Title:
Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart
Shelfmark:
1Ba 280-1888
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1466506725020_1888/10/
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Programms nicht zweckmäßig erscheinen würde, wenn der Verein 
jetzt schon eine bestimmte Stellung zu der Platzfrage einnähme; es 
schiene ihm dies namentlich nicht im Einklang mit dem Hauptzweck: 
der Erstrebung einer Doppelkonkurrenz. Demgemäß beantrage er, 
Ziff. 2 und 5 der Kommissionsanträge zu streichen. 
Mayer kommt wiederuni darauf zu sprechen, daß deni Verein 
bezw. der Kommission, nicht genügend Material zu Gebot gestanden 
haben soll. Auch das Referat spreche hievon, wie Eingangs der 
Vorsitzende. Er müsse aber entschieden betonen, daß der Stadtbau 
plan, die Karten, die Brouillons re. jedermann zugänglich seien. 
Aeußerungen wie die, daß die bürgerlichen Kollegien den Verein 
für Bankunde gewissermaßen zu der Stellungnahme zu Gunsten 
des Marktplatzes getrieben haben, halte er für gewagt; cs erscheine 
ihni überhaupt große Vorsicht in Abgabe von Aeußerungen des 
Vereins als angezeigt. 
Auf den v. Leins gemachten Einwurf, daß die in die Kom 
mission gewählten, derselben aber nicht heigetretenen Mitglieder 
Braunmald und v. Tritschler als Gemeinderäte wohl in der 
Lage gewesen wären, über manche Punkte Aufschluß zu geben, er 
widert er, daß diesen Herren ihre Stellung nicht gestattet hätte, 
irgendwelche Mitteilungen zu machen. 
Gegen Mayer bemerkt Abteilungsingenieur Tafel, daß man 
zu einer bestimmten Stellungnahme allerdings und zwar deshalb 
getrieben worden sei, weil nicht blos Gerüchte über die Absichten 
der städtischen Behörden hinsichtlich des Bauplatzes in die Oeffent- 
lichkeit gedrungen seien, sondern der Kammer der Abgeordneten be 
reits eine Vorlage, betr. den Verkauf der Legionskaserne in Aus> 
sicht gestellt wurde. 
Der Vorsitzende schlägt mit Beziehung auf das Vorbringen 
Mayers vor, den von dem Fehlen jedweder sicheren Grundlage 
handelnden Passus milder zu fassen, als bisher geschehen, was 
keinem Einwand begegnet. 
Rheinhard hebt hervor, daß, nachdem alle möglichen Ge 
sichtspunkte für die Beurteilung der ganzen Frage schon in Bro 
schüren und Zeitungsartikeln hervorgekehrt worden seien, die Kom 
mission geglaubt habe, eine eingehende Motivierung ihrer Anträge 
unterlassen zu können. Nach dem bisher Gehörten scheine diese 
Ansicht nicht geteilt zu werden. Er für seine Person glaube auch, 
daß die Fassung der Kommissionsbeschlüsse für die Oeffentlichkeit 
nicht tauge und ein Eingehe» auf die historischen, ästhetischen, hygie 
nischen u. s. w. Gründe der Vollständigkeit wegen wünschenswert 
erscheinen würde. Mit deni Hervorkehren der architektonischen Seite 
der Frage und einer mehr nebensächlichen Behandlung der eben 
genannten Gesichtspunkte stehe ja auch die in erster Linie anzu 
strebende Doppelkonkurrenz im Einklänge. 
Der Vorsitzende bemerkt hieran anschließend, es dürfe wohl 
auf der einen Seite ausgesprochen werden, daß nach den histori 
schen, ästhetischen u. s. w. Gesichtspunkten der Marktplatz entschieden 
den Vorzug verdiene, während auf der andern Seile zur Klärung 
der rein praktischen Frage eine Doppelkonkurrenz empfohlen werde. 
Laistner vertritt die Ansicht, daß ein Gutachten des Vereins 
für Baukunde in der Rathauefrage sich keineswegs auf die eigent 
liche Platz- und Grundrißfrage beschränken dürfe, daß vielmehr alle 
die schon genannten anderweitigen Gesichtspunkte nicht allein in der 
gutächtlichcn Aeußerung aufgeführt, sondern auch begründet sein 
sollten, weil es eben Sache der Techniker sei, die Vor- und Nach 
teile des einen oder andern Projekts, wie in rein baulicher Hin 
sicht so bezüglich der verkehrstechnischen, der ästhetischen, hygieni 
schen u. s. w. Seite klar zu legen. 
Ed. Stahl empfiehlt, sich einfach für eine Doppelkonknrrenz 
auszusprechen, ohne die beiden Plätze auf ihre Vor- und Nachteile 
näher zn untersuchen. 
Weyrauch beantragt im Interesse rascherer Förderung der 
Verhandlungen, die allgemeine Diskussion zu verlassen und die 
Kommissionsanträge der Reihe »ach einzeln in Behandlung zu nehmen. 
v. Bok findet die Sache noch nicht spruchreif und beantragt, 
das Referat zur Ergänzung bezüglich der mehrerwähnten Gesichts 
punkte an die Kommission zurückzuweisen. 
Leibbrand erklärt, seinen Antrag fallen zu lassen, wenn nun 
mehr über die Konimissionsanträge einzeln abgestimmt werde. 
Tafel für den Antrag v. Bok. 
Fischer ist gleichfalls dafür, daß die Angelegenheit am heu 
tigen Abend nicht zum Abschluß gebracht werde; er wünscht, die 
historischen u. s. w. Punkte im Referat ebenso eingehend erörtert, 
wie die Platzsrage. 
Angesichis der Einzelberatung der Kommissionsanträge zieht 
v. Bok seinen Antrag gleichfalls zurück. 
Mayer erklärt, daß er an den nachfolgenden Abstimmungen 
aus naheliegenden Gründen nicht teil nehmen werde. 
Nach kurzer Beratung der einzelnen Kommissionsanträge wird 
nun beschlossen: 
zu Ziff. 1: das v. Leins sche Gutachten den städtischen Be 
hörden zu überreichen; 
Ziff. 2 wegzulassen; 
zu Ziff. 3: den städtischen Behörden das Ausschreiben einer sog. 
Jdeeukonkurrenz für die fraglichen 2 Plätze zu em 
pfehlen ; 
Ziff. 4 der Kommissionsanträge gut zu heißen; 
zu Ziff. 5: die Aeußerung des Vereins über die Rathausfrage 
den städtischen Behörden zu übergeben; 
ferner: in dieser Aeußerung hervorzuheben und zu begründen, 
daß, bezw. weshalb, in Beziehung auf den ästhetischen Ge 
winn, den die Stadt durch den Rathausbau erfahren werde, 
dem Marktplatz der Vorzug gebühre. 
Für die Zusammenfassung der Anschauungen und Wünsche des 
Vereins gegenüber dnr städtischen Behörden liegen zwei Anträge vor. 
Leib bra n d schlägt vor: 
„Obgleich der Verein für Bankunde der Anschauung ist, daß 
historische, ästhetische, hygienische und verkehrstechnische Gründe 
bei der Erbauung eines neuen Rathauses für die Stadt 
Stuttgart in erster Linie für die Wahl der bisherigen Bau 
stelle sprechen, so erachtet er es doch zu allseitiger Aufklärung 
für zweckmäßig, wenn seitens der Stadt eine Konkurrenz 
nach einheitlichem Programm für einen Neubau auf dem 
Marktplatz und einen solchen auf dem Platz der Legious- 
kaserne ausgeschrieben und dadurch insbesondere die Frage 
des baulechnischen Werts beider Plätze einer vollständigen 
Klärung zugeführt wird." 
Eisenlohr dagegen beantragt: 
„Der Verein ist der Ansicht, daß für den Neubau des Rat 
hauses aus den in der Anlage niedergelegten Gründen dem 
Marktplatz der Vorzug zu geben sei, schlägt aber dem Ge- 
mcinderat vor, zur allseitigen und gewissenhaften Prüfung 
der Frage, insbesondere bezüglich der mehr oder weniger 
praktischen Ausnützung des einen oder anderen der in Frage 
stehenden Plätze unter den deutschen Architekten auf Grund 
eines einheitlichen Bauprogramms eine Konkurrenz für beide 
Plätze auszuschreiben." 
Der Antrag Eisenlohr wird zuerst z>:r Abstimmung ge 
bracht und hiebei abgelehnt; der Antrag Leibbrand angenommen. 
Laistner macht darauf aufmerksam, daß ein förmlicher Be 
schluß über die nähere Beleuchtung und Begründung der verschieden 
artigen Gesichtspunkte nur bezüglich des ästhetischen gefaßt worden 
sei und wiederholt, daß er die Ausführungen des Vereins auch auf 
die übrigen Punkte ausgedehnt wünschen inöchte. 
Der Vorsitzende nimmt an, daß es im Sinne der Versamm 
lung liege, wenn auch die historischen, hygienischen, verkchrstechni- 
schen u. s. w. Gesichtspunkte in gleicher Weise behandelt werden, 
wie der ästhetische. 
Er stellt schließlich an die Versammlung die Anfrage, ob sie mit 
der Drucklegung des Kommissionsberichtcs und der Zeichnungen so 
wohl für das Vereinsprotokoll als für die Uebergabe an die städti 
schen Behörden einverstanden sei. Hiergegen erhebt sich kein Einwand. 
Rheinhard gibt noch seinem Bedauern darüber Ausdruck, 
daß der Verein so selten zur Begutachtung wichtiger öffentlicher 
Fragen des Bauwesens in Anspruch genommen werde nnd beklagt 
weiter, daß die heutige Versammlung so wenig zahlreich besucht sei. 
Damit schließen die Verhandlungen gegen 12 Uhr. 
Der Schriftführer: 
L a i st n e r.
        

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