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Bei Errichtung eines Monumentalgebaui.es auf einem mit guten 
Abmessungen vorhandenen bebauten Platze muß der Architekt den 
absoluten großen Maßstab und die Massengliederung des Bauwerkes 
so wählen, daß sie in gutem Einklang mit dem Platz und seiner 
Umgebung stehen. 
Bei Neuanlage eines Platzes vor einem Monumentalgebäude 
sind dessen Abmessungen so zu wählen, daß dieselben harmonisch mit 
der Massengliederung des Gebäudes, seinem absoluten Maßstabe, 
zusammengehen. 
Bei Anlage eines Gebäudes an einem vorhandenen, aber zu 
großen Platze muß der Architekt versuchen, denselben durch dekorative 
Behandlung gärtnerisch oder plastisch so zu verkleinern, daß keine 
Disharmonien entstehen. 
Das Errichten eines Monumentalgebäudes au einem zu kleinen 
Platze müßte der Architekt unter allen Umständen zu vermeiden suchen, 
oder er ist gezwungen, den absoluten Maßstab des Gebäudes dein 
kleinen Platz entsprechend sehr klein zu wählen. 
In vorgenannten vier Fällen bilden naturgemäß die Vermitte 
lung des absoluten Maßstabes mit dem Einheitsmaßstab die Details 
der Architekturteile. 
Als Beispiele maßstäblich vorzüglicher Lösungen oder, wenn 
mau so will, von künstlerisch vollendete Bilder ergebenden Plätzen 
sind in erster Linie zu nennen: der Marktplatz in Brüssel, bei welchem 
das ebenfalls spätgotische große Rathaus einerseits, die Residenz auf 
der anderen Seite und die Gildenhäuser der beiden übrigen Seiten 
sich zu einem vorzüglich harmonischen Ganzen gruppieren. 
Als mindestens ebenso schön, wenn auch in kleineren Ab 
messungen, dürfte der Platz vor dem Rathause in Brügge gelten; 
> Platz und Gebäude sind auch hier in ausgezeichnet fein abgestimmten 
Verhältnissen angelegt. Auch Antwerpen zeigt uns mit seinem Rat 
haus am Markt und den umgebenden Gildenhäusern ein Werk der 
feinsinnigen Architekten jener Bauperiode; ferner ist der Petersplatz 
in Rom in seinen Abmessungen und den umgebenden Kolonaden den 
gigantischen Fassaden des St. Peter in harmonischer Weise angepaßt. 
In Rouen zeigt uns der offene Hof des Rathauses die feine 
Empfindung des Architekten, durch einen vorgelagerten Platz, in diesem 
Fall einen offenen Hof, den Gebändekomplcx außerordentlich schön 
zu gliedern. 
Es ließen sich im Ausland noch viele Beispiele nennen, doch 
auch unser eigenes Vaterland zeigt uns viele treffliche Lösungen; 
davon möchte ich erwähnen: das Rathaus in Heilbronn, das sicher 
lich in einem sehr guten Maßstab znm vorgelagerten Platz abgestimmt 
ist, ferner die Rathäuser in Ulm, Hildesheim, in Lübeck mit den 
vorzüglichen Kolonaden; ferner die Rathäuser in Aachen, Rothen 
burg a. d. Tauber, der Römer in Frankfurt und viele andere. 
Auch hier in unserer Hauptstadt sind in dieser Beziehung einige 
j der besten Beispiele zu erwähnen, so der Platz des Schillerdenkmals, 
ferner der Schloßplatz mit seinen ganz ausgezeichneten Verhältnissen 
einerseits zum König!. Schloß, andererseits zum Königsbau dürften 
Beweise von der Richtigkeit meiner Behauptungen sein. 
Und wenn es uns gelingen sollte, für die Architektur des neuen 
Rathauses den richtigen Maßstab zu treffen, so dürfte wohl der 
Stuttgarter Marktplatz mit seinen zum Teil außerordentlich schönen 
Privatgebänden sich würdig in die Zahl der harmonisch schönen 
Architekturbilder unserer deutschen Städte einreihen. 
Die Verleihung des Promotionsrechls an die Technische Hochschule 
feierte die Studentenschaft der Hochschule am 1. März d. I. durch 
einen glänzend verlaufenen Festkommers. Wir versäumen nicht, die 
denkwürdigen Reden des zur Feier erschienenen Ministers des Kirchcn- 
und Schulwesens und des Rektors der Hochschule nachträglich an 
dieser Stelle zu bringen. 
Rede des Herrn Kultministers Dr. von Sarwey: 
Hochansehnliche Versammlung! Se. Maj. der König haben 
mich gnädigst zu beauftragen geruht, den versammelten Festgästen 
Sein Bedauern darüber auszusprcchen, an dem persönlichen Erscheinen 
bei dem heutigen Fest verhindert zu sein, mit dem Anfügen, daß es 
Sr. Maj. zur Freude gereicht hat, der Techn. Hochschule durch die 
an dem Allerhöchsten Geburtsfeste verliehenen Rechte eine Anerkennung 
ihrer hohen wissenschaftlichen Bedeutung, sowie einen Beweis Seiner- 
persönlichen Fürsorge zu Teil werden zu lassen. — Nach Vollziehung 
dieses Allerhöchsten Auftrags sei cs mir gestattet, als Vertreter des 
Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens die Technische Hochschule 
zu der Verleihung des Rechts der Promovierung zum Doktor-Ingenieur 
zu beglückwünschen. Die Verleihung dieses Rechts ist gewissermaßen 
der sichtbare Abschluß der mit den großartigen Fortschritten der 
Naturwissenschaft und der Technik, wie mit den weltgeschichtlichen 
Ereignissen des abgelaufenen Jahrhunderts in Wechselwirkung und 
im engsten Zusammenhang stehenven Ausbildung des technischen 
Unterrichts. Wie die anderen technischen Hochschulen, so kann auch 
unsere technische Hochschule bei dem Beginn des neuen Jahrhunderls, 
ausgegangen von bescheidenen Anfängen, mit Stolz und Genugthuung 
auf eine hocherfreuliche, niemals unterbrochene Entwicklung in immer 
reicherer Entfaltung ihrer Wirksamkeit zur Verivertung der wissen 
schaftlichen Erkenntnis der Naturgesetze für das Volksleben und die 
Volkswohlfahrt zurückblicken. Dank den hervorragenden Lehrkräften, 
welche an unserer Hochschule wirken, dank auch den äußeren Ein 
richtungen, durch welche sie den bestausgcstatteten Schwesteranstalten 
sich ebenbürtig an die Seite stellen kann, sind wir berechtigt, die zu 
versichtliche Hoffnung auszusprechen, daß sie stets eine glänzende und 
gesuchte Pflanzstätte der technischen Wissenschaft und der allgemein 
bildenden Fächer, tvie der praktischen Vorbildung für die technischen 
Berufszweige sein und bleiben wird. Eine äußere Anerkennung 
dieser Stellung und Bedeutung unserer Hochschule ist, wie Se. Maj. 
der König kundzugeben geruht haben, die Verleihung des Rechts der 
Doktorpromotion. AN Ihnen, meine geehrten Herrn Studierenden, 
die Sie das heutige schöne Fest veranstaltet haben, wird es nun sein, 
der Hochschule recht bald und zahlreich Gelegenheit zu geben, von 
dem neuen Rechte Gebrauch zu machen, Ihnen ist nun die Bahn 
eröffnet, durch den mit Ihrem Namen in allen Lebensstellungen ver 
bundenen Titel des Doktor-Ingenieurs, durch diesen Ritterschlag der 
Wissenschaft Anerkennung, Auszeichnung und Ehre zu erwerben. Der 
missenschaftliche Geist und der Fleiß, welcher an unserer Hochschule 
herrschend ist, giebt die Bürgschaft, daß Ihnen diese Aussicht ein 
neuer Antrieb sein wird, nach den höchsten Zielen Ihrer Bildungs 
laufbahn zu streben. Wir vereinigen uns in dem Wunsch, daß unsere 
Technische Hochschule bis in die fernsten Zeiten blühen und gedeihen 
möge. Die Regierung wird den wohlwollenden Intentionen Sr. Majestät 
entsprechend, wie bisher, stets bestrebt sein, die Interessen der Hoch 
schule zu fördern, ihre Wünsche und Bedürfnisse, namentlich auch 
durch Bereitstellung der erforderlichen Mittel, soweit immer möglich, 
zu befriedigen. Ich lade Sie ein, einzustimmen in den Ruf, die 
Technische Hochschule Stuttgarts lebe hoch. 
Rede des Herrn Rektors Prof. Dr. von Weyrauch: 
Das 19. Jahrhundert begann auf technischem Gebiet mit den 
ersten Versuchen der Gasbeleuchtung. Es war wie ein symbolischer 
Vorgang, denn in höherem Sinn stand das ganze Jahrhundert im 
Zeichen der Göthe'schen Worte: Mehr Licht. Indem ich den Namen 
des Unvergleichlichen nenne, erinnern wir uns, daß vor nicht langer 
Zeit sein 150. Geburtstag weithin festlich begangen wurde. Auch 
wir wollen dem großen Kenner von Natur und Leben bei dieser 
ersten Gelegenheit unsere Huldigung darbringen und damit anerkennen, 
daß auch die Technik nur nach ihrer Bedeutung für die allgemeine 
Kultur, für das Wohl der Völker und die Befriedigung des mensch 
lichen Geistes beurteilt werden kann. Welche Rolle ihr schon Göthe 
in dieser Beziehung anwies, hat er im 2. Teil des Faust gezeigt. 
Vor b/4Jahrhundert äußerte Göthe zu Eckermann: „Die Zeit ist in 
ewigem Wechsel begriffen und die menschlichen Dinge haben alle 
50 Jahre eine andere Gestalt, so daß eine Einrichtung, die im Jahr
        

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