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Millionen Mark ergeben würde. Auch bezweifelt er, ob Tuffsteine
die genügende Festigkeit haben, um hier Verwendung zu
finden. Bezüglich der Kettenbrücke sei gtt bemerken, daß die
Verankerung derselben in das Hochwasser fallen würde.
v. Hünel spricht sich zu Gunsten einer Kettenbrücke ans,
welche ihm namentlich wegen ihres überaus günstigen Längenprofiles,
wegen der geringen Kosten und auch wegen des guten
Aussehens unter den vorliegenden Projekten am besten gefalle.
Die Kosten einer Steinbrücke würden nach seiner Schätzung
nicht unter 1,5—2 Millionen Mark zu stehen kommen.
Kölle beruft sich bezüglich der Festigkeit der Tuffsteine
auf Versuche bei dem Bahnhofbaubureau Cannstatt, welche eine
genügende Festigkeit dieses Steinmaterials ergeben habe. Was
das gegen eine Kettenbrücke erhobene statische Bedenken betreffe,
so teile er dasselbe nicht; die vorliegende versteifte Hängebrücke
sei eben so statisch bestimmt, als ein Bogen mit 2 Gelenken;
er berufe sich in dieser Hinsicht auf die Ausführungen Prof.
Weyrauchs in seinen „Aufgaben zur Theorie elastischer
Körper".
Weyrauch bestätigt, daß das angewendete System der
versteiften Kettenbrücken leicht berechnet werden könne, doch sei
es nicht statisch bestimmt, da die Elastizitätstheorie.zu Hilfe genommen
werden müsse. Er erwähnt hierauf einige praktische
Bedenken, welche gegen die versteiften Kettenbrücken geltend zu
machen seien. Während man bei der Berechnung von der Voraussetzung
ausgehe, daß bei Wirkung des Eigengewichtes allein
oder bei Vollbelastung der Brücke der Versteifungsträger spannungslos
sei, also auch keinen Auflagerdrnck ausübe, so sei es
nicht unmöglich, daß durch Fehler bei der Montierung oder durch
Temperatureinflüsse (analog den bei der Cannstattcr Eisenbahnbrücke
gemachten Erfahrungen) eine Entlastung der Kette eintreten
könne, so daß der Versteifungsträger übermäßig belastet
w^rde.
Jedenfalls werde es nötig sein, neben sorgfältiger Montierung
für gute Beaufsichtigung zu sorgen. Er würde übrigens trotz
der Berechnung Bedenken tragen, große Einzellasten, wie Dampfwalzen
über eine solche Brücke zu führen.
Ob sich nicht in dem vorliegenden Falle, wenn ein Horizontalschub
auf die Pfeiler vermieden werden solle, der Ausweg
empfehle, welcher bei der Erbauung der Limmatbrücke in Zürich
eingeschlagen worden sei — nämlich das System einfacher Blechträger
in Bogenform?
v. Hänel teilt die Bedenken Weyrauchs gegen Neberführung
außerordentlicher Einzellasten über eine Hängebrücke und
würde in vorliegenden Falle dazu raten, diese Lasten in den
doch immerhin seltenen Fällen über die alte Wilhelmsbrücke zu
weisen.
Baurat Rh einh ard bespricht die Jnundationsverhältnisse
des Neckars bei Cannstatt und betont, daß er bei der viel geringeren
Durchflußweite, welche die Wilhelmsbrücke und die
Eisenbahnbrücke hätten, keinen Grund einsehe, warum man der
neuen Brücke eine so viel größere Weite geben solle. Durch eine
entsprechende Reduzierung derselben würden sich die Kosten der
einzelnen Projekte wesentlich anders gestalten.
Im übrigen wolle er auch hier im Vereine, wie er es schon
in einer Versammlung der Vürgervereine gethan habe, die Ausschreibung
einer öffentlichen Konkurrenz für die beste Lösung
der Brückenfragc lebhaft befürworten und auf das Beispiel der
Mainzer und Mannheimer Brückenkonkurrenz Hinweisen. Sache
des Bauvereins werde es sein, diese Konkurrenz bei der kgl. Regierung
in Anregung zu bringen.
Oberbaurat Leibbrand glaubt, daß die Sache hier doch
anders liege als in Mannheim, wo es sich wegen der dortigen
Verhältnisse nur um eine eiserne Brücke habe handeln können.
Während die Projekte eiserner Brücken bezüglich ihrer Berechnung
und Ausführung leicht kontrollierbar seien, treten bei Beurteilung
steinerner Brücken ganz andere Momente hinzu, weil
ihre Ausführbarkeit in viel höherem Maße von der Art der Aus- !
führung abhängig sei. Es würden deshalb bei der Wertbemes- ;
sung der einzelnen Konkurrenzprojckte in Eisen und Stein für !
die Bauverwaltung große Schwierigkeiten entstehen, da der
Spielraum zu groß sei, — er müsse sich aus den angeführten
Gründen gegen eine Konkurrenz aussprechen.
Baurat Rheinhard teilt die Bedenken Leibbrands
nicht, da ja die Projekte von Technikern geprüft würden, die
Unternehmung Garantie leisten müsse und überdies der Verwaltung
die Kontrolle der Ausführung zukomme. Er würde es
bedauern, wenn, nachdem das kgl. Finanzministerium bei dem
Bau des Landesgewerbemuseums mit einer Konkurrenz für Architekten
den Anfang gemacht habe, man die Gelegenheit versäumen
würde, diese für Ingenieure sehr dankbare Aufgabe einer Konkurrenz
zu unterwerfen.
Nachdem sich noch Kölle gegen eine Konkurrenz überhaupt,
Göller gegen eine solche ohne Angabe des gewünschten Materials,
Tafel für eine Konkurrenz ausgesprochen haben,
schlägt Walter vor, um der genannten Schwierigkeit auszuweichen,
die Erteilung von zwei Preisen — einen für Stein, den
andern für eine eiserne Brücke — zu empfehlen.
Oberbaurat Leibbrand bemerkt, daß, wenn man eine
Konkurrenz auch für eine steinerne Brücke ausschreibe, und dabei,
wie wohl nicht anders gehe, die zulässige Pressung vorschreiben
müsse, dann die wesentlichen Voraussetzungen zu einer Konkurrenz
wegfielen, weil die Aufgabe zu bestimmt und deren
Lösung zu einfach werde, um eine Konkurrenz zu benötigen.
Leib brand von Sigmaringen glaubt dagegen, daß auch
dann noch die Aufgabe eine sehr lohnende sein werde, und daß
es geradezu als wünschenswert zu bezeichnen sei, auch einmal
für die Entwicklung der Kunstformen von Steinbrücken durch
das Zusammenwirken von Architekten und Ingenieuren befriedigende
Lösungen zu erhalten.
Nach Schluß der Debatte wird der noch näher zu formulierende
Antrag Rh ein hards: „Der Bauverein möge sich bei
der kgl. Regierung für die Ausschreibung einer Konkurrenz zur
Gewinnung von Plänen für die Neckarbrücke bei Cannstatt mit
2 ersten Preisen, wovon einer für ein Projekt in Stein, der
andere für ein solches in Eisen, verwenden," nahezu einstimmig
angenommen.
Schluß der Versammlung 11 Vü Uhr.
Der Schriftführer.
Tafel.
Kauptvcrsammlung, am 28. Januar 1888.
Vorsitzender: Göller. Schriftführer: Tafel.
Anwesend: 56 Mitglieder.
Der Vorsitzende begrüßt die anwesenden Vereinsmitglieder
und dankt besonders den auswärtigen Mitgliedern für ihr zahlreiches
Erscheinen. Von den Ehrenmitgliedern v. Schlierholz
und v. Egle sind Schreiben eingelaufen, in welchen sie ihr Bedallern
aussprecheit, wegen Krailkhcit an der Hauptversammlung
nicht teilnehmen zu können.
Dem hierauf vom Vorstand erstatteten Jahresbericht ist
folgendes zu entnehmen:
Die Vereinsämter waren im abgelaufenen 45. Vereinsjahr
verteilt wie folgt:
Vorstand: Professor Göller.
Stellvertreter des Vorstandes: Oberbaurat v. Hänel.
Schriftführer: die Abteilungsingenieure Laistner u. Tafel.
Kassier: Regierungsbaumeister Weigelin.
Bibliothekar: Stadtbaurat Kaiser.
Ausschußmitglieder ohne besonderes Amt: Oberbaurat Leibbrand,
Professor Walter, Professor Weyrauch.
Vertreter des Vereins im Redaktionsausschuß war Professor
Reinhardt.
Dein Ausschuß war als in: Haushalt vorgesehener Sekretär
beigegeben Ingenieur Doka.
Der Mitgliederstand war zur Zeit der letzten Hauptversanunlung
nach deren Protokoll: