Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1885/86)

lassen, wodurch die genaueste und zuverlässigste Regu- 
s lierung des Brandes ermöglicht ist. 
Eine auf die Ofendeckenplatte gestellte gußeiserne lackierte Was- 
serschale mit Untersatz läßt deren Inhalt in der der Gesundheit 
zuträglichen Weise verdampfen. — 
> Nach dieser ausführlichen Besprechung dieses Ofens No. 37 darf 
bezüglich der ihm verwandten, kleineren Oefen No. 40 und 41 nur 
auf die beigefügte Abbildungstafel und deren Angaben über die Leit- 
> ung der Rauchgase beim Anfeuern und Dauerbrand verwiesen werden, 
i l Diese 2 kleineren Ofensorten No. 40 und 41 werden vom 
- i Hüttenwerk Wasseralfingen in vollständiger Aufstellung und 
: Einmauerung, und durch vier senkrechte Eisenstangen 
zusammengeschraubt in den Handel gebracht, so daß 
bei Aufstellung im Zimmer nur das Ofenrohr noch an- 
[1 zubringen ist, um alsdann die Feuerung in Gang zu setzen. 
Durch dieses vollständige Znsammenmontieren und das^ geringe 
Gewicht ist zugleich ermöglicht, diese Oefen während der Sommer- 
- zeit leicht auf einem geeigneten Bühnenraum aufzubewahren. 
- Jedem dieser Oefen wird eine Konstruktions- und Behandlungs- 
. anweisung beigegeben. — 
: Zum Schlüsse ist die bedeutende Ersparnis an Brenn- 
] material, erzielt durch den gleichmäßig dauernden Brand, die An- 
, s nehmlichkeit stets warmgehaltener, sich während scharfer 
, Winternächte nicht zu sehr abkühlender Zimmer und 
deren Möbel re., sowie die geringe Mühe mit den fortwäh- 
> rend brennenden Oefen, zu betonen: Annehmlichkeiten und 
! Ersparnisse, die, einmal versucht, nicht mehr entbehrt werden möchten. 
■ Es i st gründ verkehrt, an der Anschaffung eines neuen, 
t bewährten Ofens zu sparen, statt an Brennmaterial 
und an der Bedienung. 
Wieviel wird an Brennniaterial in Schulen, in Kontors, Bü- 
reaus und Kanzleien aller Stände verschwendet, statt durch Anschaff 
ung der passenden Oefen und deren sorgfältige Bedienung (für eine 
; größere Anzahl zu erwärmender Räume durch einen eingelernten Hei 
zer) thatsächlich eine Ersparnis und Annehmlichkeit zu schaffen. 
Wie oft wechselt in weitaus den meisten Fällen täglich Ein- 
heizen, Fensteröffnen und wieder Einheizen; diesen Unannehmlich' 
keilen steuert ein ruhig fortwährend brennender Ofen auf das Nach 
drücklichste in einer, der Gesundheit der Menschen zuträglichsten 
Weise. 
Auf eine weitere Ersparnis, dürfte an dieser Stelle aufmerk 
sam gemacht werden, und zwar bezüglich der Austeilung der 
Zimmeröfen in unseren Wohnräumen. Beim Mieten einer 
Wohnung frägt man stets wieviel heizbare Zimmer? oder genauer 
gesagt: steht in jedem Zimmer ein Ofen? O gewiß! — Allein geht 
man die Wohnräume der Reihe nach in alten wie in neuen Häusern 
durch, so fiudet man, daß während der Winterzeit stets ein und 
derselbe Ofen, der Ofen im sogenannten Salon aber nur bei festlichen 
Gelegenheiten geheizt wird, während der Salon sonst, besonders in 
sehr kalter Winterszeit zu einer Art „Eisgrube" wird, in welche bei 
unerwartetem Besuch der Gast dennoch zum Platz nehmen eingeladen 
wird, weil eben noch gar vielfach der Salon das größte, schönste 
Zimmer sein foE, statt dieses zu bewohnen und den Salon für zu em 
pfangende Besuche in ein kleineres Zimmer zu verlegen (besonders 
während der Winterszeit), welches seine Erwärmung aus einem 
der beiden anstoßenden Zimmer erhalten wird. Außer diesen beiden, 
etwa besseren Oefen stehen aber eine mehr oder weniger große Anzahl 
von Lückenbüßern in den Räumen, sogar in den Schlafzimmern umher, 
die immer wieder spekulativ hervorgesucht werden, doch nur un 
nötigen Platz versperren. 
Durch die Anlage des Grundrisses unserer Wohnungen ist der 
Hauptsache nach die Benutzung und die Bedeutung des einzelnen 
Zimmers durch seine Lage gegeben; es könnte somit nicht schwer 
fallen, gleich von Anfang an durch die zweckmäßigst anzustrebende 
Austeilung anerkannt guter, leistungsfähiger, dauerhafter Thon- sind 
Eisenöfen die obengenannte Ersparnis zu Nutzen des Bau- oder Miet 
herrn und des Mieters selbst zu erlangen, so daß nur etwa in je 
dem zweiten Zimmer ein zuverlässiger, angenehmer Ofen zu stehen käme. 
Ueber die Form der thönernen und eisernen Oefen in ihrer 
dekorativen und fertigen Ausstattung möchte der Verfasser bei einer 
späteren Gelegenheit berichten, und hier nur noch den Wunsch aus 
sprechen, daß diese Zeilen manchem von Interesse und Nutzen sein 
mögen, der ungenügende oder schlimme Erfahrungen irgend welcher 
Art mit seinen Zimmeröfen gemacht hat. 
i 1 
: ' Beilage 3. 
Mitteilung 
’ ! des Herr« Lwilingeaieur K. Weigeli« iider deffen patentierte Negulier-Miliife«, 
vorgetragen am 14. November 1885. 
1 
J 
Anschließend an das über Amerikaner- und andere Zimmer- 
Oefen Miegeteilte möchte ich mir erlauben, des Meidiuger-Ofens 
f mit einigen Worten zu erwähnen. 
Zunächst erinnere ich an die glänzenden Zeugnisse, die Kapi- 
1 tän Koldewey von der zweiten deutschen und Julius Payer 
von der österr.-uugarischen Nordpolexpedition (deren Schiffslokali- 
) ' täten mit Meidinger-Oefen geheizt waren) dieser einfachsten aller 
’ Ofenkonstruktionen ausgestellt haben. 
Trotz dieser außerordentlichen Erfolge und anderer Anerkenn- 
l nngen zeigt es sich, daß dieser Ofen wenig mehr begehrt ist, und 
* häufig sogar ungünstige Urteile über denselben laut werden. 
Diese Urteile sind nicht unbegründet, und finden im folgenden 
; ihre Erklärung: 
Auf den genannten Expeditionen war der Meidinger-Ofen in- 
‘ sofern äußerst günstig placiert, als die herrschende große Kälte der 
- höheren Breiten ein Lebhaft-Breunenlassen des Ofens immer ge- 
' stattete. 
. Die guteil Eigenschaften desselben, die keine andere Ofeukon- 
strnktion in solchem Grade besitzt: 
das gänzliche Fehlen strahlender Hitze, 
das gleichmäßige, behagliche Durchwärmtsein 
des Lokals, 
die kaum nennenswerte Bedienung, 
die er selbst bei kontinuierlichem Tag- und Nachtbrennen verlangt, 
zeigen sich, wenn er lebhaft brennen darf, ain allerschönsten. 
Anders verhält sich die Sache, wenn es in unseren Breiten 
im Frühjahr und Herbst kühl ist, nicht warm und nicht kalt; wenn 
die Wohnung, um behaglich zu sein, geheizt werden muß, und doch 
eine angenehme Temperatur durch die Heizung bald überschritten 
ist. — Diese letzteren Verhältnisse sind die ungünstigsten, und der 
eigentliche Prüfstein für eine gute Ofenkonstruktion; denn in diesem 
Fall soll das Feuer zwar fortbrennen, aber nur äußerst lang 
sam. — Diese Prüfung besteht der Meidinger nicht; entweder brennt 
er immer noch zu stark, oder findet man ihn nach kurzer Zeit er 
loschen. — Dieses „entweder—oder" deutet auf zwei Fehler des Ofens 
hin, von denen der eine in der Regulierung, der andere im Bau 
des Ofenkörpers liegt. 
Die Regulierung erfüllt zwar zwei unerläßliche Bedingungen 
an eine solche: 
1) Einfachheit in Konstruktion und Bedienung, und
	        

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