Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1885/86)

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die Neuherstellung des Verbrauchten geschieht gewissermaßen 
automatisch, daß man es nicht mit Absallstofsen zu thun und 
keine neuen Materialien zu beschaffen hat. Es kann freilich 
sofort der Einwand erhoben werden, daß man zur Regenerie 
rung eine fremde Stromquelle nötig habe, und ob es unter 
diesen Umständen nicht rationeller sei, lieber von dieser fremden 
Stromquelle direkt die gewünschte elektrische Arbeit leisten zu 
lassen, ohne Zuhilfenahme von Accumulatoren. 
Eine einfache Überlegung zeigt, daß die Anwendung der 
letzteren sich dennoch sehr ökonomisch gestalten kann. In vielen 
Fällen wird die Stromquelle nur wenige Stunden im Tage 
gebraucht (z. B. bei elektrischer Beleuchtung) und es bleibt also 
die ganze übrige Zeit zum Laden der Accumulatoren; d. h. es 
kann die ladende Hilfskraft, da sie lange Zeit 
zurLadung zurVerfügung hat, eine vielschwächere 
sein, als sie sein dürfte, wenn sie für sich allein, 
ohne Zuhilfenahme der Accumulatoren, die ge 
wünschte elektrische Arbeit zu leisten hätte. Be 
sonders rationell wird der Betrieb, wenn man die Einrichtung 
so trifft, daß die Hilfskraft abends den geladenen Accumulatoren 
bei der Beleuchtung mithilft. 
Wichtig ist es, zu beachten, daß es sehr leicht möglich ist, 
den Accumulatoren, da sie durchweg aus ziemlich gut leitenden 
Stoffen bestehen, einen sehr kleinen inneren Widerstand zu geben. 
Die Bedeutung dieses Umstandes darf nicht unterschätzt werden. 
Nicht bloß die übliche Formgebung der älteren Elemente, son 
dern insbesondere auch der Umstand, daß man gezwungen war, 
bei ihnen zur Trenuuug der verschiedenen in ihnen angewandten 
Flüssigkeiten poröse Zellen zu verwenden, bedingten einen im 
allgemeinen durchaus nicht geringen inneren Widerstand des 
Stromerzeugers. Auf jedem Teil des Stromwegs wird aber 
nun Energie in Wärme verwandelt und somit fiir die Zwecke 
der Beleuchtung verloren, im Verhältnis des Widerstands des 
Stromwegs; es folgt daraus, daß hohe Widerstände im Strom 
erzeuger streng zu vermeiden sind, denn sie verzehren nutzlos 
Arbeitskraft und bewirken nur eine Erwärmung desselben. 
Dem Gesagten zufolge hat man die Accumulatoren als 
eine sehr wichtige und äußerst glücklich durchgeführte Verbesse 
rung der alten Elemente zu betrachten, und es wird sich nur 
fragen, in welchem Grade das Erstrebte erreicht ist. Der Um 
stand, daß es heutzutage eine sehr große, sich täglich noch ver 
mehrende Zahl verschiedener Accumulatoren-Konstruktionen giebt, 
läßt vermuten, daß man immer wieder etwas Verbesserungs 
bedürftiges vorfand. Das Augenmerk der Konstrukteure richtete 
sich hauptsächlich auf 3 Punkte, deren Beschaffenheit noch Wünsche 
übrig ließ, nämlich 
1. die zur Neuherstellung von Accumulatoren nötige Zeit, 
die sog. Formierungszeit, 
2. die Haltbarkeit der Accuniulatoren und 
3. die Aufspeicherungsfähigkeit eines bestinimten Accumula- 
torengewichtes. 
Im ersten dieser 3 Punkte dürften wohl die größten Er 
folge zu verzeichnen sein. Die oxydierenden und reduzierenden 
Gase können nur dann rasch und vollständig in die Bleimasscn 
eindringen, wenn letztere sich in einem porösen, schwammigen 
Zustande befinden. Ein solcher wird erreicht durch allmählich 
in der Dauer zunehmendes systematisches Laden und Entladen; 
zu einer derartigen Formierung sind aber viele Monate nötig. 
Eine wesentliche Abktirzung wird erzielt, wenn man gleich von 
vornherein nicht metallisches Blei anwendet, sondern ein poröses 
Oxyd von Blei, etwa Mennige, oder wenn man im Falle der 
Verwendung metallischen Bleies demselben eine recht große, den 
Gasen leicht zugängliche Oberfläche giebt. Beide Wege sind 
eingeschlagen worden und haben gute Resultate ergeben. Wenn 
auch immerhin noch eine wiederholte Ladung und Entladung 
bis zur Betriebsbereitschaft des neuhergestellten Elements nötig 
ist, so ist doch schon eine Formierungszeit erreicht, gegen die 
sich vom technischen Standpunkt kaum noch viel einwenden 
läßt; jedenfalls würde sie kein Hindernis gegen die ausgedehnte 
technische Verwendung von Accumulatoren mehr bilden. 
Leider kann man nicht das gleich günstige Urteil über den 
zweiten Punkt, die Haltbarkeit, abgeben. Die erlangten Er 
fahrungen lassen sich kurz dahin ausdrücken: Während die 
negative Platte (die Bleiplatte) längere Zeit keiner Erneuerung 
bedarf, ist die positive, fortwährend in Superoxyd verwandelte 
Platte einer raschen Zerstörung unterworfen. Sie zerbröckelt 
allmählich; in welcher Zeit sie zu erneuern ist, kann nicht in 
einer bestimmten Zahl ausgedrückt werden, denn es hängt dies 
wesentlich von der Art der Beanspruchung ab. Auch die ein 
zelnen Individuen zeigen große Verschiedenheiten. Es sind 
Fälle bekannt, in welchen die Lebensdauer einer positiven Platte 
zwischen 3 Monaten und 15 Monaten schwankte; über die 
letztere Dauer hinaus darf man wohl nur in seltenen Fällen 
rechnen. Diese Vergänglichkeit erhöht die Betriebskosten wesent 
lich, ist aber für die Betriebssicherheit durchaus nicht so ver 
hängnisvoll, wie es auf den ersten Augenblick den Anschein 
hat; einerseits tritt die völlige Betriebsunfähigkeit nicht plötzlich 
ein, sondern es zeigt sich eine allmähliche Abnahme, welche 
einen rechtzeitigen Ersatz ermöglicht, und andererseits läßt sich 
die ganze Anordnung so treffen, daß man die zerstörte positive 
Platte leicht auswechseln kann, ohne die noch gut erhaltene 
negative zu berühren. — Das Bestreben, eine möglichst kurze 
Formationszeit durch dünne Bleistreifen mit großen Oberflächen 
zu erreichen, kam der Haltbarkeit der Accumulatoren durchaus 
nicht zugute; die dünnen Streifen fielen gar zu leicht ausein 
ander. — In letzter Zeit geschah ein Schritt in der Konstruktion 
der Accumulatoren, welcher in Bezug auf die Verlängerung 
der Lebensdauer vielversprechend erscheint. Es wurden nämlich 
in den Accumulatoren von de Khotinsky die beiden Elek 
troden nicht wie bisher üblich vertikal gestellt, sondern in hori 
zontaler Lagerung auf dem Boden des umhüllenden Gefässes 
angebracht. Über die Elektroden spült die Flüssigkeit, auch hier 
verdünnte Schwefelsäure, frei hinweg. Bei dieser Anordnung 
kann von einein Abfallen des wirksamen Stoffes nicht die Rede 
sein; die Accumulatoren erreichen ihr Ende dadurch, daß all 
mählich die Verbindung der Platten mit den Stromausführungs 
drähten auch an der allgemeinen Oxydation teilnimmt, so daß 
die Verbindung nach außen eine Unterbrechung erleidet. — Von 
anderer Seite hat man die Elektrodplatten eingenäht, um das 
Abfallen des wirksamen Stoffes zu verhüten, ein Verfahren, 
das schon vor längerer Zeit von Faure eingeschlagen, aber 
wegen der damit verbundenen Widerstandszunahme im Element 
und wegen der Zerstörung der Umhüllung wieder aufgegeben 
wurde. Es scheint, als ob die neueren Versuche nach dieser 
Richtung unter gewissen Vorsichtsmaßregeln ein besseres Resultat 
ergeben; wegen Patentfragen ist jedoch zur Zeit nichts Näheres 
darüber mitzuteilen. 
Man ersieht aus dem Gesagten, daß man auf dem Wege 
ist, die Lebensdauer der Accumulatoren zu einer die Praxis 
befriedigenden zu machen; daß man damit endlich auch zum 
Ziel gelangen wird, ist für jeden, der den Entwickelungsgang 
der Elektrotechnik mit Aufmerksamkeit verfolgte, wohl außer 
Zweifel. 
Wie steht es nun mit dem dritten der genannten Punkte, 
d. h. wieviel Meterkilogramme kann 1 kg Accumulatorengewicht 
aufspeichern? Die Ausspeicherungssähigkeit ist etwas theoretisch 
Berechenbares, weil man rechnend bestimmen kann, wie viel 
Arbeit man nötig hat, um die chemischen Veränderungen int 
Accumulator während der Ladung zu bewirken; mehr als nian 
hierauf verwendet, kann man nachher bei der Entladung auch 
nicht zurückerwarten. Nach einer von dem französischen Elek 
triker Ney nier ausgeführten Rechnung soll 1 kg Accumulatoren 
gewicht und Flüssigkeit theoretisch nicht weniger als 55 000 mkg 
aufspeichern können. Praktisch gestaltet sich die Sache natürlich 
ganz anders, denn man kann nicht die ganze vorhandene Blei 
masse in Superoxyd verwandeln, weil sonst rasches Zusammen 
fallen zu befürchten wäre; man muß ferner Flüssigkeit im Ueber- 
schuß vorhanden haben, und außerdem ist ja auch ein Gefäß 
unerläßlich. Berücksichtigt man diese Punkte, so kommt man 
auf eine Leistungsfähigkeit von 11—12000 mkg pro Kilogramm
	        

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