Siebente ordentliche Versammlung, mit 15. Oktober 1887.
Vorsitzender: Göller; Schriftführer: Tafel.
Anwesend 34 Mitglieder und ein Gast.
Ter Vorsitzende begrüßt zum Beginn des Winterhalbjahrs
die erschienenen Mitglieder und wünscht dem Vereine für das kommende
Halbjahr eine Reihe von interessanten Vortrügen und
eine lebhafte Förderung in allen seinen Bestrebungen.
Als Gast wird Herr Architekt Weber aus Wien vorgestellt,
welcher sich nach einer erfolgreichen Beteiligung an der Mailänder
Domkonkurrenz auf einer Studienreise hier befindet.
Vor dem Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende
in warmempfundenen Worten des während der Ferien
verstorbenen Professors B a l d i n g e r, in dem der Verein ein treues
und hochbegabtes Mitglied verloren habe, das in mancher früheren
Verhandlung und noch im vergangenen Jahre in der Kommission
für die Diplome der Ehrenmitglieder dem Vereine Rat und
Arbeit gewidmet.
Weitere Worte galten dem Andenken des Prof. Fr. Bischer,
unseres hochverehrten Gastes, der schon früher und noch
in der letzten Versammlung als Wortführer der Aesthetik in
einer wichtigen Tagesfrage mit überzeugender Rede in die Beratung
eingegriffen habe. Der Vorsitzende ladet die Versammlung
"ein, der Trauer des Vereins um die beiden Verstorbenen
durch Erhebung von den Sitzen ein Zeichen zu verleihen.
Als weitere Veränderung im Mitgliederstand wird mitgeteilt,
daß der Schriftführer Laistner als Bauamtsvorstand
nach Mühlacker versetzt worden sei, sich aber bereit erklärt habe,
seine Aemter als Schriftführer und Leiter des Vereinschors auch
ferner zu verwalten, was von der Versammlung lebhaft begrüßt
wird. Außerdem ist Regierungsbaumeister Lebret nach Eschenau,
Regierungsbaumeister Reichert nach Tuttlingen umgezogen.
Ein Aufnahmegefuch liegt vor von Hrn. Regierungsbaumeister
Heilmann aus Schrozberg, vorgeschlagen von Regierungsbaumeister
Schm oh l. Es wird den Satzungen entsprechend dem
Ausschuß überwiesen.
Eingelaufen sind:
1. Entwürfe vom Architektenverein in Berlin
(Schinkelkonkurrenz).
2. Prospekt über Meisterwerke Schweizerischer Glasmalerei
nebst einer Probetafel.
3. lngeniörs-IsiörenIngens ^örliauckIin^ar(Pj>ignandra
Argangen). 1887.
4. Mitteilungen des Deutsch-Amerikanischen Technikerverbandes
Juni 1887. Zusender: Albert
H. Hcttich.
5. Lalletin de l’association des Ingenieurs
sortis des ecoles speciales de Gand. Juillet, 1887.
6. Karte der Jllerkorrektion von Ferthofcn bis Ulm.
(Vom K. Ministerium des Innern.).
7. Zeitschrift des Oesterr. Ingenieur- und Architektenvereins
II. Heft 1887.
8. Monatsberichte des Vereins Bauhütte.
9. Annales de l'association des Ingenieurs,
ecoles speciales de Gand (2 Bände).
10. Mitteilungen des Verbands deutscher Architekten-
und Ingen!eurvereine Nr. 11 u. 12.
11. Fragebogen des Oesterr. Architekten- und Inge
ni c ur v e r e i n s über Württ. Technikerverhültnisse.
12. Gutachten zu den Zeichnungen und Schriften über
den walzenförmigen Feuerrost von Duisburg, erstattet
von den Herren Oberingenieur Einbeck und Baurat
Groß.
13. Normen für die einheitliche Prüfung von Portlandzement,
vom Verein deutscher Zementfabrikanten.
14. Katalog -der Bibliothek des Berliner Architekten- und
Jngenieurvereins.
15. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Organ des
german. Museums in Nürnberg), 3 Hefte pro 1887.
Aus dem Begleitschreiben zu dem Fragebogen des österreichischen
Architekten- und Jngenieurvereins über Verhältnisse
und Organisation der Techniker in Württemberg werden einige
Stellen verlesen mit der Mitteilung, daß Herr Baurat Rheinh
ard in dankenswerter Weise die Beantwortung des Fragebogens
übernommen habe.
Der Vereinsbericht über die letzte Versammlung wird verlesen
und gutgeheißen. Anschließend daran berichtet der Vorsitzende
über den Stand der Rathausfrage. Von den in die
: Kommission gewählten 7 Mitgliedern haben die Herren Oberbaurat
v. Tritschler und Architekt Braunwald die Wahl
abgelehnt und seien an ihre Stelle die Ersatzmitgliedcr Herren
Professor Dollinger und Regierungsbaumeister Eisenlohr
getreten.
Die Kommission werde den Antrag stellen, eine Meinungsäußerung
des Vereins an die städtischen Behörden zu richten.
Hieraus erstatten die Herren Oberbaurat v. Hänel und
Baurat Rheinhard Bericht über die XVI. Ab ge ordnet enversainmlung
in Hamburg am 13. und 14 August, welcher
sie als Vertreter unseres Vereins mit 4 Stimmen angewohnt
haben. Ueber das Nähere sei auf die ausführlichen Mitteilungen
in der Bauzeitung und im Wochenblatt, sowie auf Nr. 11 u. 12
der Verbandsmitteilungen hingewiesen.
Herr Oberbaurat v. Hänel erwähnt im besondern des
Budgetentwurfs für 1888, welcher eine Erhöhung unseres Vereinsbeitrags
an die Verbandskasse um 120 -Ä zur Folge habe.
Veranlaßt seien diese Mehrkosten durch das Geschenk zum 90.
Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers, welches an die Stelle einer
bloßen Adresse getreten sei.
Die Verbandsmitteilunge» werden künftig nur in 300 Exemplaren
auf Kosten des Verbandes gedruckt, und sei es den
Einzelnvereinen überlassen, etwa weiter gewünschte Exemplare
an ihre Mitglieder aus eigene Kosten zu beschaffen. Dagegen
sei im Werk, mit den beiden Vereinszeitungen wegen billiger
Herstellung und Verbreitung der Verbandsmitteilungen in weitere
Verhandlungen zu treten.
Bezüglich der Honorarnormen für Ingenieure haben sich
beide Vertreter für Vertagung dieser Frage, als einer noch
nicht reifen, ausgesprochen, und erläutert Baurat Rheinhard
die Bedenken, die er gegen den Abschluß dieser Normen gehabt
habe. Leider seien sie in der Minderheit geblieben.
Ferner haben unsere Vertreter beim Verbandstage den
Antrag gestellt:
„In Anbetracht, daß durch die Schaffung einer physikalisch-technischen
Reichsanstalt nunmehr die Behandlung
von schwierigeren und umfassenderen physikalisch-technischen
Fragen ermöglicht werden wird, z. B. in der Hydraulik
die Prüfung der Genauigkeit der verschiedenen Wassergeschwindigkeitsmesser,
im Brückenbau das Maß der Ausdehnung
und Zusammenziehung von Mauerwerkskörpern