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empfiehlt unter Hinweis auf die interessanten im diesjährigen Februarheft
der annales des ponts et ehaussees erschienenen Abhandlungen
die in Frankreich übliche und durch manche Beispiele schon erprobte
Wölbemethode. Was die von Rheinhard ausgesprochene Erwartung
betreffe, daß bei der neuen Cannstatter Neckarbrücke der Steinbau
zur Anwendung kommen werde, so seien zwar die betreffenden
Projektierungsarbeiten noch keineswegs abgeschlossen, es lasse sich aber
jetzt schon sagen, daß die Kosten einer steinernen Brücke diejenigen
einer eisernen nur wenig übersteigen werden. Zudem glaube er
versichern zu können, daß die gerade bei dieser Brücke in den Vordergrund
zu stellenden ästhetischen Rücksichten gebührende Beachtung
finden werden.
, Rheinhard verwahrt sich dagegen, als habe er mit der von
ihm empfohlenen Wölbemethode etwas ganz Neues bringen wollen.
Neu sei bloß, daß er den Beweis geliefert habe, daß Stein und
Mörtel zu einem homogenen Ganzen verbunden werden können,
was bis vor wenigen Zähren noch von manchem tüchtigen Techniker
bezweifelt worden sei.
Nach einigen weiteren Auseinandersetzungen zwischen Rheinhard
und Kölle und Beantwortung einzelner von v. Hänel
gestellten Fragen in Betreff der von Rheinhard ausgeführten
Brücken wird der Gegenstand verlassen.
v. Hänel dankt noch für die reichliche Beitragszeichnung in
der eingangs der Verhandlungen in Umlauf gesetzten Liste, worauf
der Vorsitzende, da weiteres Material nicht vorliegt, den offiziellen
Teil des Abends um 11 Uhr schließt.
Der Schriftführer:
L a i st n e r.
Werte gesellige Bereinigung am 4. Juni 1887.
Anwesend 31 Mitglieder.
Der Vorstand macht die Mitteilung, daß die ans den Abend
in Aussicht genommene Ausstellung der prämierten Hcilbronner
Schulhausentwürfe nicht habe stattfinden können, da sie nach Mitteilung
des Herrn Stadtbaumeister Wenzel den dortigen bürgerlichen
Kollegien bei ihrer Beratung zur Hand sein müßten. Im
Wintersemester werde eine Ausstellung der Pläne in Verbindung
mit anderen Beiträgen zu einem Architekturbild von Heilbronn
ermöglicht werden können. Die Sänger des Vereins widmen dem
anwesenden Herrn Oberbaurat v. Hänel einen Chorgesang zum
vierzigsten Jahrestag der Eröffnung seiner Lehrthätigkeit am K.'Polytechnikum,
und an diese Huldigung anknüpfend gedenkt der Vorstand
dieser Feier mit warmen Worten, worauf sich die Glückwünsche
der Anwesenden in einem Salamander vereinigen.
Kamilienausflug nach Keilöronn, Iagkfckd und Wimpfen
am Sonntag den 19. Juni 1887.
Von Stuttgart aus 49 Personen, worunter 14 Damen. In Bietigheim
und Heilbronn schließen sich weitere Mitglieder an, so daß die Zahl der
Teilnehmer sich auf 62 erhöht.
Abfahrt von Stuttgart mit Zug 7. 25 in eigenem Wagen.
In Heilbronn von den dortigen Mitgliedern und denen aus Jagstfeld
am Bahnhof empfangen, besucht die Gesellschaft zuerst die
Wasserradanlage und begiebt sich dann auf ein Kettenschleppschiff,
um bis in die Nähe des Salzwerks den Neckar hinabzufahrcn.
Herr Direktor Harttung erklärt während dieser Fahrt die
Einrichtung des Kettenschleppers und den Betrieb der Schiffahrt.
Hierauf Besichtigung der Papierfabrik der Herren Schäufseien,
in deren Garten die Gesellschaft durch einen vorzüglichen Frühschoppen
mit Gabelfrühstück überrascht wird. Daß hiedurch das
Programm des Ausflugs, wonach ein Frühstück im Harmoniegarten
vorgesehen war, in einem wesentlichen Teil umgestoßen wird, giebt
dem Vorstand Anlaß zu einem Monolog über die Vergänglichkeit
aller Entwürfe einer Vereinsleitung, der sich schließlich zu einem
Salamander auf das gastfreundliche Haus Schäuffelen erweitert.
Die anschließende Wanderung zu den wichtigeren Hochbauten der
Stadt findet auf dem Kranz des Kiliansturmes ihr letztes und
höchstes, freilich nicht mehr von allen Teilnehmern erreichtes Ziel.
Beim gemeinsamen Mittagessen begrüßt Herr Stadtbaumeister
Wenzel den Verein im Namen der städtischen Behörden. Der
Vorstand gedenkt hierauf der Einladung zu einem Ausflug nach
Heilbron», die Herr Wenzel in der geselligen Vereinigung nach
der heurigen Hauptversammlung an den Verein gerichtet habe . . .
„Nach diesem Ruf hatten wir keine schwierige Wahl mehr, ob in die
„Nähe oder Ferne, ob nach Norden oder Süden, der Name Heil-„bronn
hatte für alle einen guten Klang. Und heute ist dieser
„Gedanke zur Wirklichkeit geworden; wir erfreuen uns eines sonnen-„hellen
Sonntags mitten in diesem unteren Neckarthal mit seiner
„feinen landschaftlichen Schönheit und seinem guten Wein; wir
„sind eingetreten in die altehrwürdige, aber durch den frischen Hauch
„der Gegenwart verjüngte Reichsstadt, in ein lebhaftes Gemeinwesen,
„das mit sehr bedeutenden Unternehmungen und gewerblichen Be-„trieben
eingreift in den Gang der modernen Industrie, das die
„Baudcnkmale seiner Vergangenheit hochhält und sorgfältig erneuert,
„das mit einem Kranz von prächtigen Straßen über den Bezirk
„seiner alten Mauern hinausgewachsen ist, das mit einem Wort
„ein Bild ist im Kleinen vom Wieder aufblühen unseres deutschen Vol-„kes
und Vaterlandes." Unter Hinweis aus das Entgegenkommen
der Behörden und Bürger von Heilbronn und auf die dankenswerten
Bemühungen der Heilbronner Mitglieder um das Gelingen
der Exkursion schließt der Toast mit einem Hoch auf die Stadt
Heilbronn.
Um 2 Uhr 30 Min. Fahrt nach Jagstfeld mit anschließendem
Mittagskafsee im kühlen Garten zum Badhotel. — Feierlicher Chorgesang
in der Kirche zu Wimpfen im Thal. — Besuch der spätgotischen
Kirche und der ronianischen Reste zu Wimpfen um Berg.
— Gesellige Vereinigung mit Vorträgen unserer Sänger im hochgelegenen
Garten zum Ritter, der eine herrliche Aussicht über das
Neckarthal darbietet und besonders das allmähliche Wachsen des
Schlagschattens der steilen Berglehne über das Thal hin sehr schön
beobachten läßt. — Mit Einbruch der Dunkelheit veranstaltet Herr
Bauinspcktor Schmidt von Jagstfeld ein Feuerwerk auf der dem
Garten gegenüberliegenven Anhöhe am Fuß des alten Turmes, wobei
uns die liebe Schuljugend von Wimpfen unbewußter Weise
lebende Münchener Bilderbogen vorführt, indem sie sich mit scharfgeschnittenen
schwarzen Umrißbildern auf dem bengalischen Lichthintergrund
abzeichnet. Zum Schluß findet sich die Gesellschaft
noch einmal im Saal zum Ritter bei Rede und Gesang vereinigt;
allgemeiner Jubel begrüßt um halb elf Uhr die Nachricht, daß eine
Verspätung unseres Bahnzugs noch eine Viertelstunde zu bleiben
gestattet, und beweist, daß der schöne Tag von vielen gerne noch
verlängert würde.
Sechste ordentliche Versammlung am 25. Juni 1887.
Vorsitzender: Göller; Schriftführer: Walter.
Anwesend 20 Mitglieder und als Gast Herr Professor Dr. Friedrich
v. Bischer.
Der Vorsitzende macht die Mitteilung, daß die Herren Architekten
Schiedt und Heeß einstimmig als ortsanwesende Mitglieder
in den Verein aufgenommen worden seien.
Als Einläufe sind aufgelegt:
1. Die elektrische Beleuchtung der Eisenbahnzüge
von Prof Dr. Dietrich, Stuttgart.
2. Aufruf zur Errichtung eines Semperdenkmals in
Dresden (vom Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine).
4 Exemplare.
3. Protokolle d e s W est p r e u ß i sch e n un d d es D a n z i g e r
Architekten- und Jngenieurvereins.
4. Protokoll der Verhandlrrngen deutscher Zementfabrikanten.
5. Verein für Bauhütte: Mitteilungen an die Vereinsmitgliedcr,
alle bisher pro 1887 erschienenen Hefte.
6. Technische Neuigkeiten (Lehmann und Wenzel in
Wien).