10 
Prinzipien gegründet iinb die Dimensionen der Erde bestimmt zn 
haben. Die Römer waren es, welche ihre neu eroberten Provinzen 
vermessen und durch „Länderzeichnungen und Jtinerarien" ver 
ewigt haben. 
Im Mittelalter hatten die durch die Entdeckung von Amerika 
hervorgerufenen Seereisen und die Erfindung der Holzschneidekunst j 
nicht wenig zur Verbesserung der kartographischen Leistungen, 
speziell in Deutschland beigetragen, wo in den Städten Nürnberg j 
und Augsburg die Kartographie zu hoher Blüthe gelangte: eine 
wesentliche Umgestaltung aber brachte die im Jahr 1615 durch den 
Niederländer Suellius erfundene Triangulation. 
Während bei den früheren Karten die Dimensionen der Erde 
nur annähernd bestimmt waren, und die Lage der einzelnen Punkte 
ihrer Oberfläche gegen einander meist nur auf Schätzung beruhte, 
war man nun durch die Triangulation im Stande, so viele Punkte 
der Erdoberfläche als überhaupt wünschbar und, soweit es die da 
maligen Instrumente gestatteten, mit großer Genauigkeit der Lage 
nach zu bestimmen und die Triangulation selbst zur Bestimmung ! 
der Erddimcnsionen zu verwenden. In den folgenden 2 Jahr 
hunderten haben die Franzosen die interessanten Messungen und j 
Untersuchungen gemacht, welche ihnen die Priorität der Wissenschaft- j 
lichen Erforschung der Erdrinde auf ewig sichern werden. Durch ! 
Napoleon und seine Topographen endlich hat die Kartographie eine , 
Form angenommen, die sich von der heutigen nur unwesentlich 
unterscheidet. So können wir an der Hand der Geschichte nur zu 
deutlich erkennen, daß die Epochen der Kartographie mit großen 
politischen Ereignissen, besonders mit bedeutenden Feldzügen, zusammen 
fallen, und daß kriegführende Nationen und Fürsten wesentlich för 
dernd auf die Kartographie eingewirkt haben. Aus der neuesten Zeit j 
können wir den „Militärstaat" Preußen, wie er von angefeindeter ! 
Seite häufig genannt wird, als glänzendes Beispiel in dieser Beziehung 
anführen. Durch die umsichtige und energische Leitung des großen j 
Generalstabs werden wir in wenigen Jahrzehnten zu einer „Einheits 
karte" von Deutschland gelangen, welche ihresgleichen in der Welt 
suchen dürfte. 
Bei der neueren Topographie werden die Auf 
nahmen hiezu in folgender Weise ausgeführt: 
Hervorragende Punkte in einer Entfernung von 30—100 km j 
werden miteinander zu Dreiecken verbunden, die Winkel zwischen 
denselben gemessen und außerdem eine Dreiecksseite, die Basis. 
Damit lassen sich die übrigen Dreiecksseiten berechnen und, weil 
mehr Beobachtungen gemacht wurden, als zur absoluten Be 
stimmung der fehlenden Dreiecksseiten nöthig war, auch noch be 
stimmen, welche Genauigkeit die Triangulation beanspruchen kann. 
Nachdem so die gegenseitigen Entfernungen der trigonometr. 
Punkte durch Rechnung gefunden, bleibt noch die Bestimmung der 
geograph. Lage (durch Länge und Breite) derselben auf der Erd- ! 
oberfläche übrig. Wird nun zu diesem Zweck die geogr. Lage eines 
solchen Dreieckpunkts auf astronomischem Weg (durch Polhöhenmessung k 
und telegraphische Längebestimmung) und die Neigung einer Dreiecks- , 
feite gegen den Meridian eines Endpunkts, das sog. Azimut, gemessen, 
so vermag man damit die geographischen Positionen aller übrigen 
trigonometr. Punkte nach den Grundlehren der höheren Geodäsie zu 
zu berechnen. 
Gewöhnlich werden aber von mehreren Punkten, mindestens von 
zweien, die astronomischen Bestimmungen gemacht und die über 
schüssigen Beobachtungen zur Ausgleichung der unvermeidlichen Be 
obachtungsfehler und zur Bestimmung der Genauigkeit des Resultats 
verwendet. In dieses Dreiecknetz erster Ordnung werden nun ! 
stufenweise Dreiecknetze II. III. und zuweilen auch IO. Ordnung j 
eingeschaltet, so daß schließlich auf die Quadratmeile ca. 10 tri- j 
gonometrische Punkte kommen, die durch Signalsteine sichtbar ge- j 
macht und dauernd erhalten werden. Von diesen Punkten werden | 
gleichzeitig die Meereshöhen trigonometrisch (durch Höhenwinkel 
messungen) oder durch Nivellement bestimmt. Das so gewonnene 
Netz bildet die Grundlage für die Spezialvermessungen und für 
die Anfertigung der Karten. Die Aufnahme der topograph. Karten 
erfolgt mit wenigen Ausnahmen im Maßstab 1 : 25000 oder 
1 : 20000 mit Hilfe eines Meßtisches und einer distanzmessenden 
Kippregel, nachdem auf dem Tischblatt die Netzlinien und die tri 
gonometrischen Punkte aufgetragen sind. Die Situation und die 
Höhen werden gewöhnlich gleichzeitig bestimmt, und nur in den 
jenigen Gegenden, i» welchen Katastervermessungcn der topograph. 
Aufnahme vorausgegangen sind, wird die Situation durch Reduktion 
aus den Katasterkarten gewonnen, wie ehemals in Württemberg 
und Bayern. 
Diese Originalaufnahmen wurden früher nur zur Herstellung 
einer topographischen Karte in kleinerem Maßstabe benützt und als 
dann sorgfältig aufbewahrt, und erst in den letzten Jahren haben 
sich die verschiedenen Staaten entschlossen, auch diese Originalauf- 
nahmen durch Vervielfältigung dem Publikum erhältlich und brauch 
bar zu machen. 
Die Darstellung des Terrains spielt auf den topographischen 
Karten eine wesentliche Rolle. Absolute Meereshöhen geben zwar 
die sichersten Anhaltspunkte, sie können aber nicht dazu dienen, eine 
Vorstellung von den wirklichen Terrainformen zu wecken; außerdem 
ist die zu weit ausgedehnte Anwendung von Höhenzahlen kostspielig 
und, weil die Deutlichkeit der Karten darunter nothleidet, fast un 
möglich. Noch vor 100 Jahren hatten die Gebirgsdarstellungen 
oft die sonderbarsten Formen; häufig waren es Maler von Pro 
fession, welche die Karten zeichneten. Erst seit der Erfindung 
der Höhenkurven und der Einführung der auf geometrischer 
Grundlage beruhenden Bergschraffirung sind wir in den Stand 
gesetzt, die Bergformen nicht bloß anschaulich, sondern so darzustellen, 
daß wir an allen Punkten die Neigung der Erdoberfläche gegen den 
Horizont mit mehr oder weniger Sicherheit aus der Karte an 
geben können. 
Als Erfinder der Höhenkurven wird irrthümlicher Weise 
häufig der Ingenieur Ducarla genannt, während sich der Franzose 
Buache und der Holländer Croquius den Rang streitig machen. 
Phil. Buache legte im Jahr 1737 der französischen Akademie 
der Wissenschaften zu Paris eine von ihm 5 Jahre früher auf 
genommene Karte des Kanals La Manche vor, auf welcher in Ab 
ständen von 10 Faden die Gestalt der Meeresküste durch Niveau 
linien dargestellt war. In seinen im Jahr 1752 erschienenen Me 
moiren sagt Buache: „Der Gebrauch, den ich von den Sondirungen 
des Meeres gemacht habe, um seine Tiefen auszudrücken, und den 
vor mir Niemand gemacht hat, scheint mir sehr geeignet zu sein, 
die Neigungsverhältnisse der Ufer genau darzustellen. Ich habe 
mir vorgenommen, auf dem Tcrrainrelief des Globus Linien zu 
ziehen, welche der Oberfläche des Meeres parallel laufen, also 
horizontal sind, wie ich es für das Innere des Meeres schon bei 
dem Relief des Kanals La Manche gethan habe." 
Der Niederländer Nikolaus Samuel Croquius, geb. 2. Dez. 
1678, 's 5. Februar 1754, Wasscrbauinspektor des Rhcinlandes, 
hat schon im Jahr 1729 das Flußbett der Mcrveda durch Linien 
gleicher Sonden in einer Karte dargestellt, welche im Jahr 1733 
gestochen wurde. Sehr wahrscheinlich ist, daß Buache von dieser 
Karte keine Kenntniß hatte. 
Die Benützung der Horizontalen zur Darstellung des Terrain- 
reliefs verdanken wir dagegen dem französischen Ingenieur Ducarla 
(geb. zu Vabres, Deport, du Tarn). In seiner Schrift: Expression 
des Nivellements, ou methode nouvelle pour marquer rigour- 
eusement sur Iss cartes terrestres ct marines Iss hauteurs et 
Iss configurations du Terrain. Paris 1782“ giebt er zu, fbte 
von Buache angegebene Idee gekannt zu haben. Dupain-Triel 
hat zuerst im Jahr 1791 eine zwar flüchtig in Horizontalen aus 
geführte Karte von Frankreich veröffentlicht und der Jugend 
bildung gewidmet. 
Im Jahre 1802 hielten die Niveaulinien ihren Einzug in 
den Schulen, denn laut Dekret vom 4. Oktober 1802 mußten an 
der neu errichteten Artillerie- nnd Genieschnle zu Metz alle Forti- 
fikationsaufnahmen und Projekte mit Horizontallinien ausgeführt 
werden. Von hier aus haben sie große Verbreitung zunächst in 
Frankreich und dann in andern Ländern gefunden, und auch die 
Schweizer haben ihre Curvenkarte dem Umstand zuzuschreiben, daß 
ihr Gründer, der schweiz. General Dufour (geb. 15. September 
1787 zu Konstanz gest. 14. Juli 1875 zu Genf) im Jahr 1809 
dieser Schule angehörte und von da aus eine Aufnahme der Insel 
Korfu mit Niveaulinien als französischer Offizier ausführte.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.