zu bezahlen bereit, 
auch würcklich bezahlte, ist der Bawherr solchen anzunemmen 
schuldig: vnd mag demnach den Werckmeister zu außmachung 
des Werks nicht mehr zwingen. Es were dann, daß auß son 
dern Fällen die Nohtturfft ein anderes erforderte, welches zu 
Unserer Gericht Erkanntnus steht. 
3) Das württembergische Particularrecht enthält nur diese 
Bestimmungen, also nur über den von Wiedemann in der Zu 
sammenstellung der „landrechtlichen Bestimmungen über die civil 
rechtliche Haftbarkeit des Architekten" unter Ziffer 1 behandelten 
Fall, während im Uebrigen das gemeine römische Recht zur An 
wendung kommt, welches in allem Wesentlichen materiell mit den 
von Wiedemann angeführten Rechtssätzen übereinstimmt. 
4) Zum Schluß sei bemerkt, daß der Schwabenspiegel 
keinerlei Bestimmungen enthält iiber die civilrechtliche Haftbar 
keit des Architekten bei Bauausführungen; derselbe hat aber 
auch weder iu Württemberg noch sonst irgendwo Gesetzeskraft, 
sondern ist nur für die Rechtsgeschichte von Bedeutung. 
Diese Aeußerung wurde dem Hamburger Verein seinem 
Wunsche gemäß zugesandt. 
Zu §. 18 der Verbandsstatuten hat der badische Techniker- 
Verein einen Antrag eingebracht, der sich im Wesentlichen dem 
bereits auf der Tagesordnung der Delegirtenversammlung zu 
Danzig stehenden des mittelrheinischen Vereins anschließt, Ein 
zelnes jedoch präciser faßt. 
Es wird beschlossen, dem Verbandsvorstand die Zustimmung 
des Vereins zu diesem neuen Antrag auszusprechen, dabei aber 
zu bemerken, daß weder der frühere, noch der jetzige Antrag 
irgendwie näher bezeichnen, was unter Ausgaben zu verstehen 
ist, die „durch den Zweck der Wanderversanmilung bedingt" oder 
„zur Repräsentation des Verbandes geboten" sind, und daß es 
sich, da diese Auslagen wohl ziemlich constant bleiben werden, 
vielleicht empfehlen dürfte, ein für allemal eine bestimmte Summe 
hierfür festzusetzen. 
Der letzte Punkt betrifft die vom Bayrischen Architekten- und 
Jngenieurverein angeregte Frage der hydrotechnischen Aufgaben 
der Gegenwart. 
Dem Wunsch dieses Vereins entsprechend wird beschlossen, 
dem Verbandsvorstand mitzutheilen, daß es Seitens des Vereins 
für wünschenswerth erachtet werde, die Frage auf die Tagesord 
nung der Abgeordnetenversammlung pro 1882 zu setzen. 
L a i st n e r. 
Beil. 1., zur 6. Versammlung. 
Vortrag, gehalten am 26. März 1881: 
Weber' HrrpoL'itL) (dreifach Stein) 
von Oberbaurath v. Schlicrhols. 
Tripolith, ein von Gebrüder v. Schenk in Heidelberg 
fabricirtes Bindemittel, ist eine Verbindung von Silicium, Cal 
cium, Selenit und Eisenoxyduloxyd, welche gemahlen, gebrannt, 
gemischt, schnell abgekühlt ein dunkelgraues Pulver gibt, das mit 
Wasser angerührt und getrocknet zu einer festen Masse wird 
(worüber Proben vorgelegt wurden). 
Dieses Produkt niacht in neuerer Zeit als Verbandmittel 
an Stelle von Gips auf medizinischem Gebiete Epoche und erregt 
auch in Baukreisen großes Interesse als Bindemittel, zunächst 
zwar vorzugsweise nur für Stuckatur- und Dekorations-Arbeiten 
verwendet, da es auch seiner großen Leichtigkeit und Wasserbe- 
ständigkeit wegen sich hiezu besser eignen soll als Gips, auch
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.