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Jahr zur Ausführung gelangen soll, dazu dienen, die zu rasche Ent
weichung der warmen Luft aus dem Schiff der Kirche zu verhüten.
Der Umbau des hölzernen Glockenstuhls nebst Unterstützungs
gerüst und Böden in einen eisernen ist von Herrn Münsterbaumeister
Beyer schon seit langer Zeit erwogen worden, die verwitterten und
vielfach wackelig gewordenen Hölzer machten keinen guten Eindruck,
eine gründliche Renovierung war nicht mehr lange hinauszuschieben
und es erschien der Umbau in Eisen als das Einfachste. Im Frühjahr
dieses Jahres wurde mit der Aufstellung der Pläne begonnen und
es ergaben sich hiebei gleich von Anfang an erhebliche Schwierigkeiten.
ES war zuerst von Herrn Beyer beabsichtigt, den neuen Glockenstuhl
in zwei Teilen auszuführen, so daß während des Umbaus das Ge
läute aus dem Turm nicht unterbrochen zu werden brauchte. Es
zeigte sich aber bald die Unmöglichkeit der halbseitigen Ausführung
der Böden und so entschloß man sich zur Ausführung auf einmal,
wobei das Geläute einfach auf eine Glocke beschränkt wird, die
provisorisch auf einem Teil des früheren Glockenstuhls im Münster
hofe aufgehängt ist. Schwierig erschien auch die Befestigung der
Hauptträger des Unterbodens auf der Ostseite der Umfassungs
mauer des Turmes, weil sie mit den Verstärkungen in Kollision
gekommen wäre, welche hier aus Veranlassung des Turmaufbaues
vorgenommen worden waren. Man entschloß sich deshalb, den Glocken
stuhl um 90°/o zu drehen, so daß jetzt die Glocken Süd-Nord,
statt seither Ost-West schwingen. Eine schädliche Einwirkung auf
die Turmmauern erscheint bei der Massigkeit derselben ausgeschlossen.
Die Eisenkonstruktion besteht der Hauptsache nach aus
4 Böcken, welche auf dem unteren Boden ihr festes Auflager haben
und welche gegen Horizontalkräfte unverschieblich sind, aus dem
oberen Boden, welcher ringsum vom Mauerwerk absteht, und aus
dem Glockenstuhl mit 4 Tragwänden wie seither. Die Konstruktion
ist deshalb ganz im System der seitherigen Holzkonstruktion gehalten,
die sich gut bewährt hat, es ist nur der Oberbau noch freier vom
Mauerwerk gehalten, als seither.
Der die Gerüste tragende Unterboden besteht aus 4 Haupt
trägern, welche als Kastenträger ausgebildet sind, um die Stützen
der Böcke leicht befestigen zu können. Die Träger werden in 3 Stücken
ausgeführt mit Rücksicht auf bett Vertikaltransport durch den Turm.
Auf den Hauptträgern liegen ^Eisen in Abständen von 0,84 m;
der Zwischenraum ist durch Betonbögen ausgefüllt. Als Ab
deckung dienen Plättchen, das Seitengcfälle beträgt 4"/» und ist da
durch erreicht, daß die Hauptträger in der Mitte 1 m, an dem Ende
0,76 m hoch sind. Die Höhe des Unterbodens am tiefsten Punkt
beträgt 44,30 m über dem Kirchenboden.
Für den unteren Boden ist eine zufällige Last von 500 kg
pro qm angenommen, auch ist eine Belastung des Bodens an be
liebiger Stelle durch die schwerste Glocke von 5000 kg in Betracht
gezogen. Bei der großen Lichtweite des Turmes von 13,6 m er
gaben sich hiedurch sehr kräftige Dimensionen der Hauptträger. Diese
Dimensionen zu vermindern, schien nicht angängig, weil doch bei
etwaigen Reparaturen im Turm oder in der Kirche eine Benutzung
dieses Bodens als Werkraum nicht ausgeschlossen ist und 500 kg
pro qm nur dem Gewicht einer Backsteinschichte von ca. 20 cm Höhe
entsprechen.
Die Gerüstböcke haben das Gewicht des Oberbaues und der
Glocken und den Horizontalschub der schwingenden Glocken auf die
Hauptträger des Unterbodens zu übertragen. Die Hauptträger des
letzteren werden dadurch wenig in Anspruch genommen, da die Be
lastung nahe dem Auflager eintritt, aber die Böcke selbst sind sehr
stark beansprucht.
Die durch eine schwingende Glocke hervorgebrachte Vertikal
belastung beträgt nämlich bei voller Schwingung bis zur Hori
zontale etwa das dreifache des Glockengewichts, die Horizontal
kraft etwa das 1'/-fache, und ist hienach die Berechnung durch
geführt, da immerhin ab und zu der Moment eintreten wird, daß
alle geläuteten Glocken einmal Max. V oder Max. H ausüben
werden.
Ohne auf die Berechnung näher einzugehen, sei bemerkt, daß
8 verschiedene Belastungsfälle: Max. oder Min. von V und H be
lastete oder unbelastete Böden, Schwingen der Glocken nach rechts
oder links angenommen, für jeden Fall die Kräfte der einzelnen
Konstruktionsteile berechnet und je die Maxima als maßgebend für
die Querschnitte angenommen sind.
Bezüglich der Form der Böcke ist zu bemerken, daß der mittlere
Spitzbogen nur des schöneren Aussehens wegen an Stelle einer ge
raden Strebe gewählt wurde. Durch die Fachausfüllung der Felder
ist aber der Bogen versteift und die ganze Figur stabil, wie wenn
dieselbe aus Dreiecken bestände. — Wenn in eine a eine Horizontal
kraft H wirkt, so entsteht in rnn Druck, in rnn, Spannung und
auf den unterstützenden Hauptträger rechts eine nach oben gerichtete
Vertikalkraft V, welche durch das Gewicht des Gerüstes und den
schweren unteren Boden sicher im Gleichgewicht gehalten wird. Im
Punkte m wirkt zwischen den beiden Streben eine vertikale Schub
kraft, welche durch die Knotenplatten, beziehungsweise durch den
Querschnitt des Trägers BC aufgenommen wird.
Die Horizontalkraft 14 kann durch die Reibung des Trägers auf
der Mauer, beziehungsweise der Rest durch die Ankerschrauben des
selben aufgenommen werden; dieser übrig bleibende Teil ist eben
falls gering.
Die Böcke sind, wie erwähnt, an den Enden in die Tragbalken
eingesteckt und hier vernietet. Die Böcke sind im weiteren in der
Querrichtung durch Diagonalen aus Winkeleisen ausgesteift, und zwar
sowohl in der inneren als äußeren Ebene. Diese Diagonalen haben
nur unbedeutende, zufällige Spannungen auszuhalten, da nach der
Quere keine Kräfte in die Konstruktion eintreten.
Der obere Boden ist, wie erwähnt, von den Turmwänden
vollständig freigehalten, derselbe war anfangs ^ebenfalls als Beton
boden mit Plättchen abgedeckt auf eisernem ^-Balken vorgesehen.
Das große Gewicht, die Schwierigkeit der Wasserableitung unter dem
Glockenstuhl durch und die ungeschickte Form der Unterzüge für den
Glockenstuhl hat zu einer Veränderung der Konstruktion Anlaß ge
geben. Der Boden wurde horizontal angelegt einfach mit Dielen
abgedeckt, das etwa durch die Fenster auf den Boden fallende Wasser
fällt durch die Zwischenräume der Dielen auf den unteren Boden,
was keinen Nachteil mit sich bringt. Die den Boden unterstützenden
^Träger sind so stark gewählt, daß sie eine Glocke in beliebiger
Stellung zu tragen vermögen. — Höhe des Dielenbeleges des Ober
bodens — 56,5 m über dem Kirchenboden.
Der Glocken stuhl erhielt anfangs eine solche Höhe, daß die
Aufhängehöhe der Glocken und des oberen Bodens genau die
selben blieben, wie seither, die Träger erhielten hiedurch eine Höhe von
4,0 m. Man hat später die Höhe auf 3,25 m reduziert, so daß