Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1885/86)

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kleineres, zwischen Sammluugs und Verwaltungsgebäude liegendes 
Vestibüle zn der in den 1. Stock führenden Treppe, beziehungsweise 
zu dem vor den Lesesäle» und den Arbeitszimmern der Bibliothekare 
befindlichen, schon früher beschriebenen Vestibüle mit Säulenumgang 
und Marmorballustrade. 
Der große, zur Aufnahme von Prachtwerkeu bestimmte Bücher 
saal, zu dem man durch das Expeditionszimmer im 1. Stock des 
Verwaltungsgebäudes gelangt, hat eine Länge von 19 m, eine Breite 
von 14 m und eine Höhe von 11 m. 
Derselbe ist in 3 Etagen übereinander ringsum mit Galerien 
umgeben und erhält sein Licht durch ein großes, 4,1 m breites, 
9,66 m hohes Fenster in der Außenwand des Mittelrisalits der 
Fassade gegen die Neckarstraße, sowie durch ein Oberlicht, welches 
zugleich den obenerwähnten obersten Viichersaal im Mitteltrakt er 
hellt. Decke und Boden des letzteren, sowie die Spiegelgewölbe des 
darunter befindlichen 11 m hohen Saals, sind an den den Mittel 
ban überdeckenden eisernen Dachstuhl aufgehängt, und ist das Ober 
licht nach dem patentierten Systeme des Herrn Professor Göller 
eingedeckt. 
Die vorgenannten Räume sowohl als das rückwärts derselben be 
findliche, sämtliche Etagen des Mittelbaus und der Seitentrakte des 
Sammlnngsgebäudes verbindende Treppenhaus sind, ungeachtet der 
großen, 27 rn betragende Tiefe des Mitteltrakts, reichlich erleuchtet. 
Den Besuchern wurden gedruckte Notizen über die Belastung 
einzelner Gebäude- und Koustruklionsteile, und die erwachsenen Bau 
kosten eingehändigt, von denen die wichtigeren auch hier Raum 
finden mögen. 
Der gesamte eiserne Einbau der Büchersäle zur Rechten und 
Linken des Mittelbaus ruht im Paterrestock auf gußeisernen Säulen 
mit 25 cm äußerem Durchmesser und 2 cm Gußstärke. Die Be 
lastung jeder einzelnen Säule beträgt 52 656 kg. 
Von den aus Maulbronner Werksteinen erstellten Steinpfeilern 
des Souterrains, auf welchen die gußeisernen Säulen aufgesetzt sind, 
wird der qcm mit 10 kg belastet, das Erdreich unterhalb der Stein 
pfeiler und deren Fundamente aber pro qcm mit 3 kg. 
Die aus Walzeisen gefertigten Ständer des eisernen Einbaus 
der Bücherräume haben in 4 Etagen einen Druck von 13188 kg in 
der obersten Etage, bis 39 288 kg in der untersten zu erleiden. 
Die aus II- und T-- Trägern bestehenden Gebälke zwischen den 
Ständern, auf welchen die Bücherrepositorien ruhen, sind pro kauf 
enden Zentimeter mit 6 kg belastet und beträgt das spezifische Ge- 
Gewicht der Bücher 0,6 kg, das Gewicht eines Kubikmeters somit 
600 kg. 
Der Bauaufwand für den, mit Ausnahme des plastischen Schmucks 
der Fassade an der Neckarstraße nunmehr vollendeten Bau berechnet 
sich auf 1 579 376 Ji 
hierzu kommen: 
für Grunderwerbung über Abzug von Erlösen . . 236 210 Ji 
für die Entwässerung der Baustelle, unterhalb welcher 
nach Eröffnung der Baugruben täglich ca. 120 cdm 
reines, von den oberhalb befindlichen Bergen zu 
fließendes Wasser abflössen, welche in den Nesenbach 
abgeleitet wurden 17 023 JL 
für die eiserne» Bücherrepositorien mit hölzernen 
Bücherauflagebrettern und sonstigem Zugehör . . 121 805 
für Mobiliaraufwand . . 24 133 Ji 
für Gartenanlagen nebst Springbrunnen . . . 12 874 Ji 
zusammen 1 991 421 Ji 
Bei 3478 qm überbauter Grundfläche berechnet sich daher der 
Quadratmeter auf 454 Ji 10 Ps. und bei 
69369 cbm Raunigehalt der Kubikmeter auf 22 JL 76 Pf. 
Von den bezahlten Einzelpreisen dürften die nachstehenden hier 
aufgeführt werden. 
Granitstufen aus den v. Normannschen Granitwerken 
in Metten bei Passau, profiliert und poliert, pro lauf 
enden Meter 23 Ji 
Granitsockel und Gesimse ans dem bayrischen Fichtel 
gebirge, pro Kubikmeter durchschnittlich 450 Ji 
Ein Säulenschaft ans gelbein Marmor aus den Marmor 
hüttenwerken in Belvoye (Jura), 3,08 m lang . . 200 JL 
Eine Säulenbase aus weißem Marmor...... 150 Ji 
Ein Kapitell samt Ornierung 250 Ji 
Ein Säulenschaft aus rotem Marmor, rouge nntique, 
geliefert von der Compagnie des Marbres d’Arni 
et des Usines de Belvoye (Vertreter A. Violet in 
Paris) 2,85 m laug 400 Ji 
Terrazzobödeu von 6,50 Ji bis 10 und 16 Ji pro Qua 
dratmeter. 
Wandflächen aus Stuckmärmor mit farbigen Friesen, pro 
Quadratmeter 22 Ji 
Gesimse verhältnismäßig mehr. 
Bodenbelag mit eichenen, 33 mm starken gefederten beider 
seits gehobelten Riemen, pro Quadratmeter . . 8 Ji 50 Pf. 
mit 16°/o Abzug. 
100 kg Walzeisen zu dem eisernen Einbau, je nach Länge 
13,77 bis 15,77 Ji 
mit 11 ‘/e °/o Abzug. 
Montierungskosten pro 100 kg 2 Ji 59 Pf. 
mit 29 a lo Abzug. 
Dachstuhl über dem Mittelbau pro 100 kg Schmied-, 
Walz- und Gußeisen, verglichen 29 Ji 
Dachstuhl über dem Verwaltungsgebäude: Schmied- und 
Walzeisen samt Montierung und Aufstellung pro 100 kg 31 Ji 50 Pf. 
Gußstahlrollläden pro Quadratmeter 22 bis 26 
Betonboden, Mischungsverhältnis 1 : 8, mit 3 cm starkem 
Ueberzug 5 Ji 20 ^f. 
Betonboden zwischen eisernen Trägern . . . . . 5 Ji 90 Sßf. 
Der Bau wurde im Jahr 1878 begonnen, im Jahr 1883 bis 
zu dem Mitteltrakt, Ende 1885 vollständig beendigt, und nahm somit 
im ganzen acht Jahre in Anspruch. 
Als bei diesen! bedeutenden Bauwesen mitwirkende Kräfte 
werden von dem Erbauer Oberbaurat v. Land au er rühmend und 
dankbar erwähnt: bei Vorbereitung und Ausführung des Bans die 
zu verschiedenen Zeiten thätigen Herrn Professor Rauscher, Bau 
inspektor C. Beisbarth, Regierungsbaumeister G. Landauer, 
A. Beger und F Mayser, Regierungsbauführer A. Held und 
Bauführer, Werkmeister F. Raupp; sodann bei Erstellung besonderer 
Gebäudeteile: 
Herr Oberbaurat Dr. v. Ehmann bezüglich der mit bekannter 
Sachkenntnis bewerkstelligten Entwässerung der Baustelle und bei 
Anlage der Springbrunnen mit Wasserzu- und Ableitung; 
Herr Professor Laißle bei Feststellung der Konstruktion des 
Hängewerks über dem großen Bttchersaal im Mitteltrakt des Samm- 
luugsgebäudes; 
Herr Professor Göller bei der nach dessen System ausgeführten 
Verglasung des großen Oberlichts auf dem vorgenannten Gebäude 
trakt, sowie 
Herr Professor Gunzenhauser bezüglich der Bemalung der 
Decken in dem großen Büchersaal und dem Vestibüle des Mittelbaus. 
Aon Industriellen werden hervorgehoben: 
Die Herrn Gebrüder Decker in Cannstatt und deren Nach 
folgerin, die Maschinenfabrik Eßlingen, bezüglich der Herstellung des 
eisernen Einbau's und der eisernen Dachstühle im Sammluugs- und 
Verwaltungsgebäude, sodann die Herren Fabrikanten C. Leins LCie. 
dahier bezüglich der Anfertigung der Gußstahlrollläden und des 
schmiedeisernen Eingangthors, und die Herr» Zimmermaler C. Stähle 
und E. Wörnle bezüglich der Plafondmalereien im Verwaltungs- 
und Sammlungsgebände. 
Schließlich dürfen ivir auch auf die mit Grund- und Durch- 
schnittsrisseu belegte Beschreibung des Bibliothekgebäudes in dem 
vom Verein für Baukunde im Jahr 1884 herausgegebenen Führer 
durch die Stadt Stuttgart und ihre Bauten S. 66—72 verweisen.
	        

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