und anderwärts in den Resten des Altertums fehlende, daher besonders
interessante Formenwelt kaum minder gut erhalten sei als
wenn sie in Stein ausgeführt worden wäre. Architekt Stahl
ladet zum Studium der ausgezeichneten über Pompeji erschienenen
Studien und Prachtwerke ein, welche in der kgl. öffentlichen Bibliothek
und in derjenigen des Landesgewcrbemuseums aufgelegt seien,
und führt namentlich auf das Werk von Massois, Les ruinös
de Pompeji, ferner das Prachtwerk von Nicolini und eine Sammlung
pompejanischer Wandmalereien von Mau.
Schluß der Versammlung lOVa Uhr.
Der Schriftführer:
Tafel.
Dritte gesellige Bereinigung am 30. April 1887.
Anwesend 34 Mitglieder und 2 Gäste.
Professor Göller hält den angekündigten Vortrag „über ein
neuentdecktes Gesetz der Formästhetik", der in den Grundzügen
durch Beilage 3 wiedergegeben ist. Die zur Besprechung gelangenden
geometrischen Formgesetze sind durch ausgestellte Figurentafeln zur
Anschauung gebracht.
Professor Laißle schildert hierauf an der Hand zahlreicher
Werkpläne die beim Ban des Tunnels von Ronco in der
Linie Alessandria-Genua eingetretene Katastrophe. Durch die Eröffnung
der Gotthardbahn hatte sich der Verkehr ans dieser Linie
so vergrößert, daß die Bahnverwaltung an Stelle eines mit 24
und 40°/oo Steigung angelegten Bahnstücks ein solches mit erheblich
geringerer Steigung, dafür aber weit längerem Tunnel einzulegen
beschloß. Die Bauzeit für diesen 8,2 Km langen Tunnel
wurde auf nur 2 Va Jahre festgesetzt und diese Frist auch wirklich
eingehalten. Aber es zeigten sich schon während des Baues solche
Deformationen des aus Backstein hergestellten Gewölbes, namentlich
auf einer tief im Innern des Tunnels befindlichen, einen Kilometer
langen Strecke, in welchem ein in Verwitterung begriffenes, sich blühendes
Thonschiefermaterial auftrat, daß der Betrieb seither noch
nicht aufgenommen werden konnte. Die teilweise zu Staub gedrückten
Backsteingcwölbe müssen durch solche in härterem Material,
etwa Granit, ersetzt werden; in welcher Zeit und mit welchem Erfolge
dies geschehen kann, nachdem einmal das Gebirge in Bewegung
ist, dos läßt sich nicht voraussagen. Redner beleuchtet die
kurze Bauzeit, die damit zusammenhängende Herstellung zu zahlreicher
Aufbrüche, welche in erster Linie die Bewegung des Gebirges
und den hiedurch entstandenen enormen Druck veranlaßt haben, das j
wenig widerstandsfähige Gewölbematerial und noch andere Ursachen
der Katastrophe, indem er einen zweiten Vortrag in Aussicht stellt,
sobald die noch im Gang befindlichen Erhebungen über die beste
Ausführungsweise der Rekonstruktionsarbeiten zum Abschluß gelangt
sein werden.
Künste ordentliche Versammlung am 14. Mai 1887.
Vorsitzender: Göller. Schriftführer: Laistner.
Anwesend 27 Mitglieder und 2 Gäste.
Nach Eröffnung der Sitzung begrüßt der Vorsitzende zunächst
die Herren Architekt Schiebt und Ingenieur Weigelin als Gäste
und erteilt sodann das Wort zur Verlesung des Protokolls der 4.
Versammlung. Dieses wird ohne Einwendung genehmigt.
An Einläufen liegen vor:
1. Mitteilungen deS deutsch-amerikanischen Technikerverbandes, zugesendet
von Architekt A. Hettich in Chicago.
2. 15 Exemplare Verbandsmitteilungen mit Darstellung der
Ehrengabe des Verbandes zum 90. Geburtsfcst Seiner Ma- !
jestät des Kaisers und Bericht über den Akt der Ucberreichung.
3. 15 Exemplare Verbaudsniittcilungen, betreffend die Beschlüsse
der Münchener und Dresdener Konferenzen über einheitliche
Untersuchungsmethodcn bei der Prüfung von Bau- und Kon- !
struktionsmaterialien.
4. Probestücke der patentierten Gipsdielen von Architekt Mack
in Ludwigsburg (s. Protokoll der vierten ordentlichen Versammlung).
5. Ein Exemplar des eben erschienenen Buches: Göller „Zur
Aesthetik der Architektur," als Stiftung des Verfassers in
die Bibliothek des Vereins.
Ueber Aenderungen im Mitgliederstand teilt der Vorsitzende
mit, daß Regierungsbaumeister Schlierholz von Stuttgart nach
Wangen, Regierungsbaumeister Lebret von Wien nach Stuttgart
gezogen sei und Bauinspektor a. D. Bügler seinen Austritt aus
dem Verein angezeigt habe.
Aufnahmsgesuche liegen vor: von Architekt Schiebt und Architekt
C. H e e ß in Stuttgart. .
Bezüglich der Konkurrenzpläne zu dem Heilbronuer Schulhausbau
ist der Vorsitzende in der Lage, mitteilen zu müssen, daß die
nicht prämierten Entwürfe dem Verein nicht zugänglich gemacht
werden können, daß aber die prämierten auf Wunsch durch Vermittlung
des Herrn Stadtbaumeisters Wenzel hieher gesandt werden
würden, selbstverständlich auf Kosten und Gefahr des Vereins.
Auf Antrag v. Seegers wird beschlossen, die Pläne kommen zu
lassen und — etwa in der nächsten geselligen Vereinigung — zur
Ausstellung zu bringe».
v. Hänel teilt mit, daß das Heft II der Vereinsprotokollc
pro 1886, dessen Herstellung sich durch die verschiedensten Umstände
unliebsam verzögert habe, nunmehr fertig gestellt sei. Er spricht
v. Bok seinen besonderen Dank für den von ihm als Beilage
zu jenem Heft gestifteten Abdruck seines im Laufe des Jahres gehaltenen
Vortrags über die Stuttgarter Kunstschule aus. Der Vor
sitzende seinerseits nimmt Anlaß, v. Hänel für seine Bemühungen
um Herstellung des außergewöhnlich umfangreichen Protokollhefts
zu danken.
v. Hänel giebt von einem Aufruf Kenntnis, der von Verehrern
des Prof. Dr. v. Bischer ergangen ist, um diesem aus
Anlaß der bevorstehenden Vollendung seines 80. Lebensjahrs eine
Gabe zu überreichen und setzt eine Liste zur Beitragszeichnung in
Umlauf.
Nunmehr erhält Herr Baurat Rheinhard das Wort zu
dem auf der Tagesordnung stehenden Vortrag „über die Kunst des
Wölbens". 4
Dieser durch eine reiche Zahl von Zeichnungen unterstützte und
mit allseitigem Beifall aufgenommene Vortrag ist in der Beilage 4
wiedergegeben.
Bei der nachfolgenden Diskussion hebt zunächst der Vorsitzende
hervor, daß sich beim Brückenbau in Stein ein altes und ein
neues Prinzip gegenüberstehen. In der früheren Theorie der Gewölbe
seien diese als aus zwar starren, aber an den Fugen verschieblichen
Stücken bestehend vorgestellt worden, während jetzt gesucht
werde, das Gewölbe zu einer zusammenhängenden homogenen
elastischen Masse zu machen. Dieser Schritt zu einer kühneren
Auffassung der Wölbung sei die natürliche Folge des Fortschritts
von dem früher gebrauchten Mörtclmaterial zum heute zur Verfügung
stehenden oder wenigstens durch besonders sorgfältige Bereitung
und Auswahl der Beimengung erreichbaren. Der früher verwertete
Mörtel war im Brückenbau nur als Mittel zur Druckübertragung,
nicht als zng- und schubfestes, verkittendes Bindemittel der
Steine zu bewerten. Die weitergehende Auffassung des Mörtels in
der Wölbeknnst sei übrigens im Hochbau kaum jünger als die andere
und schon in den allrömischen Wölbungen zur Geltung gelangt,
die ihre Dauerhaftigkeit vielfach nicht dem Steinverband, sondern
nur dem vorzüglichen Mörtel verdanken, ja sogar zum Teil nur
Gußmasse sind. In Italien werden noch heute 3—4 m weite
Hochbnugcwölbe aus flachliegenden Backsteinen mit Mörtelüberguß,
also samt diesem nur 7—8 cm dick ausgeführt.
Regierungsbaumeister Kölle findet die von Rheinhard empfohlene
Methode des Wölbens keineswegs neu. Er giebt demselben
darin Recht, daß man namentlich bei Brücken möglichst die
Verdrängung der Eisenkonstruktionen durch den Steinbau anstreben
sollte, hätte aber gewünscht, daß im Vortrag mehr aus große Muster,
wie z. B. die Almabrückc in Paris, Bezug genonimen worden wäre,
als auf die in unserem Lande ausgeführten kleineren Objekte. Er