Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1888)

Beilage V. 
Aöer den Mau eines Hhermalwasserreservoirs in Wil'döad und 
das neue KaLharinenstist (Armenöad) dasetöst. 
Vortrag von Oberbaurat von Bok am 5. Mai 1888. 
Bevor auf eine nähere Beschreibung und Erläuterung des 
ersten Gegenstands eingegangen wird, erscheint es notwendig, einige 
geschichtliche Angaben über Wildbad, so wie die Umstände, welche 
zu der Errichtung des fraglichen Reservoirs Anlaß gegeben haben, 
vorauszuschicken, wozu ich insbesondere die in deni sehr verdienst 
lichen Werke des Herrn Geh. Hofrat Dr. v. Renz, kgl. Badarzt 
^ Wildbad, wie es war und ist", enthaltenen sehr ausführlichen 
Angaben benütze. 
Wildbad ist gegenwärtig eine Stadt von ca. 3000 Einwoh 
nern, liegt 430 m über Meereshöhe, 62° 52' östlicher Länge und 
48" 45' nördlicher Breite. 
Die ersten Nachrichten, die wir über Wildbad besitzen, sind 
vom 30. Dez. 1345, an welchem Tage Graf Eberhard der Greiner 
Wildbad von der Grafschaft Calw erworben hat. 
Was Wildbad vor dieser Zeit war, ist durchaus unbekannt, 
ebenso zu welcher Zeit und in welcher Weise die Heilquellen Wild- 
bads entdeckt worden sind. 
Daß jedoch zu damaliger Zeit schon Badeeinrichtuugen bestan 
den haben, wird namentlich durch den Aufenthalt des Grafen Eber 
hard des Greiners mit Gemahlin und Sohn im Jahr 1367 bestätigt, 
bei welcher Gelegenheit der geschichtlich bekannte und durch Uhlaud 
besungene Ueberfall stattgehabt hat. 
Wildbad wurde bei diesem Anlaß abgebrannt, und ist dies 
der erste bekannte große Brand in Wildbad; der zweite große 
Brand fand statt i. I. 1464 unter Graf Eberhard im Bart; der 
dritte große Brand i. I. 1509 unter Herzog Ulrich; der vierte 
i. I. 1525 unter Erzherzog Ferdinand; der fünfte i. I. 1645 
unter Eberhard III.; der sechste und größte i. I. 1742 unter 
Herzog Karl. 
Nach jedem Brande wurde Wildbad wieder aufgebaut. In 
welcher Weise die Bäder bis zum Brande vom I. 1525 einge 
richtet und beschaffen waren, ist nicht bekannt. Es ist aber anzu 
nehmen , daß die Einrichtungen höchst einfach und primitiv waren. 
Von diesem Brande an scheinen sie ziemlich unverändert geblieben 
und auch von den späteren Bränden nicht berührt worden zu sein. 
Sie bestanden aus 
1 F ü r st e n b a d, 
1 größerem Herrenbad in 2 Abteilungen, 
1 desgl. Frauenbad „ „ „ und in 
1 Armen bad, welches das Wasser von den ersteren erhielt. 
Die Thermalquellen entsprangen den Ritzen und Spalten des 
in der Thalsohle anstehenden Granits, und die Bäder befanden 
sich unmittelbar in und über denselben. 
Man badete sonach in der Quelle selbst und mit fort 
währendem Wasserzufluß. 
Diese Eigentümlichkeit hat sich Wildbad bis auf die neueste 
Zeit erhalten und unterscheidet sich dadurch von den meisten andern 
Bädern sehr vorteilhaft. 
Im Laufe der Jahrhunderte, insbesondere infolge der ver 
schiedenen großen Brände scheint die Thalsohle allmählich erhöht 
worden zu sein, so daß die Bäder selbst tiefer liegen als die 
Straße. 
Der alte Zustand der Bäder, wie er sich bis zum Ende der 
30er Jahre erhielt, ist aus Blatt 3 Fig. a ersichtlich. 
Zu dieser Zeit entschloß sich das württ. Finanzministerium, 
dem längst gefühlten Bedürfnis zur Vergrößerung und Verbesserung 
der vorhandenen Bäder abzuhelfen, und dazn war vor allem nötig, 
die Menge des vorhandenen Thermalwassers durch Erschließung 
weiterer Zuflüsse zu vermehren, was nur durch entsprechende Boh 
rungen zu erreichen war. 
Es begann am 3. Sept. 1838 die erste Bohrperiode, welche 
bis zum Jahre 1847 dauerte, und von dem Oberfinanzrat v. Nörd- 
linger unter dem Finanzministerium Herdegen geleitet wurde. 
Es wurden nach und nach au verschiedenen Stellen in der 
Nähe der alten Quellen 28 Bohrlöcher von 16,7—196,2 Fuß 
Tiefe getrieben, und wurde dadurch schließlich ein Gesamtwasser 
quantum von 25,3 württ. Kubikfuß pro Minute erzielt, welches 
sich auf 29,8 Kubikfuß erhöhte, wenn das Wasser nicht auf Bäder 
höhe, soudern auf Bädersohle abgelassen wurde. 
Sämtliche Quellen befinden sich in der Thalsohle ans dem 
rechten Enzufer, sie haben nur geringe Druckhöhe, so daß sie gar 
nicht zu Tage getreten und ohne Zweifel auch nicht bekannt ge 
worden wären, wenn die Thalsohle einige Fuß höher gewesen wäre. 
Es erfolgte nun vom Jahre 1840—46 durch den f Ober 
baurat v. Thouret die Erbauung eines neuen Badgebäudes mit 
einer Reihe größerer gemeinschaftlicher Bäder wie bisher, und einer 
Anzahl Einzelbäder, da das Bedürfnis nach letzteren sich damals 
schon sehr geltend machte. 
Die Einrichtung dieses Badgcbäudes ist aus Fig. b ersichtlich. 
In Verbindung mit demselben wurde an der Stelle des sog. alten 
Palais ein Badhotel erbaut, zu welchem die im I. Stock des 
Badgebäudes befindlichen Zimmer gehören. 
Jni allgemeinen entsprechen die neuen Bäder den früheren 
alten, nur sind sie weit größer, schöner und zweckmäßiger. 
Mit dem wachsenden Besuche Wildbads zeigte sich bald ein 
weiteres Bedürfnis »ach Einzelbädern, und wurde deshalb im Jahre 
1857/58 ein weiteres Badgebäudc, das sog. kleine Badge 
bäude durch Badinspektor Majer unter der Leitung des ch Bau 
rat Fischer ausgeführt. 
Im Jahr 1862 wurde eine neue eiserne Brücke über die Enz 
gebaut, die sog. Wilhelmsbrücke. 
Bei der Fundation des rechtseitigen Uferpfcilers zeigte sich 
eine sehr starke Quelle von Thermalwasser, die nur mit großer 
Mühe wieder verschlossen werden konnte. 
Dieser Umstand, sowie das Vorhandensein besonders warmer 
Stellen in dem Keller des auf der liuken Seite der Enz befind 
lichen Stadtpfarrhauses ließ erwarten, daß sich auch auf dieser 
Seite warme Quellen erschließen lassen und gab dies Anlaß zu 
einer zweiten Bohrperiode unter dem gegenwärtigen Finanzmini 
sterium 1863 - 65, welche von Prof. v. Qucnstedt und Bergrat 
v. Leller geleitet wurde. 
Es wurden aus der linken Seite 6 Bohrlöcher von 35—144 
Fuß tief getrieben, von welchen namentlich die ersten ein sehr 
günstiges Resultat ergaben.
	        

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