Full text : Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1885/86)

Zeitschriften  sei  nun  gut  geordnet.  Die  Lesetage  seien  wegen
Mangels  eines  geeigneten  Lokals  nur  schwach  besucht  gewesen.
Redner  möchte  dem  neuen  Ausschuß  die  Beschaffung  eines  passenden
Vereinslokals  dringend  ans  Herz  legen.
Die  auswärtige  Zirkulation,  die  ganz  vom  guten  Willen
der  einzelnen  abhängig  sei,  habe  bis  jetzt  nicht  zur  Zufriedenheit
geregelt  werden  können.
Oberbaurat  v.  Schlierholz  lobt  die  Zirkulation  in  Stuttgart. ­
  Die  Vereinsmitglieder  in  Ulm  wünschen  bezüglich  des
Aufliegens  der  Zeitschriften  ein  Abkommen  mit  dem  dortigen
Museum;  hieriiber  habe  der  neue  Ausschuß  zu  bestimmen.
Redner  teilt  hierauf  den  neuen  Etat  mit.  Derselbe  schließt
mit  einer  Gesamtsumme  von  5082  ab.
Die  Sekretariatsgeschäfte  seien  seither  von  Jngenieurassistent
Laistner  unentgeltlich  besorgt  worden;  da  nun  der  seitherige
Unterbibliothekar  von  seiner  Stelle  zurücktreten  wolle,  so  schlage
er  vor,  die  Stelle  des  Sekretärs  mit  der  des  Unterbibliothekars
zu  vereinigen.
Baurat  Rh  ei  nh  ard  stellt  den  Antrag,  dem  Ausschuß  Vollmacht ­
  zu  geben,  innerhalb  des  Rahmens  der  im  Etat  ausgesetzten
Gehaltssumme  einen  neuen  Unterbibliothekar  und  Sekretär  aufzustellen. ­
  Ferner  soll  der  Ausschuß  ermächtigt  werden.  Schritte
wegen  Beschaffung  eines  geeigneten  Vereinslokals  zu  thun.
Hiemit,  sowie  mit  dem  Etat,  ist  die  Versammlung  einverstanden. ­

Oberbaurat  v.  Schlierholz  hat  die  Wahl  zum  Vereinsvorstand ­
  das  letzte  Mal  nur  im  Hinblick  auf  die  in  Aussicht  !
stehende  Verbandsversammlung  angenommen  und  bittet  wiederholt,
ihn  bei  der  diesjährigen  Wahl  nach  12jähriger  Vorstandschaft
nicht  mehr  zu  berücksichtigen;  gleichen  Wunsch  bringt  Hofbaudirektor ­
  v.  Egle  vor.
Unter  dem  Vorsitze  des  Oberbaurat  v.  Hänel  als  Alterspräsident ­
  geht  hierauf  die  Wahl  des  neuen  Ausschusses  vor  sich,
wobei  64  qiltiqe  Stimmzettel  abgegeben  werden.
Gewählt  sind:
Oberbaurat  v.  Hänel  .  .  .  mit  57  Stimmen,
Jngen.-Assistent  Laistner  .  .  ,,  55
Professor  Walter  ....  „54
Professor  Weyrauch.  .  .  .  „  53  „
Baurat  Kaiser  „52
Oberbaurat  Leibbrand.  .  .  „48  „
Professor  Göller  „44
Dr.  Huber  „41
Baurat  Rheinhard....  „41  „
Weitere  Stimmen  erhielten  und  sind  daher  Ersatzmänner
für  den  Ausschuß:
Oberbaurat  v.  Bok  .  .  .  .  mit  21  Stimmen,
Reg.-Baumeister  Weigle  .  .  „21  „
Reg.-Baumeister  Ocker  t.  .  .  „16  „
Bauinspektor  v.  Seeger  ..„  10  „  rc.
Der  Schriftführer:
Canz.
Auf  den  geschäftlichen  Teil  folgte  wie  üblich  ein  gemeinsames ­
  Nachtessen,  an  welchem  sich  52  Mitglieder  beteiligten.
Der  erste  Trinkspruch  galt  dem  seit  12  Jahren  thätig  gewesenen,
nun  aus  dem  Ausschuß  scheidenden  Vereinsvorstande  v.  Schlierholz ­
  unter  dankbarer  Anerkennung  seines  gedeihlichen  Wirkens
und  seiner  außerordentlichen  Hingabe.  Derselbe  erwiderte  mit
dem  Ausdruck  des  Dankes  für  die  ihm  gewordene  Unterstützung
und  mit  einem  Toast  auf  den  neuen  Ausschuß  und  den  zukünftigen ­
  Vereinsvorstand,  welchem  es  gelingen  möge,  dem  vorgesteckten ­
  Ziele  immer  näher  zu  kommen,  und  das  Jntereffe
der  Bkitglieder  zu  steigern.  In  weiteren  Trinksprüchen  wurden
als  langjährige  treue  Vereinsbeamte  der  Vizevorstand  v.  Egle
und  der  Kassier  v.  Bok  gefeiert,  rc.  An  das  Mahl  schloßen
sich  höchst  gelungene  humoristische  Aufführungen  jüngerer  Vereinsmitglieder ­
  an,  unter  denen  sich  besonders  die  Herren  Dobel,
Laistner,  Bareiß  jun.  auszeichneten.  Unter  anderem  wurde

Göthe's  „Sänger"  deklamiert  unter  Vorführung  von  darauf
bezüglichen  lebenden  Bildern;  Vorträge  wurden  gehalten  mit
komischen  Darstellungen  aus  dem  Gebiete  der  Architektur,  Konstruktion ­
  und  Dekoration;  eine  Maschine  wurde  vorgeführt  zur
Beantwortung  von  Fragen  aus  dem  Fragekasten,  desgl.  eine
zwerghafte  Gebirgsjägerfamilie;  ein  Lied:  die  Sorgen  des  Vorstands ­
  und  seine  Anhänglichkeit  an  den  Verein,  wurde  vorgetragen,
und  Episoden  vom  Verbandsfeste  u.  s.  w.  wurden  in  Schnaderhüpfeln
  behandelt.  So  verlief  der  Abend  in  schöner  Eintracht
und  allgemeiner  Heiterkeit,  und  schloß  mit  einem  Toast  auf  die
Akteurs,  welche  so  wesentlich  zur  Unterhaltung  beigetragen  hatten.

Krste  ordentliche  Versammlung,
am  24.  Januar  1885,  abends  8  Uhr.
Vorsitzender:  v.  Hänel.
Schriftführer:  Laistner.
Anwesend:  34  Mitglieder  und  2  Gäste.
Nach  Eröffnung  der  Sitzung  spricht  der  Vorsitzende  dem
Verein  den  Dank  für  die  Wahl  seiner  Person  in  den  Vereinsausschuß ­
  aus  und  knüpft  daran  die  Mitteilung,  daß  der  Ausschuß ­
  ihn  zum  Vereinsvorstande  gewählt  habe.  Er  wisse  die
Ehre  voll  zu  würdigen,  die  ihm  damit  widerfahren,  verkenne  aber
auch  die  Pflichten  nicht,  die  ihm  aus  seinem  neuen  Amt  erwachsen ­
  ;  namentlich  liege  für  ihn  eine  Schwierigkeit  darin,  daß
er  beruflich  nicht  in  der  eigentlichen  Baupraxis  stehe  und  daß
er  die  Vereinsleitung  aus  den  Händen  eines  Vorstandes  zu
übernehmen  habe,  dem  es  durch  Umsicht  und  unermüdliche
Thätigkeit  gelungen  sei,  den  Verein  auf  seinen  jetzigen  Stand
zu  bringen.  Doch  dürfe  er  die  Versicherung  geben,  daß  er  mit
bestem  Willen  an  seine  Aufgabe  herantrete.  Er  bitte  die  Mitglieder, ­
  auch  ihrerseits  durch  thatkräftige  Unterstützung  die  Weiterentwicklung ­
  des  Vereines  zu  fördern.
v.  Schlierholz  dankt  wiederholt  für  die  freundliche  Unterstützung, ­
  die  ihm  von  allen  Seiten  während  seiner  Thätigkeit
als  Vorstand  zu  teil  geworden  ist  und  für  die  Anerkennung
seiner  Leistungen  seitens  des  Vorredners.  Er  wünscht  dem
Verein  weiteres  fröhliches  Gedeihen  und  vor  allem  rege  Teilnahme ­
  der  Mitglieder.  Zur  Bekräftigung  des  Vorsatzes  zu
einer  solchen,  bittet  er  die  Versammlung,  sich  zu  erheben.  Dies
geschieht.
Der  Vorsitzende  berichtet  nun  über  die  Zusammensetzung
des  Vereinsausschusses  und  die  Aemterverteilung  in  demselben.
Nachdem  Baurat  Rheinhard  die  auf  ihn  gefallene  Wahl  in  den
Ausschuß  abgelehnt  hat,  ist  Oberbaurat  von  Bok  für  denselben
eingetreten,  da  der  mit  gleicher  Stimmenzahl  zum  Ersatzmann
gewählte  Reg.Baumeister  Weigle  auf  den  Eintritt  verzichtet  hat.
Das  Resultat  der  in  der  1.  bezw.  2.  Ausschußsitzung  vorgenommenen ­
  Aemterverteilung  ist  folgendes:
Vorstand:  Oberbaurat  v.  Hänel.
Stellvertreter  desselben:  Oberbaurat  Leibbrand.
Schriftführer:  Prof.  Göller,
Jng.-Ass.  Laistner  und
Prof.  Dr.  Weyranch.
Kassier:  Oberaurat  v.  Bok.
Bibliothekar:  Baurat  Kaiser.
Stellvertreter  für  diese  Vereinsbeamten:  Dr.  Huber.
Ohne  spezielles  Amt  bleibt:  Prof.  Walter.
Hierauf  werden  die  Herren  Reg.-Baumeister  Weigelin
und  Baumeister  Reichert  als  Gäste  willkommen  geheißen.  —
Es  folgt  die  Verlesung  und  Genehmigung  des  letzten  Protokolls
pro  1884  und  des  ersten  pro  1885  und  die  Bekanntgabe  der
Einläufe  (u.  a.  Prospekt  der  Kröberschen  Wassersäulenpumpe  und
die  neuesten  Mitteilungen  der  Ecoles  speciales  de  Gand).
Der  Vorsitzende  teilt  weiter  mit,  daß  die  Herren  v.  Kankelwitz,
  Pilgrim,  Rampacher,  Stifel  und  Wagner-Darmstadt
  ihren  Austritt  aus  dem  Verein  angemeldet  haben,
daß  dagegen  zwei  Aufnahmsgesuche  vorliegen:  von  Reg.-
            
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