Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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des speziellen Berufs des Schülers, bezw. von Meßinstrumenten für 
elektrotechnische Zwecke, elektrischen Lampen, Elektromotoren u. s. w. 
nach Zeichnung. 
Die Aufnahme in die einzelnen Jahreskurse, welche in der 
Regel nur zu Beginn des Schuljahrs (1. Mai) stattfindet, setzt je 
das Bestehen einer Aufnahme- bezw. Promotionsprüfung für den 
betreffenden Kurs voraus. Verlangt wird bei der Prüfung: für den 
Vorkurs: Zurücklegung des 14. Lebensjahrs im Aufnahmejahr. Ent 
lassung aus der Volksschule oder einer anderen gleichwertigen Schule 
und Nachweis derjenigen Kenntnisse, welche durch vollständigen Besuch 
der Volksschule erlangt werden können; für den Fachkurs: Zurück 
legung des 15. Lebensjahrs im Aufnahmejahr und Nachweis der 
jenigen Kenntnisse und Fertigkeiten, welche im Vorkurs der Anstalt 
erworben werden. Junge Leute, welche bereits eine Lehre zurückgelegt 
und eine Fortbildungsschule besucht haben, können, wenn sie bei der 
Aufnahmeprüfung die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nach 
weisen, unmitrelbar in den Fachkurs aufgenommen werden; für den 
Fortbildungskurs: Zurücklegung des 16. Lebensjahrs im Aufnahme- 
jahr, für die Regel Absolvierung des Fachkurses und Nachweis der 
jenigen Kenntnisse und 'Fertigkeiten, welche in den vorhergehende» 
Kursen der Schule erworben werden. 
Das Schulgeld beträgt für den deutschen Reichsangehörigen 
je auf ein Schuljahr 25 Jt. Den Schülern werden der Handwerks 
zeug für den Unterricht und die sonstigen Unterrichtsmittel mit Aus 
nahme der Schreibmaterialien, eines Reißzeugs und der leicht zer 
brechlichen Gegenstände des Handwerkszeugs von der Schule gestellt. 
Vorläufige Anmeldungen zur Aufnahme in die Schule wären 
an die K. Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart zu 
richten, von welcher auch Programme der Fachschule bezogen werden 
können. 
Verschiedenes. 
Das große Nilstauwerk oberhalb Affuan. In der Gruppe 
des VII. Geographischen Kongresses für Antropogeographie hielt vr. 
de Chpareele aus Genf einen höchst interessanten Vortrag in 
französischer Sprache über das große Nilstauwcrk oberhalb Assuan. 
Niemals ist der bekannte Ausspruch Herodots, daß Aegypten ein Ge 
schenk des Nil sei, berechtigter gewesen als heutigen Tages, wo das 
Nilwasser eine ganz besonders hohe Bedeutung für das Land gewonnen 
hak Früher, zur Zeit der Pharaonen, stand in Aegypten der Ge 
treidebau in Blüte, der sich infolge seiner Anspruchslosigkeit hinsichtlich 
der Feuchtigkeit mit der alljährlichen Hochwasserüberschwemmung be 
gnügte. Seitdem aber Mehemet Ali den Anbau von Handelsgewächsen, 
namentlich von Baumwolle und Zuckerrohr einführte, Gewächsen, die 
beinahe während des ganzen Jahres Waffer gebrauchen, wurde die 
Anlage von Kunstbauten erforderlich, um den Wasserstand in den 
Bewässerungskanälen zu erhöhen. Mehemit Ali errichtete deshalb 
1835 am Ausgange des Deltas den großen Staudamm, der die 
Fläche des bebauten Landes in Unterägypten außerordentlich auszu 
dehnen gestattete. Die seitdem fortdauernd steigende Erweiterung des 
Ackerbaues über Oedländereien und die Vermehrung des Anbaues 
von Handelsgewächsen hat das Bedürfnis einer Bewässerung stetig 
vermehrt. Trotz strenger und peinlich bis ins Einzelne gehender 
gesetzlicher Regelung der Wasserentnahme fängt das Wasser in Aegypten 
an knapp zu werden, und es sind zahlreiche Vorschläge gemacht 
worden, diesem Uebel durch Staudämme und Thalsperren abzuhelfen 
Der englische Ingenieur Wilcox wurde von der ägyptischen Regierung 
mit dem Studium dieser Vorschläge beauftragt. Es wurde darauf 
beschlossen, oberhalb des ersten Wasserfalles eine große Thalsperre 
zu errichten und zwar mit Hilfe eines Sraudammes unterhalb der 
Insel Philae. Wie noch erinnerlich sein wird, erhoben sich gegen 
diesen Entwurf schwere Bedenken, im Hinblick auf die archäologischen 
Schätze dieser Insel, die durch den Stau aufs höchste gefähidei 
worden wären, und es kam schließlich zu einer Aenderung des Ent 
wurfes, der zufolge der Stau weniger hoch angelegt wird, sodaß statt 
3'/, Milliarden cbm Wasser nur eine Milliarde aufgestaut werden 
soll. Im Sommer 1898 sind die Vorarbeiten in Angriff genommen, 
und am 12. Februar v. I. konnte die feierliche Grundsteinlegung 
durch den Herzog von Connaught erfolgen. Der aus rötlichem Granit 
geradlinig zu erbauende Staudamm von Assuan ist 2 km lang und 
erlaubt, den Nil bis 106 m über dem Meeresspiegel und 20 m über 
dem Spiegel des Oberlaufes anzustauen. Seine Kronenbreite be 
trägt 8,02 m, seine Stärke am Grunde 25,12 m, seine Höhe 28,14 in 
an der Stelle des tiefsten Wassers. 180 mit Schützen versehene 
Oeffuungen lassen das Nilhochwasser durch, und indem man sie im 
Laufe des Dezember allmählich schließt, speichert man einen hin 
reichenden Wasservorrat für die trockene Zeit auf. Ein Schiffahrts 
kanal mit drei Schleusen auf dem linken Stromufer vermittelt den 
Verkehr. Trotz unvorhergesehener Schwierigkeiten, die sich aus der 
für die Gründung des Dammes niigeeignelen Beschaffenheit des 
Gesteins an einigen Stellen des Strombettes ergaben, hofft der Bau 
unternehmer John Aird, den Bau 1902 vollenden zu können. Am 
31. Dezember 1898 waren schon 2900 Arbeiter thätig, darunter 
271 Europäer, meist Italiener. Anfangs März 1899 beschäftigte 
man bereits 6000 Leute, unter diesen etwa 600 italienische Stein 
metzen. Wie durch Zauber ist am rechten Nilufer zwischen Shelatt 
und Mahatta eine ganze Arbeiterstadt aus der Erde gewachsen. Eine 
Ergänzung dieses Staudammes von Assuan bildet der Damm von 
Assiut, 825 m lang und dazu bestimmt, den Wasserzufluß des die 
Bewässerung Mittelägyptens besorgenden Jbrahimieh-Kanals zu regeln. 
Die Kosten der Wasserbauten von Assuan und Assiut werden sich auf 
mehr als 100 Millionen Franken belaufen und man schätzt den 
Mehrwert, den Aegypten durch die Anlage infolge der Vergrößerung 
des anbaufähigen Landes und die bessere Wasserverteilung erfährt, 
auf eine halbe Milliarde Franken. Indessen wird es mit dieser 
Thalsperre nicht abgethan sein. In einer im April v. I. erfolgten 
Unterredung ließ Lord Cromer, britischer Generalkonsul in Kairo, dem 
Vortragenden gegenüber durchblicken, daß der Stau von Assuan 
nur eine erste Staffel sein wird in der Nutzbarmachung des Nil 
wassers für den Ackerbau. Ohne Zweifel werden bis Khartum hinauf 
sämtliche größeren Wasserfälle zu ähnlichen Thalsperren ausgebildet 
werden, sodaß man mit Hilfe des so aufgespeicherten Wassers Tausende 
von qkm ägyptischen Bodens anbaufähig machen kann, die jetzt wüst 
liegen, und zweifellos wird Aegypten, das schon heute, wie Lord 
Cromer äußerte, eines der reichsten Länder der Erde ist, mit diesen 
Anlagen seine Erträgnisse in gewaltigem Maßstabe noch weiter ent 
wickeln können. iKulturtechniker.) 
Der Abteilungsausschuß für landwirtschaftliche Baukunst der 
deutschen Bauausstellnng Dresden 1900 hat folgende Bekannt 
machung erlassen: Die Abteilung für landwirtschaftliche Baukunst der 
deutschen Bauausstellung Dresden 1900 beabsichtigt in Fortführung 
und Förderung der vom Sächsischen Ministerium des Innern mit 
Erfolg aufgenommenen Bestrebungen zur Verbesserung und Ver 
billigung des landwirtschaf lichen Bauwesens ein Mustergehöfte zu 
einer Wirtschaft für 15 Hektar Land zu errichten, welches hinsichtlich 
seiner Zweckmäßigkeit, Einfachheit und Dauerhaftigkeit, wie nicht 
minder durch gefällige Außenerscheinung vorbildlich sein soll und zwar 
nicht nur für die Anordnung und die Ausmaße der Räume, sondern 
auch für die gewählte Bauweise, Ausbauarbeiten und Innen 
einrichtungen. 
Nachdem ein unter der deutschen Architektenschaft ausgeschriebener 
Wettbewerb die Planung des Dresdener Architekten E. Kühne als 
die empfehlenswerteste ergeben und diese Planung nach weiteren Be 
ratungen unter Hinzuziehung sachverständiger Bautechniker, Landwirte 
und Vertreter des Landeskulturrates eine wesentliche Durcharbeitung 
und Verbesserung erfahren hat, liegt dem Abteilungsausschusse nun 
mehr daran, für die geplante Durchführung dieses Gehöftes Inte-
	        

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