Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Abbildung^?. Alte Wandarkatur nach der Freilegung 
Schiffs, des Chors und der drei Türme bei den Anschlüssen an das 
Dachwerk hat sich in Folge der Brandbeschädigungen dermaßen zer 
stört gezeigt, daß die notwendige Erneuerung dieser Bauteile einen 
ungeahnten Kostenaufwand verursachte. Ebenso befanden sich die 
Fenster-Einfassungen und Maßwerke im Mittelschiff und teilweise in 
den Seitenschiffen, sowie die Kreuzgewölbe-Rippen samt den äußeren 
Strebebögen des Hochwerks und den spätgotischen Fialen in unhalt 
barem Zustande; vieles mußte hier neu eingesetzt werden, namentlich 
mußte bei den Umfassungswänden durch Einfügen von Bindersteinen 
und Vorstellplatten eine neue Verbindung 
der inneren durch Brand schwer geschädigten 
Mauerschale mit der äußeren noch guten 
Mauerschale und dem dazwischen liegenden 
schlechten Füllgemäuer angestrebt werden. 
Eine bedeutende und sehr schwierige 
Arbeit war durch die nicht zu umgebende 
Umgestaltung der nach dem Brande von 
1726 erfolgten Ummantlung der Mittcl- 
schiffssäulen (Abb. 5) vorzunehmen. Die 
jetzt wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt 
erstandenen Bündelpfeiler geben nun dem 
Innern ein überaus stilvolles Gepräge. 
(Abbildung 6). 
Dieselbe Aenderung mußte sich natur 
gemäß auch auf die Wandpfeiler ausdehnen, 
wie auch die über den Mittelschiffssänlen 
sich erhebenden Arkadenbögen aus konstruk 
tiven Gründen erneuert werden mußten, 
indem die unter den verbrannten alten 
Bögen eingesetzt gewesenen Bogensteine sich 
ohne jeglichen Verband vorfanden. Hiezu 
kam noch, daß zum Zwecke der Wiederer 
richtung der nach dem Brande nicht mehr- 
vorhanden gewesenen massiven Seitenschiff 
gewölbe am Fuße der Arkadenbögen neue 
Kämpfersteine eingesetzt werden mußten, so 
daß die genannten eingeflickten Arkaden 
bögen nicht mehr beibehalten werden konnten. 
Die neuen Bögen zeigen nun wieder 
ihre ursprüngliche schlanke Form, auch 
wurde über denselben die beseitigt ge 
wesene horizontale Gesimsgurt wieder 
hergestellt. 
Ein umgewandeltes Gepräge erhielt 
unsere Marienkirche ferner durch die 
Wiederherstellung der wiedervorgefun- 
denen, durch den Brand vernichtet ge 
wesenen Wand-Arkaden an den La»g- 
seiten der Seitenschiff-Wände (Abb. 7 
und 8). Dieser überaus seltene Schmuck 
ist auch in den Münstern zu Straßburg 
und Freiburg zu finden. 
An den beiden östlichen Chortürmen 
waren sowohl äußerlich als innerlich er 
hebliche Ausbesserungen und Erneue 
rungen durchzuführen, in Folge deren 
nun die Jnnenräume dieser Türme sich 
in passender Weise als Archive verwenden 
lassen. Die nördlich gelegene Sakristei 
wurde von außen zugänglich gemacht 
und vor diesen Eingang aus rein prak 
tischen Gründen eine Vorhalle gebaut, 
welche genau in den Formen des alten 
Baues gehalten, nun dem Aeußern eine 
willkommene Belebung giebt. 
Die gesamten Dachstühle über den 
Schiffen, wie auch über dem Chor 
wurden in Eisenkonstruktion mit farbiger 
Falzzicgeleindeckung neuerstellt und alle Rinnen, Rohre und Ver 
wahrungen der Dächer in Kupfer aufs dauerhafteste hergestellt. 
An Stelle des früheren Holzgiebels zwischen dem Chordach und 
dem höher gelegenen Mittelschiffdach wurde ein stilgemäßer Stein 
giebel mit oberem Kreuzabschluß aufgeführt. An dem südlich ge 
legenen schönen „Braut-Portal" handelte es sich neben konstruktiven 
Verstärkungen um den Ausbau des oberen unvollendet gewesenen 
Abschlusses, wobei der Baumeister in Verbindung mit den beiden 
seillichen Strebepfeilern und der darüber befindlichen südlichen Quer- 
Abbildung 8. Wiederhergestellte Wandarkaden.
	        

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