Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1885/86)

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2) die Möglichkeit der Luftzufuhrreduktion bis auf Null, wo 
durch jederzeit die Verbrennung aufgehoben werden kann. Allein 
sie muß nach dem Augenmaß geschehen, und eine Haarbreite ent 
scheidet über das Zuviel oder Zuwenig; sie ist nicht markiert, 
und eine minimale Bewegung der Regulierklappe hat eine zu große 
Wirkung. 
Der zweite Fehler besteht darin, daß der eigentliche Feuerraum, 
das Glutbett, mit gutwärmeleitender (eiserner) Wand umgeben ist. 
Dies hat zur Folge, daß bei verlangsamter Verbrennung das 
Verhältnis zwischen Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe für erstere 
zu ungünstig, die Temperatur im Glutbett zu nieder für eine gute 
Verbrennung wird, und diese daher aufhört. Dies ist auch der 
Grund, weshalb die Koks, dieses fiir Zimmerheizung beste und 
billigste aller Brennmaterialien, in den gewöhnlichen eisernen Zimmer 
öfen nicht brennen wollen. 
Wenn in nachstehendem noch weitere Fehler der Konstruktion 
angeführt werden, so geschieht es nur der Vollständigkeit wegen; 
sie sind insgesamt geringfügig gegen die Originalität und die vielen 
Lichtseiten des ganzen Äpparats. 
Solche Fehler sind: die etwas unbequeme Füllung des Ofens 
mit Brennmaterial. Bei den niederen Ofensorten muß ein Blech 
trichter herbeigeholt, und nach dem Füllen wieder entfernt werden; 
bei den hohen Sorten ist seitlich eine Füllöffnung mit Verschluß 
klappe angebracht, welch' letztere jedoch nicht derart konstruiert ist, 
daß ein Verstreuen von Brennstoffteileu auf den Zimmerboden aus 
geschlossen ist. 
■ Ferner sind die zwei konzentrischen Blechmäntel, die den guß 
eisernen Ofencylinder umgeben, zu eng gestellt und an diesen gerückt, 
so daß die Zirkulation der Zimmerluft durch dieselben zu sehr ge 
hindert und verlangsamt ist. 
Ich habe durch Weiterstellen dieser Mäntel bei meiner eigenen 
Ofenkonstruktion und durch rechteckige Form derselben, wodurch in 
den 4 Ecken bedeutend erweiterte Kanäle beschafft waren, die Boden 
temperatur des Zimmers um 3,5« C. erhöht, und die Differenz 
zwischen Decken- und Bodentemperatur um 10,5" C. vermindert. 
Den angegebenen Fehlern gegenüber stehen die schon oben er 
wähnten Vorteile, denen sich noch folgende anreihen: 
Durch den cylindrischen Bau des eigentlichen Ofens und das 
Fehlen von sog. Bratröhren ist erreicht, daß keine vertikalen Fugen 
vorkommen (außer denjenigen an den aufgehobelten Klappen), welche 
dem Dichthalten des Ofenkörpers unübersteigliche Schwierigkeiten 
bereiten, und dadurch das regelrechte Funktionieren der Regulierung 
immer alterieren. Die wenigen horizontalen Fugen sind dagegen 
durch zwei innerhalb der Mäntel angebrachte, also von außen nicht 
sichtbare Schlaudern, welche das oberste Cylinderstück des Ofens mit 
dem untersten verbinden, vor dem Undichtwerden dauerhaft und voll 
ständig gesichert. 
Die fehlende, oft so viel verehrte Bratröhre ist durch deu 
großen, durchbrochenen, ganz horizontalen Manteldeckel des Apparates 
zum guten Teile ersetzt. Es läßt sich auf deinselben ein ganzes 
Mittagessen warm stellen; ferner läßt sich durch Oeffneu der beiden 
oberen Deckel ein Wassertopf in den Ofen hängen, in welchem das 
Wasser leicht bis zum Sieden sich erwärmt. — Im weiteren ist je 
doch au dem gewiß richtigen Grundsatz festgehalten, daß das Kochen 
in die Küche gehört. 
Der Meidinger-Ofen ist ein ganz kontinuierlicher Heizapparat. 
Oben werden die Brennstoffe eingefüllt, unten die Asche herausge 
nommen. Das Nachfüllen kann jederzeit geschehen. Diese Kontinuität 
ist erreicht durch das gänzliche Fehlen eines Rostes, und es sind 
damit die großen Vorteile gewonnen, daß kein Verstopfen eines 
Rostes vorkommen kann, ein Leeren des Ofens nie nötig wird, und 
daß die Hände nie die Stelle des Kohlenlöffels zu ersetzen haben. 
Vorkommende Schlackenkonglomerate rutschen samt der Asche nieder, 
und werden mit dieser mittels des Löffels ausgeschöpft. Diese 
Thätigkeit ist in 12 Stunden einmal nötig. Die Reinigung des 
Rauchrohrs hat im Winter einmal zu erfolgen; der Ofen selbst 
braucht gar nicht gefegt zu werden. Diese Reduzierung der 
Bedienung reduziert auch die Stauberzeugung im Zimmer auf ein 
Minimum. 
Bei allen Füllöfen, bei denen der Rauch die Brenustoffschichte 
durchdringeu muß, geht die Verbrennung mit geringer Ueberschreit- 
uug der chemischen Luftmenge vor sich. 
Ferner nehmen bei diesen Oefen die heißen Rauchgase ihren 
Weg zum größten Teile der Füllcylinderwaud entlang (weniger 
in: Innern der Füllung), weil an der Wand relativ mehr und 
größere Zwischenräume sind, als im Innern. Aus diesem Grunde 
wird der größte Teil der Rauchgaswärme an die Ofenwände über 
tragen und nutzbar gemacht. 
Bei andern Oesen dagegen, wo die Rauchgase durch einen 
leeren Ofencylinder streichen, wird die Wärme der im Innern des 
Cylinders befindlichen Gasmengen viel weniger nutzbar wegen der 
schlechten Wärmeleitungsfähigkeit der Gase. t 
Dies erklärt die große Leistungsfähigkeit des Meidingers bei 
sehr kleinem Ofeukörper, und ferner die Thatsache, daß man meistens , 
die Hand an das Rauchrohr des brennenden Ofens dauernd legen 1 
kaun. Beim Meidinger wird der Brennstoffverbrauch jedoch dadurch , 
noch wesentlich vermindert, daß mit dem Schließen der Klappe die j 
Verbrennung sofort aufhört, welche Eigenschaft nur der Gasofen 
vollständig mit demselben teilt. Diese Brenustoffökonomie ist aber 
noch durch den Umstand gesteigert, daß nach dem Schließen der ; 
Klappe die in der ganzen Füllung enthaltene Wärme nach und nach 
an das Zimmer abgegeben, und wie beim Thonofen ein mehrstün 
diges Nachheizen geliefert wird. Nicht unerwähnt darf ich lassen, 
daß der Meidinger der kompendiöseste Zimmerofen guter Qua 
lität ist. 
Wenn ich im folgenden meinen eigenen patentierten Regulator 
ofen , (vergl. Nr. 35 u. 36 auf Bl. 1) bei dem das Meidinger- 
System vollständig beibehalten ist, noch anführe, so ermöglicht mir 
das Vorstehende, mich kurz zu fassen. 
Ich habe den Feuerraum gefüttert und ihn dadurch wärme- i 
haltend konstruiert. Ferner wurde die untere Klappe mit einer \ 
ventilartigen mit Zeiger versehenen Regnlierklappe, dem sog. Regu- z 
lator, versehen, welcher so eingerichtet ist, daß eine Kreisdrehung 
des Zeigers das vollständige Oeffnen desselben bewirkt. Außerdem 
ist der Regulator wie eine Uhrtafel mit den Zahlen 1—12 und 
zwischen diesen noch mit Teilstrichen versehen, so daß der Zeiger 
immer die genaue Stellung des Regulators angibt, und letzterem 
eine gewünschte Stellung gegeben werden kann. Endlich ist an die ! 
obere seitliche Füllklappe ein Fülltrichter scharnierartig angehängt, ! 
der bis in den Ofenkörper reicht, so daß beim Füllen des Ofens j 
keine Brennstoffteile sich verstreuen können. Mit dem Schließen der s 
Klappe schiebt sich dieser Trichter von selbst in deu Ofencylinder \ 
hinein; beim Oeffnen erhält er selbstthätig die richtige Stellung. 
Ich brauche die Wirkung dieser Veränderungen nach dem Vor- z 
stehenden nicht weiter auszuführen, und erwähne nur, daß mein 
Ofen bis zu 12 Stunden mit einer Füllung brennt, ohne daß er 
irgend wie durch Bedienung gefördert wird. Die Wirkung der recht- j 
eckigen Mäntel ist bereits erwähnt. 
Zum Schluß muß ick noch auf den ganz fehlerhaften Gebrauch 
aufmerksam machen, daß bei uns der Hausbesitzer die Zimmeröfen 
anschafft. Dieser kauft häufig billige eiserne Oefen, und es bleibt 
dem Mieter überlassen, die unangenehuie, gesundheitsschädliche Heizung 
zn ertragen und den verschwenderischen Ofen mit Brennstoff zu 
versehen. In jeder Wohnung stehen 4, 5 und mehr Oefen, um 
so und soviele heizbare Zimmer aufzählen zu können, mährend für ( 
eine Wohnung resp. zur Heizung von 2—5 Zimmern gewöhnlich 2 
gute Oefen genügen. 
Wenn ich dagegen jedermann folgende Sätze zu beherzigen I 
empfehle: „Wer eine behagliche Heizung haben will, muß seine i 
Oesen selbst anschaffen," — und „Oesen die nur ein paar Zentner : 
wiegen und in 2 Stunden auseinander genommen und wieder ans- j 
gesetzt werden, können beim Wohnungswechsel ganz gut mitgenommen ' 
werden" — so habe ich dabei das Wohl des Publikums im Auge, : 
und dasjenige — des Regulator-Ofens.
	        

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