Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1888)

Beilage VI. 
Zusammenstellung der Aufgaben für die phystkalisch-technische Weichsanstal't. 
1. Untersuchung über die Ausströmung von Dampf aus Oeff- 
nungen in Betriebsdampfkesseln. 
2. Ermittlung der Druckhöhenverluste bei der Bewegung des 
Grundwassers. 
3. Ermittlung der Druckhöhenverluste bei der Bewegung von 
Wasser in Rohrleitungen von mehr als 500 mm Lichtweite. 
4. Untersuchung der Ausdehnung und Zusammenziehung größerer 
gleichartiger Maucrwerks- und Betonkörper bei Wärme und Kälte, 
Nässe und Trockenheit, sowie durch Zug und Druck. 
5. Die Verteilung des Drucks in Mauerkörpern bei exzentri 
scher Belastung. 
6. Bestimmung der über vollkommene und unvollkommene 
Ueberfallwehre und durch breitere Schützenöffnungen abfließenden 
Wassermengen. 
7. Prüfung der Genauigkeit und Anwendbarkeit der zuni 
Messen der Geschwindigkeit des in natürlichen und künstlichen offenen 
Gerinnen fließenden Masters hauptsächlich gebrauchten Geräte, ins 
besondere des von Ritter, Harlacher und Avisier verbesserten 
Woltmann'schen Flügels, der Stab- und anderen Schwimmer und 
der Pilot-Darcy'schen Röhre. 
8. Erweiterung der Wöhler'schen Versuche, insbesondere 
bezüglich der Spannungen innerhalb der sog. Elastizitätsgrenze. 
9. Einfluß der Dauer ruhender Belastungen auf die Festigkeit 
der Baumaterialien. 
10. Einstuß verschiedener Temperaturen auf die Festigkeit von 
Stahl und Eisen. 
Zusammengestellt 
von der vom Verein für Baukunde 
aufgestellten Kommisston 
Baurat Rheinhard, Referent. 
Oberbaurat v. Hänel, Korreferent. 
1. Aufgabe. 
Untersuchung für die Ausströmung Non Dampf ans Oeffnungen 
in Bctricbskcsseln. 
Begründung. 
Wenn, wie z. B. bei Sicherheitsventilen von Dampfkesseln, 
bei Badanstalten mit Vorrichtungen zu Dampfbädern, bei Wasch 
anstalten und gewerblichen Einrichtungen, welche den Dampf zum 
Einweichen rc. gebrauchen, aus einem Betriebskessel durch eine be 
stimmte Oeffnung Dampf abgelassen werden will, so sollte man 
auch in der Lage sein, bestimmen zu können, welche Dampfmenge 
bei bestimmtem Kesseldrnck durch eine Oeffnung von bestimmter 
Größe entweicht. In dieser Lage ist man aber nach dem heutigen 
Stand unseres Wissens nicht. 
In den Resultaten für den Maschinenbau von Redtenbacher 
S. 228 Nr. 246 (5. Aust. Heidelberg, Bassermann 1869) 
findet sich eine bezügliche Formel, nach welcher die ausströmende 
Dampfmenge bei einem bestimmten Drucke im Betriebskessel und 
bekannter Größe der Ausströmungsöffnung und der zugehörigen 
Kontraktionskoeffizicnten, sowie bei bekannter äußerer Pressung gegen 
diese Oeffnung zu rechnen ist. In der theoretischen Maschinenlehre 
von Grashof (I. Band, Leipzig, Voß, 1875) sind sodann in 
H112, S. 639, Versuche von Th«mery, Minary und Rosal, 
Rapier angegeben, welche den gleichen Gegenstand behandeln. 
Verwendet man die dort angegebenen Formeln, speziell jene von 
Rapier, so «geben sich Resultate, welche von den nach der Red- 
tenbacherschen Formel abgeleiteten Ausflußmengen unter sonst 
gleichen Umständen ui» ca. 100 "/o differieren. 
In allen diesen Formeln ist nicht bestimmt, welchen Einfluß 
das Verhältnis der Ausströmungsöffnung zur Größe des im Kessel 
enthaltenen Dampfvolumens einnimmt, obgleich erfahrungsgemäß 
dieser Einfluß ein sehr erheblicher ist. 
Diesbezügliche zuverlässige Ermittelungen sind daher sehr nötig. 
2. Aufgabe. 
Die Ermittlung der Druckhöhenverluste bei der Bewegung des 
Grundwassers. 
Begründung. 
Hierüber haben Girard, Poiseuille,Darcp, Rostalski, 
Weiß, Harzer, Seelheim, Kr ö b er u. a. Versuche angestellt. 
Bei allen diesen Versuchen ist der Durchmesser des „Korns" vom 
Grundwasserträger nicht in ausreichender Weise berücksichtigt worden. 
Man könnte aber hierüber sich Klarheit verschaffen, wenn man 
genau kugelförmig gearbeitete Körner herstellen und den Durch 
messer dieser Körner allmählich größer werden ließe, um zu er 
fahren, wie die hiedurch entstehende genau zu ermittelnde Abnahme 
der Berührungsfläche, welche das Wasser an der Oberfläche dieser 
Kugeln findet, das Widerstandsgesetz beeinflußt. 
Wie dies gemeint ist, wurde in der von Lueger verfaßten 
Abhandlung »Theorie der Bewegung des Grundwassers in den 
Alluvionen der Flußgebiete" (Stuttgart, Reff, 1883) S. 7, 8 
und 9 auseinandergesetzt. Die Formel von Kröber, welcher im 
plizite ein ähnliches Gesetz gefunden zu haben glaubt (Zeitschrift 
des Vereins deutscher Ingenieure, Jahrgang 1884, Bd. 28, S. 593, 
617), entspricht den Anforderungen an eine solche Aufgabe nicht, 
weil die Umstände, unter denen diese Lösung zu stände kam, in den 
wirklichen Verhältnissen nicht wiedergefunden werden. 
Es empfiehlt sich daher, hierüber gründliche Untersuchungen 
vorzunehmen. 
3. Aufgabe. 
Ermittlung der Drnckhöhciiverlnste bei der Bewegung von Wasser 
iu Rohrleitungen von mehr als 500 »»» Lichtwcitc. 
Begründun g. 
Bekanntlich sind von Darcy hierauf bezügliche Versuche nur 
mit Röhren von kleinerer Weite als 500 mm angestellt, auch ist 
bei diesen Versuchen die Rauhigkeit der Rohrwand nicht in die hie- 
nach abgeleitete Formel eingeführt worden. 
Bei der gleichförmigen Bewegung des Wassers in Kanälen 
und Röhren wird ferner nach allgemein üblicher Methode der 
Reibungswiderstand als Druckhöhenverlust dargestellt und zwar in 
Forin einer Funktion der Geschwindigkeit und der Rauhigkeit der 
vom Wasser berührten Fläche. Es liegt nun bei dieser Dar 
stellungsweise kein Grund vor, zu unterscheiden zwischen Wasser 
bewegungen, bei welchen der ganze sich bewegende Wasserkörper 
teils mit der Luft, teils mit dem Träger des Wasserst:oines in 
Berührung steht, sofern, was praktisch zulässig ist, die Reibung 
zwischen Wasser und Luft vernachlässigt wird.
	        

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