Erste ordentliche Wersammkung am 3. Februar 1887,
im Kreutzersaal der Liederhalle, gemeinschaftlich mit dem württ. Bezirks- >
verein des Verbandes deutscher Ingenieure.
Vom Verein für Baukunde 27 Mitglieder anwesend.
Herr Professor Dietrich vom K. Polytechnikum in Stuttgart
hält den angekündigten Vortrag über elektrische Zugsbeleuchtung.
Die höchst lehrreiche, durch viele Figurentafeln erläuterte
Darstellung des bis heute in der elektrischen Beleuchtung der Bahnzüge
Erreichten ist den Mitgliedern durch die Bibliothek des Vereins
zugänglich, welcher der Herr Redner den später im Druck erschienenen
Vortrag geschenkweise überlassen hat. Für diese schätzenswerte
Gabe sei auch an dieser Stelle der Dank des Vereins ausgesprochen.
Zweite ordentliche Aersammkimg am 18. Februar 1887.
Vorsitzender: Göller. Schriftführer: Laistner.
Anwesend: 30 Mitglieder und 1 Gast.
Nach Eröffnung der Versammlung begrüßt der Vorsitzende als
Gast den Herrn Regierungsbauführer Wolz aus Ellwaugen und
giebt sodann von den Einläufen Kenntnis. Als solche liegen vor:
1. von Stadtbaumeisler Wenzel in Heilbronu: Bestimmungen
für die Konkurrenz zu einem Real- und Fortbildungsschulgebäude
in Heilbronu;
2. von Prof. Lang in Riga: Nr. 23 und 24 der Rigaschen
Jndustriezeitung, welche Abhandlungen von ihm enthalten;
3. 2 Exemplare ln^oniörs I?ör6llin^tzN8 kortiancklinFar;
4. das System Abt in Oertelbruch;
5. vom Genter Jngenieurverein 2 Hefte.
Vom Verbandsvorstand ist die Mitteilung eingelaufen, daß der
Vorschlag des Kölner Vereins auf Uebergabe einer Adresse an den
Kaiser anläßlich dessen 90. Geburtstags von sämtlichen Vereinen
gutgeheißen worden sei.
Weiter teilt der Vorsitzende mit, daß die bisher ortsanwesenden
Mitglieder Veigele und Bare iß ihren Wohnsitz nach Mühlacker,
bezw. Cannstatt verlegt haben, und daß im neugewählteu Vercinsausschusse
nachstehende Aemtervcrteilung getroffen wurde:
Stellvertreter des Vorstands: v. Hänel;
Schriftführer: Laistner und R. Tafel;
Kassier: Weigelin;
Bibliothekar: Kaiser.
Ohne besonderes Amt bleiben sonach: Leibbrand, Walter
und Weyrauch.
Nunmehr werden die Protokolle der Hauptversammlung und
der dieser vorhergegangenen ordentlichen Versammlung verlesen. Eine
Einwendung gegen dieselben erhebt sich nicht.
Uebel den von Hoch eisen bei der Hauptversammlung gemachten
Vorschlag, die Sitzungen in Rücksicht aus die von auswärts
kommenden Mitglieder schon um 7 72 Uhr beginnen zu lassen, will
die Versaminluug heute nicht mehr in Verhandlung treten; er ist
daher für eine der nächsten Sitzungen zurückzustellen.
Nachdem der Vorsitzende noch den beifällig aufgenommenen
Vorschlag geniacht hat, die nächste gesellige Vereinigung mit Damen
abzuhalten, erteilt er das Wort an das Mitglied Regierungsbaumeister
Ge bh ardt aus Ellwangen zur Erläuterung der zahlreichen
aufgehängten Pläne über die von ihm in jüngster Zeit gefertigten
Entwürfe und ausgeführten Bauten, unter denen die folgenden
hervorzuheben sind.
1. Aufbau eines neuen Turmabschlusses der Stadtkirche zu
Neuenstein.
Der alte aus dem 16. Jahrhundert stammende war zum
Teil in Fachwerk konstruiert und ist ain 8. August 1885
durch Flugfeuer zerstört worden.
Ter neue ist massiv in Werkstein, auf einem eisernen
Rahmengebälk ruhend, konstruiert. Das untere rechteckige
Stockwerk wird durch vier Flankierungstürmchen in das obere
achteckige Stockwerck übergeleitet. Das Ganze ist mit einer
Kuppel, welche in einer Laterne endigt, abgeschlossen.
An der Hand aller nötigen Zeichnungen wird sowohl
dieser neue Bauteil als , auch die ganze Kirche (Perspektive)
und deren Geschichte besprochen und dabei auch nicht unterlassen,
auf Neuenstein als eine für den Architekten hochinteressante
Stadt aufmerksam zu machen. '
2. Konkurrenzarbeit für die Skt. Maximilianskirche zu München.
Eine zwciturmige Anlage im Aeußern als Backsteinrohbau
behandelt, im Innern für Stuecatnr und reiche Malerei
berechnet.
An Stelle der Seitenschiffe Umgänge, die im oberen
Stockwerke als Galerien ausgebildet sind. Das Ganze ein
Versuch, die Formen der Frührenaissance dem modernen
Kirchenbau dienstbar zu machen.
3. Pläne für die neue katholische Kirche in Crailsheim.
Ein Backsteinrohbau mit Hausteiugliedern von basilikaler
Grundform für 450 Sitzplätze. Auf der nördlichen Chorseite
ein Turm, auf der südlichen die Sakristei.
Das Mittelschiff mit steigender, die Seitenschiffe mit flacher
Holzdecke gedeckt; der Chor massiv gewölbt.
Das Ganze in den schlichtesten Formen der Frühgotik.
4. Denkmal für den Prälaten vr. Schwarz auf dein Friedhofe
in Ellwangen.
Ein über 6 m hohes Denkmal in den Formen der Frühgotik.
Aus hohem reich gegliedertem Postament mit sarkophagartigem
Vorbau erhebt sich ein architektonisch ausgebildetes
Kreuz mit Cruzifixus (von Bildhauer Carl Federlin
in Ulm).
Unter den Aufnahmen des Redners findet besonderes Interesse
die Kirche zu Rieden bei Hall, ein bezeichnendes Beispiel der
Dorfkirche in Haustein aus dem sechzehnten Jahrhundert. Der anregenden
Erklärung dieser Bauwerke und Entwürfe, die einen erfreulichen
Beweis dafür liefern, daß der Architekt auch außerhalb
der Hauptstädte ein schönes Arbeitsfeld sich schaffen kann, folgt der
lebhafteste Beifall. Der, Vorsitzende giebt dem Dank des Vereins
noch besonderen Ausdruck und knüpft daran die Bitte an die jüngeren
Mitglieder, auch ihrerseits mit de» bisher in der Mappe verborgenen
Arbeiten hervorzutreten. Er schließt hierauf den geschäftlichen
Teil der Versammlung gegen 10 Uhr, doch halten die Vorträge
der Säuger des Vereins die erschienenen Mitglieder bis Mitternacht
fast vollzählig beisammen.
Der Schriftführer:
L a i st n e r.
Erste gesellige Mercinigung am 5. März 1887.
Anwesend 26 Mitglieder und 11 Damen.
Der Abend ist ausschließlich der Unterhaltung gewidmet; ein
reichhaltiges Programm der Sänger des Vereins unter Laistners
oftbewährter Leitung 'erweckt bald die fröhlichste Stimmung, die in
einigen Tänzen in später Stunde ihren Höhepunkt findet.