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Die dem Baubeginn vorangegangenen Bohrversuche hatte» 
nicht sehr günstige Resultate ergeben, insofern fester Grund für 
die Fundamente erst zwischen — 7 und — 9 m (bei + 2 
Baugrubensohle) erreicht wurde. Die ersten mit der Dampframme 
(Nasmyth; Rammbär inkl. Gehäuse — 56 Ctr., Hubhöhe — 86 cm, 
50 Schläge per Minute) geschlagene» 9,5 m laugen Pfähle von 
30 cm Durchmesser wichen durch den Gehäusedruck allein um 4 m; 
sie erhielten in Max. nur 226, in Min. sogar nur 46 Schläge. 
Bei diesen Resultaten und in Voraussicht der späteren starken Er 
schütterungen des Baues war die größte Sorgfalt geboten, und 
wurde deßhalb zunächst eine möglichst genaue Gewichtsberechnung des ! 
Baues und Lastvertheiluug auf die einzelnen Pfahlgruppcn an- 
geordnel, sodann aber eine Kontroleberechnung der Pfahlbelastuugen j 
anderer Bauten vorgenommen, welche durchschnittlich 170—180 Ctr. j 
ergab. Da in Berlin die Normallast für die D. H. Schm, auf 
220 Ctr. pro Pfahl festgesetzt war, so wurden für den Bericht j 
noch genaue Versuche und Berechnungen angestellt, aus denen man 
das Resultat von ca. 150 Ctr. fand sin gutem Sande wird mau 
kecklich auf 200 Ctr. gehen können). Durch Verstärken der Ecken 
mit vorgerammten Pfählen gelang es auch, die Pfahlbelastung auf 
155 Ctr. pro Pfahl herunterzudrücken, so daß dieserhalb die Be 
denken gehoben waren. 
Gleich nach Beginn des Baues erhoben sich seitens einiger 
Groß-Unternehmer (Erbauer der betreffenden Gebäude) Bedenken 
über die Stabilität der in der Nähe stehenden Kasernen und ! 
Privatgebäude und den Einfluß der Hämmer auf Bodenschwingungen; ! 
eine Spezialkommission untersuchte die in einem Umkreise von I 
6—800 m befindlichen Gebäude auf bestehende Risse und Senkungen j 
in den Kcllcrgewölben und Fundamenten rc. Zugleich war in ; 
Osnabrück eine Berathung von Maschinenbauern über die eventuelle > 
Vergrößerung der Chabotte für den 300 Ctr.-Hammer. Das 
Resultat dieser letzteren Berathung war die Vergrößerung der Cha- 
bottc von 200000 kg auf 300000 kg. 
Während dieser Enqueten war der Bau sistirt worden und 
mußte, nachdem der Befehl zum Weiterarbeiten gegeben war, zuerst 
die Dampframme, welche fast 1,5 m in den weichen Boden und 
Treibsand versunken war, wieder herausgeholt werden. 
Ein Probepfahl von 15 m Länge, der die Tiefe von — 13 m 
erreichte, sollte das Kriterium für die Länge der Hammerpfähle ab 
geben; man beschloß die Pfähle des 300 Ctr.-Hammers womöglich 
bis auf — 11 uiederzutreiben. 
Nach näherer Ausführung der durch die Enge der Baugrube rc.. 
sowie die Schäden der Ramme» verursachten Leiden waren die 
Bemerkungen über das Verhalten des Bodens von größerem Interesse: 
der Auftrieb des feinen Sandes betrug häufig so viel, daß die 
energischste Arbeit ihn kaum bewältigen konnte; mehrmals bildeten 
sich vulkanähnlichc Erhebungen von ca. 2 m Durchmesser und 0,5 m 
Höhe, die mit Detonation aufbrechend einen wahrhaft betäubenden 
Schwefelwasserstoffgestank verbreiteren; das solchen Quellen ent 
strömende Wasser hat reichliche Schwefelniederschläge, ist völlig 
brackisch, aber sehr kühl und äußerst klar. 
Die Hammerpfähle konnten lange nicht alle bis auf die be 
stimmte Tiefe gebracht werden; die schon an andern Stellen der 
Gegend gefundene Zone der Granitsindlinge (— 7,5 bis — 9,0) 
trat hier hindernd in den Weg. 
Der Vortragende ergieng sich noch über die Jsolirung der 
Chabottenfundamente von denen der Hammersäulen, über die Be 
festigung der Holme und Zangen und gab noch einige Preisangaben 
zum Besten. Das Holz ist fast sämmtlich Ostsee-Kiefernholz und 
von Danzig und Elbing auf dem Seewege bezogen, der cbm be 
schlagenen Holzes kostete 48 J&, während Pfähle von 9,5 m Länge 
25,0 Ji kosteten. 
Die Maurerarbeiten des in einen Mittelbau mit zwei Thurm 
vorbauten und zwei Seitenbauten getheilten, 96 m langen Bau 
werkes erregten dadurch Interesse, daß sie mit sog. Erdbögen von 
3 m Durchmesser als Fundament ausgeführt sind: die Ecken sind 
durch sehr kräftige Vormauerungen verstärkt; die Thurmoorbauten 
des Mittelbaues sind auf dieselbe Weise gesichert und zur Ver 
hinderung eines Abtrennens von der durchlaufenden Längswand des , 
Hauptbaues in den Fundamenten in zwei verschiedenen Höhen durch i 
kräftige Eiseuanker gehalten. Dank diesen Vorsichtsmaßregeln sind 
die an solchen Ecken fast regelmäßig vorkommenden starken Setz 
ungen, auch trotz der Erschütteruugcu, unterblieben. 
Die Architektur ist durch kräftige Lisenen und ein einfaches, 
aber genügend ausladendes Hauptgesims, sowie durch schwarze 
Streifen und Muster in den Kämpferfriesen der Fenster belebt, 
während der fast ganz von innen herausgemauerte 32 in hohe 
Schornstein durch starke Lisenen und eine Blendbogengallerie einen 
entsprechenden Schmuck erhalten hat. (Kosten per Meter der Höhe 
203 — unterer lichter Durchmesser 1,94 Meter; oberer l. D. 
1,57 m —; per 1 obm 30,2 -^.). Von den übrigen Maurer 
arbeiten, deren Kosten 4,5 «M- für Fundament- und 5,5 ,Ml für 
aufgehendes Mauerwerk betragen, erwähnt der Redner nur noch 
die ca. 1000 obrn enthaltenden Hammerfundamente, die in Cement 
mörtel von 1:1:4 gemauert bei Stärken von 2,5 m und mehr 
nicht absolut dicht gehalten werden konnten. 
Das sehr leicht konstruirte Dach ist ein doppeltes Polonceau- 
system mit Laterne von 22,6 und 20 m Stützweite; die untere 
Gurtung sollte zur Aufnahme einer Laufkatze eingerichtet sein und 
ist daher hiefür ~| und | Profil gewählt worden. Die mit der 
1,5 fachen Last vorgenommene Probebelastung wurde zu ebener 
Erde außerhalb des Baues vorgenommen und zu diesem Zwecke 
die zwei stärkst beanspruchten Binder gewählt, welche montirt und 
vollständig verkreuzt wurden. Die Probe fiel zu vollster Befriedigung 
aus, und zeigten sich die Durchbiegungen als völlig elastische. 
Die Montirung des Daches war eine sehr interessante und nicht 
ganz leichte Aufgabe, da der ganze Mittelbau einem großen Teiche 
glich, dessen größte Tiefe über 5 m betrug. Durch Aufstellen eines 
12 m hohen Gerüstes, dessen Oberkante in Auflagerhöhe der Binder 
lag und die Montirplattform bildete, wurde diese Schwierigkeit 
umgangen. Das Aufstellen der 120 Ctr. schweren Binder geschah 
trotz alles Risikos glücklich. Zu erwähnen dürfte sein, daß durch 
Aufbringen der Pfetten und einiger Kreuze möglichst bald ein fester 
Verband geschaffen wurde, um der nicht unbedeutenden Gefahr 
durch Windstöße zu begegnen. 
Das Dach ist mit englischem Schiefer auf Schalung eingedeckt; 
die Ueberdeckung von 10 cm für die Neigung 1:4 der Haupt 
dächer hat sich als genügend, dagegen bei einer Neigung von 1 : 6 
an den Thürmen als zu flach herausgestellt. 
Betreffs der Blitzableitung des Gebäudes war man lange 
zweifelhaft, ob die im Bau vorhandenen enormen Eisenmassen mit 
der Leitung in Verbindung zu bringen seien oder nicht? Man 
unterließ dies schließlich, ordnete eine starke Auffangstange auf dem 
Schornstein an, die für sich abgeleitet wurde; sodann erhielt jeder 
der 6 das Dach überragenden Vertikalkesselschornsteine einen Blitz 
ableiter und je zwei derselben eine Erdleitung; mit einer dieser 
Leitungen war außerdem die Auffangstange des Aufbaues über dem 
300 Ctr.-Hammer verbunden. 
Nach diese» Ausführungen geht der Vortragende zu dem 
maschinellen Theile des Baues über und beschreibt zunächst die drei 
großen Dampfhämmer, ihre Krahnanlagen mit hydraulischem Be 
trieb, die dazu gehörigen Pumpen und den 85000 kg schweren 
Akkumulator. 
Die beiden großen Hämmer haben eine Lichtweite zwischen 
den Hammersäulen von 6,4 m; das Gestell ist aus Schmiedeeisen, 
die Führungen für den Bär und der Unterbau des Cylinders aus 
Gußeisen konstruirt. 
Der 300 Ctr.-Hammer mit einem Fallgewicht von 300 Ctr. 
— 15000 kg hat 2,51 m Fallhöhe, eine Cylinderweite von 
1,10 m; der Kolben und die Kolbenstange sind aus Stahl; 
der Betrieb geschieht ohne direkten Oberdampf. Die Steuerung 
erfolgt von Hand mittelst entlasteter Glockenventile. Die Kosten 
dieses Hammers betragen 69000 excl. Chabotte und Fundir- 
ungsbolzen rc. Die große Chabotte hat das 20—21,5fache des 
Bärgerüstes, besteht aus einem Stück Gußeisen von ca. 6400 Ctr. 
mit einer Höhe von 2,4 m und eine Grundfläche von 4,00 X 
5,50 m = 22 qm (beiläufig bemerkt ist diese Chabotte nächst der 
von Perm (mit 10000 Ctr.) die größte in Europa, da Krupp's 
Chabotte für den 1000 Ctr.-Hammer aus 6 Stücken ä 3000 
Centn er zusammengesetzt und mit Bändern gehalten ist). Diese
        

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