Volltext : Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1890/91)

Krste  ordentliche  Wersammlung  am  8.  März  1890.
Vorsitzender:  v.  Häncl.  Schriftführer:  Tafel.
Anwesend:  15  Mitglieder  und  der  Vereinssekretär.
Nach  Eröffnung  der  Sitzlnig  iverden  die  Berichte  über  die
Versammlungen  vom  14.  Dezember  1889  und  11.  Januar  1890,
sowie  der  Hauptversammlung  verlesen  und  genehmigt.
Hierauf  wird  in  die  Beratung  der  Hamburger  Vorschläge
über  die  Organisation  des  Verbandes  eingetreten,  ivelche  sich  gedruckt ­
  in  den  Händen  der  Mitglieder  befinden.
Weigelin  verliest  die  Anträge  des  Ausschuffes  an  die  Versammlung, ­
  welche  lauten:
1.  Wahl  des  Vorortes  betreffend:  Der  Verein  beantragt, ­
  den  Vorort  künftig  auf  die  Dauer  von  4  Jahren
zu  wählen,  im  klebrigen  an  den  bisherigeil  Bestimmungen,
Vorort  lind  Vorstand  betreffend,  keine  Aenderung  vorzunehmen.

2.  Die  Anstellung  eines  Sekretärs  betreffend:
Der  Verein  hält  die  Aufstellling  eines  Generalsekretärs
nicht  für  erforderlich.  Er  erachtet  es  für  genügend,  dem
Verbandsvorstand  zur  Besorgung  sämtlicher  Sekretärsgeschäfte ­
  sowie  der  Aktenaufbewahrung,  Rechnungsführung
u.  f.  w.  auf  die  Daner  von  4  Jahren  die  Summe  von
4—5000  <M.  jährlich  zur  Verfügung  zu  stellen.  Dementsprechend ­
  ist  der  Verbandsbeitrag  der  Einzelnvereine  zu
erhöhen.  (Zur  erstmaligen  Einrichtung  der  Registratur
wird  die  nötige  Summe  extra  bewilligt.)
3.  Verbandsorgan  betreffend:  Der  Verein  erklärt  sich
gegen  die  Schaffung  einer  neuen  vom  Verbände  oder  deffen
Sekretär  zu  leitenden  techilischen  Zeitschrift  und  empfiehlt,
die  deutsche  Banzeitung  zum  Verbandsorgan  zli  wählen,
jedoch  ohne  Verpflichtung  der  einzelnen  Mitglieder  zum  Bezüge ­
  derselben.
4.  Verbandsmitteilungen  betreffend:  Der  Verein
erklärt  sich  für  Beibehaltling  der  bisherigen  Form  der  Verbandsmitteilungen
  und  für  Verteilung  derselben  an  säintliche
Verbandsmitglieder  auf  Kosten  des  Verbandes.
5.  Verbandsbeiträge  betreffend:  Der  Verein  erklärt
sich  dainit  einverstanden,  daß  an  Stelle  der  bisherigen  Berechnung ­
  der  Verbandsbeitrüge  nach  Einheiten  von  50  Mitgliedern ­
  diejenige  nach  der  Mitgliederzahl  trete.
6.  Mander-  und  Abgeordneten-Versammlung  betreffend: ­
  Der  Verein  erklärt  sich  für  Beibehaltung  der
zweijährigen  Wiederkehr  der  Wanderversammlungen,  ist  aber
damit  einverstanden,  das  Recht  der  Abstimmung  über  irgend
welche  Anträge  ausschließlich  den  Abgeordnetenversammlungen
vorzubehalten.
Rach  Eröffnung  der  allgenreinen  Debatte  teilt  v.  Schlierholz
seine  eigenen  Erfahrungen  als  Verbandsvorstand  mit,  anerkennt
die  in  den  Hamburger  Vorschlägen  geschilderten  Mißstände  der
mangelnden  Kontinuität  in  der  Leitung  der  Verbandsgeschäfte,
und  giebt  ein  Bild  der  früher  darüber  gepflogeiren  Verhandlungen,
deren  Resultate  immer  wieder  im  Sande  verlaufen  seien,  ohne
die  Frage  aus  der  Welt  zu  schaffen.  Er  spricht  die  Befürchtung
aus,  daß-der  Generalsekretär  bei  dem  häufigen  Wechsel  des  Verbandsvorstandes ­

  bald  der  eigentliche  Vorstand  sein  werde,  und
hebt  die  Schwierigkeiten  hervor,  welche  bei  der  Wahl  eines  Sekretärs ­
  sich  zu  erheben  pflegen.  Den  bisher  für  einen  Sekretär
bewilligten  Betrag  von  1000—1500  M.  hält  der  Redner  nicht
für  zureichend,  und  erblickt  daher  in  den  Vorschlägen  des  Ausschusses ­
  einen  weitern  beachtenswerten  Versuch  zur  Lösung  der
schwierigen  Frage.
Baurat  Rheinhard  berichtet  über  die  Vorberatungen  im
Ausschüsse  und  die  Motive,  welche  den  Ausschuß  zu  seinen  Anträgen ­
  geführt  haben.  In  erster  Linie  befürchte  man,  daß  in
kurzer  Zeit  der  Generalsekretär  die  Führung  des  Vereins  in  die
Hände  bekomme  und  die  andern  Vorstandsmitglieder  Nebenpersonen ­
  werden.  Eng  verbunden  mit  der  Idee  der  Aufstellung
eines  Generalsekretärs  sei  ferner  die  Gründung  einer  neuen  Zeitschrift ­
  als  Verbandsorgan,  wofür  ein  Bedürfnis  nicht  vorliege.
Da  der  Generalsekretär  mit  dem  Auskunftsbureau,  der  Registratur ­
  x.  ohne  Zweifel  seinen  Sitz  in  Berlin  haben  werde,  so  komme
thatsächlich  die  Führung  des  Vereins  nach  Berlin,  was  den
Wünschen  vieler  Einzelvereine  auf  Beibehaltung  der  föderativen
Gestaltung  unseres  Verbandes  nicht  entspreche.  So  sehr  man
den  Mangel  an  Kontinuität  in  der  Geschäftsleitung  empfinde,  so
solle  man  sich  doch  angesichts  der  geschilderten  Verhältnisse  mit
dem  leichter  Erreichbaren,  wie  es  in  den  Vorschlägen  des  Ausschusses ­
  enthalten  sei,  begnügen.  Er  habe  anfänglich  vorgeschlagen,
zur  Vermehrung  der  Kontinuität  eines  der  Vorstandsmitglieder
in  den  neuen  Vorstand  hinüberzunehmen,  wolle  aber  solche  Vorschläge ­
  denen  überlassen,  welche  mehr  Erfahrung  über  die  Führung
der  Verbandsgeschäfte  als  Redner,  besitzen.
v.  Schlier  holz  spricht  sich  gegen  die  Gründung  einer
neuen  Zeitschrift  aus,  da  die  Verbandsmitteilungen  vollständig
genügen;  es  sei  schon  früher  darüber  beraten  worden,  ein  Vorstandsmitglied ­
  in  den  neu  zu  wählenden  Verbandsvorstand  hinüberzunehmen, ­
  man  sei  aber  wieder  davon  abgekommen,  weil  man  sich
bei  der  Verschiedenheit  des  Wohnorts  wenig  davon  versprochen
oder  eher  eine  Verschleppung  der  Geschäfte  befürchtet  habe.  Als
sehr  wünschenswert  bezeichnet  Redner,  daß  der  Sekretär  die  Geschäfte ­
  länger  als  2  Jahre  besorge  und  erklärt  sich  im  Uebrigen
mit  den  Vorschlügen  des  Ausschusses  einverstanden.
Wallersteiner  begründet  seine  von  den  Vorschlügen  des
Ausschusses  abweichende  Ansicht  über  die  Anstellung  eines  Generalsekretärs, ­
  gegen  die  er  sich  nicht  so  unbedingt  erklären  möchte.
Die  Kontinuität  der  Verbandsgeschäfte  laste  sich  bei  einer
2—1  Jahre  dauernden  Vorstandschaft  nicht  durchführen;  auch
lasse  sich  von  der  zielbewußten  Thätigkeit  eines  Generalsekretärs
manches  Heilsame  für  den  Verband  erwarten.  Ob  nicht,  wenn
man  die  deutsche  Bauzeitung  zum  Vereinsorgan  wähle,  der  Sekretär ­
  des  Verbandes  in  die  Redaktion  der  Bauzeitung  eintreten  könne?
Rheinhard  giebt  die  Möglichkeit  zu,  glaubt  aber,  daß
hiefür  wenig  Aussicht  vorhanden  sei,  wenn  man  sich  der  Banzeitung ­
  nicht  an  den  Hals  werfen  wolle.
Laistner  bemerkt  gegen  Wallersteiner,  daß  der  Generalsekretär ­
  seinen  Sitz  in  Berlin  haben  werde,  während  der  Verbandsvorstand ­
  bald  da  bald  dort  sei.  Vorstand  und  Sekretär
gehören  zusammen;  das  habe  den  Ausschuß  hauptsächlich  bestimmt,
gegen  die  Aufstellung  eines  ständigen  Sekretärs  sich  auszusprechen.
            
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