Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1889/90)

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Fußböden, Wänden, Decken und Thüren, über Fenster, deren 
Lage, Größe und Einrichtung behufs Beleuchtung und Ven 
tilation, über die Heizungs- und Lüftungsanlagen; 
5. über sonstige Gelasse für Schulzwecke; 
6. über die Gänge und Treppen des Schulhauses; 
7. über die Abtritte; 
8. über Wasserversorgung und Blitzableiter; 
9. über Spielplatz und Turneinrichtungen. 
Ueber diese Punkte haben, wie schon angeführt, auch andere 
Staaten, Preußen, Sachsen, Hessen, Bestimmungen erlassen, welche 
teils gleichlautend mit den in Württemberg gültigen sind, teils 
aber auch Abweichungen, besonders in den Maßbestimmungen, 
aufweisen. 
Darüber, daß die Schulräume und deren Zugänge von an 
deren Räumen desselben Hauses, welche anderen Zwecken dienen, 
getrennt zu halten sind, herrscht allseits Uebereinstimmung, des 
gleichen über die Lage des Schulhauses selbst, welches womöglich 
in der Mitte des Wohnbezirks, für den dasselbe bestimmt ist, 
liegen soll, auf freiem, trockenem, sonnigem Platz, ebenso weit 
entfernt von stehenden Gewässern, sumpfigen Plätzen als von Ge 
werbebetriebsstätten, welche ungesunde oder übelriechende Aus 
dünstungen verbreiten oder wegen geräuschvollen Betriebs den 
Unterricht stören. 
Gemeinsanie Forderung ist ein freier trockener Spielplatz, 
welcher, wenn das Schulbaus an einer Straße erbaut werden 
soll, zwischen diese und das Schulhaus zu legen ist. 
Ueber die Konstruktion der Gebäude enthalten die verschie 
denen Bestimmungen nur im allgemeinen die Forderung, daß 
Mauern und Wände trocken, der Erdgeschoßfußboden 0,5—1 w 
über dem äußeren Terrain anzulegen sei; Massivbau wird em- 
pfohlen. 
Verschiedenartiger sind die Bestimmungen über die Größe 
der Schulzimmer. 
Dieselbe hängt einesteils ab von der Zahl der in einer 
Klasse zu vereinigenden Kinder, andererseits von der auf den 
einzelnen Schüler zu rechnenden Luftmcnge. 
Während erstere Zahl zwischen 50 u. 80 sich bewegt, schwankt 
letztere zwischen 1.92— 5 cbm pro Kopf. Beim Vorhandensein 
von Ventilationseinrichtungen kann die Luftmenge noch um 15"/'« 
vermindert werden. 
Für die Zimmerlängen sind in Württemberg, Oesterreich und 
Sachsen 12 m als Maximum angenommen, während Preußen 
schon 9 ni als die Grenze bezeichnet, über welche hinaus die 
Schrift auf den an der Kathedcrwand hängenden Tafeln von 
den hintersten Kindern nicht mehr deutlich erkannt werden könne. 
Die Zimmertiefe bestimmt sich nach der Höhe des Fenster 
sturzes über der Subsellientischplatte und soll nach württem- 
bergischer Vorschrift das 2Vüfache dieses Maßes nicht übersteigen. 
Die Höhe des Schulzimmers ergiebt sich unter Berücksich 
tigung der Bodenfläche aus dem erforderlichen Gesamtluftraum. 
Die Minimalmaße hiefür gehen von 2,92 m in Bayern 
bis 3,8 bezw. 4,5 m in Oesterreich. 
Was Fußboden, Wände und Decke anbetrifft, so wird all- 
gemein verlangt, daß ersterer dicht, die Wände licht abgetönt 
und womöglich von unten auf ca. 1,5 m Höhe vertäfelt seien, 
die Decke soll möglichst ohne Untcrzüge und nicht gewölbt sein. 
Die Thüre wird übereinstimmend an der Langwand gegenüber 
der Fensterwand, und zwar zwischen Katheder und der ersten 
Subsellienreihe — als am zweckmäßigsten angebracht — bezeichnet. 
Von größter Wichtigkeit ist die Anordnung der Fenster, erst 
lich was die Lage der Fensterwand in Beziehung auf die 
Himmelsrichtung anbetrifft, zweitens in Beziehung auf die Sitz 
ordnung der Schüler. 
In beiden Fragen herrscht jedoch der größte Wirrwarr und 
man mag die Fensterseite legen, nach welcher Himmelsrichtung 
man will, immer wird man mit der diesbeziiglichen Vorschrift 
eines der verschiedenen Staaten in Einklang sich befinden, um 
allerdings zugleich allen übrigen entgegen zu handeln. 
Ganz dasselbe ist es mit der Lage der Fenster in Beziehung 
auf die Sitzordnung der Kinder. 
Es sollen nach „Hinträger" unter den auf der Züricher 
Ausstellung 1873 ausgestellt gewesenen Plänen von Schulzimmern 
72 mit dreiseitiger, 82 mit zweiseitiger und nur 65 mit ein 
seitiger Beleuchtung vorhanden gewesen sein. 
Einig scheint man nur darüber zu sein, daß Licht von vorn 
für die Augen schädlich und daher unbedingt zu vermeiden ist. 
Ob aber außer der linksseitigen Beleuchtung, welche doch 
alle mit annehmen, Licht von hinten oder von rechts besser fei, 
darüber sind die Gelehrten noch nicht einig. 
Ein Schulinspektor erzählt darüber eine ergötzliche Geschichte. 
In einem Schulsaal, welcher an der Langseite 4, an einer 
der Schmalseiten 2 gleichbreite Fenster hatte, waren die Schul 
bänke vom Techniker so eingezeichnet worden, daß die Kinder 
das Licht von vorn durch die 2 und von rechts durch die vier 
Giebelfcnster erhielten. Der Lehrer ließ die Bänke umstellen, 
und zwar so, daß den Kindern das Licht von rechts durch die 
beiden Frontfenster und vom Rücken her durch die 4 Giebel 
fenster zugeführt wurde. 
Der revidierende Schularzt verlangte die gerade entgegen 
gesetzte Aufstellung der Bänke, infolge dessen die Kinder das 
Licht von vorn durch die 4 Giebelfenster und von links durch 
die beiden Frontfenster erhalten. 
Schließlich war keine von allen 3 Aufstellungen den gesund 
heitlichen Interessen entsprechend, wohl aber die vierte, welche 
zuletzt dann auch noch ausgeführt wurde. 
Auch so ist die Anordnung noch keine ideale, weil die Klasse 
hiedurch zur Ticfklaffe wird, d. h. mehr Tiefe als Länge hat. 
Als die beste und jetzt auch an den ineisten Orten im 
Prinzip angenommene, ist unstreitig einseitige Beleuchtung, und 
zwar von der zur Linken der Schüler befindlichen Langseitc, 
anzusehen. 
Macht man dabei die Fenster noch genügend groß mit 
möglichst knapp unter der Decke angebrachtem Sturz oder flachern 
Stichbogen, so daß die Gesamtfcnsterflüche Vs oder — wenn die 
Helligkeit durch Nachbargebäude beschränkt ist — x ’u der Fuß 
bodenfläche beträgt, möglichst gleich verteilt, mit verstellbaren 
Vorhängen, die Brüstung nicht zu nieder und die untern Scheiben 
event, mattiert, so wird, mag nun die Fensterwand einer be 
liebigen Himmelsrichtung zugewandt sein, die Beleuchtung des 
Schulsaales, vorausgesetzt, daß gegenüberliegende Gebäude bei 
entsprechender Entfernung nicht zu hoch sind, immer eine aus 
reichend gute sein. 
In großen Städten würd man ohnedies in der Regel bei 
Wahl eines Bauplatzes nicht in der Lage sein, die Fensterseite 
nach einer bestimmten Himmelsrichtung hin zu legen, weil hier 
noch andere wichtigere Faktoren mit in Betracht kommen. 
Zu berücksichtigen ist die Schmierigkeit, so große Bauplätze 
von den angeführten Eigenschaften zu erhalten, und sodann der 
Einfluß, welchen Form und Lage des Bauplatzes in Beziehung 
auf die Straße auf die Grundrißgcstaltung ausüben. 
Was die Heizungsanlagen für Schulen anbetrifft, so em 
pfiehlt unsere württ. Verfügung für größere Schulhäuser Zentral 
heizungen. 
Unter den Oefen zieht sie die thönernen den eisernen vor 
und unter letzteren die Mantelöfen den gewöhnlichen. 
In Bezug auf Lüftung sind die Ansprüche jener Verfügung 
keine großen. Vorrichtungen an den Fenstern und Gegcnöff- 
nungen an der Gangwand werden, behufs Lufterneuerung in Vor 
schlag gebracht. 
Die Verwertung der Ofenwärme zur Zuführung frischer 
und Abführung der verbrauchten Luft wird empfohlen. 
Eine bestimmte Forderung über das Maß der Lufterneue 
rung ist nirgends gestellt. 
Man sollte nun glauben, daß bei der Frage, — ob Lokal 
heizung oder Zentralheizung, — bei den unbestreitbaren Vorzüge», 
welche letztere vor ersterer hat, — es soll hier nur die Einfach 
heit der Bedienung, die Reinlichkeit, die Feuersicherheit, die Mög 
lichkeit einer zweckmäßigen, wirkungsvollen Lüftung, die Gleich 
mäßigkeit der Erwärmung erinnert werden, — sämtliche Betei 
ligte, Techniker, Schullehrer, Aerzte, wie ein Mann sich für die
	        

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